Panorama

Urteil nach großem Waffenfund in Remscheid erwartet

Unter einer Werkstatt in Remscheid fand die Polizei vier versteckte Waffenkammern mit rund 300 scharfen Schusswaffen. Nun steht der Hauptangeklagte vor dem Urteil.

Von dpa

30.10.2026

Sichergestellte Waffen wurden bei einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium gezeigt. (Archivbild)Federico Gambarini/dpa

Sichergestellte Waffen wurden bei einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium gezeigt. (Archivbild)Federico Gambarini/dpa

© Federico Gambarini/dpa

Nach einem der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland wird am Freitagnachmittag am Landgericht Wuppertal das Urteil gegen den Hauptangeklagten erwartet.

Der 60 Jahre alte Kfz-Meister aus Remscheid muss mit einer Haftstrafe zwischen sechs und sieben Jahren rechnen. Das sieht eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung in dem Verfahren vor. Im Gegenzug hatte der Mann ein Geständnis im Prozess abgelegt.

Unter der Autowerkstatt des Kfz-Meisters hob die Polizei vor einem Jahr vier Waffenkammern aus. Die Ermittler stießen zunächst auf eine Art Museum, zu dem auch Uniformen aus der NS-Zeit, Fotografien und Propagandamaterial gehörten. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet, konnte aber keine Anhaltspunkte für eine rechtsextreme Gesinnung des Mannes feststellen.

Das große Waffenarsenal nach der Entdeckung durch die Polizei.--/Polizei Wuppertal/dpa

Das große Waffenarsenal nach der Entdeckung durch die Polizei.--/Polizei Wuppertal/dpa

© --/Polizei Wuppertal/dpa

Im ersten Bereich, der wie ein Museum eingerichtet war, fanden sich zahlreiche Dekorationswaffen oder unschädlich gemachte, sogenannte entmilitarisierte Waffen. Ihr Besitz ist legal. Bei der aufwendigen Räumung entdeckten die Beamten dann schließlich aber mehrere gut getarnte Kellerräume mit Geheimtüren, hinter denen illegale Waffenbestände gefunden worden seien.

Selbst Panzerabwehrwaffen gefunden

Die Bilanz der Ermittler lautete: rund 300 scharfe Schusswaffen. Darunter befanden sich demnach 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, Präzisionsgewehre und 11 Revolver. Auch 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten und fast 100.000 Schuss Munition.

Polizisten transportieren ein Maschinengewehr als Teil der gefundenen Waffen ab. (Archivbild)Roberto Pfeil/dpa

Polizisten transportieren ein Maschinengewehr als Teil der gefundenen Waffen ab. (Archivbild)Roberto Pfeil/dpa

© Roberto Pfeil/dpa

„Mit den sichergestellten Handgranaten und Sprengmitteln hätte man eine Vielzahl von Menschen töten und verletzen können. Das geht bis hin zum Amoklauf oder Terroranschlag, oder sie können damit sogar kriegerische Auseinandersetzungen aller Art führen“, hatte ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft die Gefahren betont, die von den Waffen ausgingen.

Fast eine Stunde für lange Fundliste

Zu Prozessbeginn Anfang Juli hatte Oberstaatsanwalt Daniel Müller fast eine Stunde lang vorgetragen, was alles im Haus des Hauptangeklagten gefunden worden sei. Produkte von zahlreichen namhaften Waffenherstellern und Marken waren demnach darunter: Walther, Mauser, Luger, Beretta, Browning, Sig Sauer, Ceska, Rheinmetall, Colt, Kalaschnikow, Heckler & Koch sowie Smith & Wesson. 

Die breite Waffenpalette reichte laut dem Vortrag der Staatsanwaltschaft bis hin zu Schalldämpfern. Auch Schießstifte, Butterflymesser, Stahlruten, Elektroschock-Taschenlampen und Schlagringe soll der 60-Jährige im Angebot gehabt haben. Etliche Waffen wurden als unvollständig oder unbrauchbar beschrieben. Der Staatsanwalt listete auch zahlreiche Einzelteile auf.

Geständnis im Prozess

Dem Hauptangeklagten werden unter anderem massive Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen. Er bekannte sich schuldig, in Polen 70 kompakte Maschinenpistolen des Modells Skorpion gekauft zu haben. Dabei handelt es sich um Waffen der Nachkriegszeit. Das Sammeln von Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg nannte er sein Hobby. „Man kann sagen, dass ich ein fanatischer Sammler bin“, erklärte der Hauptangeklagte in dem Strafprozess.

Der Hauptangeklagte (links) und ein Angeklagter umarmen sich in einem Gerichtssaal im Justizzentrum. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa

Der Hauptangeklagte (links) und ein Angeklagter umarmen sich in einem Gerichtssaal im Justizzentrum. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa

© Rolf Vennenbernd/dpa

Bereits zwei Haftstrafen verhängt 

Das Urteil gegen den Hauptangeklagten soll am Freitagnachmittag nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gesprochen werden. In dem Prozess sind bereits zwei 35 und 38 Jahre alte Männer wegen Handels mit Kriegswaffen zu zweieinhalb beziehungsweise dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Sie hatten gestanden, bei dem Hauptangeklagten Maschinenpistolen sowie Munition gekauft zu haben. Sie waren dann später an verdeckte Ermittler geraten, die sich für die Waffen interessierten. So kam der Fall ins Rollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Panorama

zur Merkliste

75 Jahre Zebrastreifen: Von der High Street in die Popkultur

Wer über einen Zebrastreifen geht, kann Autos zum Anhalten bringen. Das war allerdings nicht immer so. Woher der tierische Name stammt und wo alles genau anfing: Fakten zur Geschichte des Übergangs.

Panorama

zur Merkliste

Kennen Sie diese 10 Online-Shopping-Rechte?

Ein Händler storniert die Bestellung, ein digitaler Dienst funktioniert nicht oder die Retoure soll Geld kosten? Was Verbraucher beim Online-Shopping verlangen können – und wo die Grenzen liegen.