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Robuster Retro-Charme: Warum Cordmöbel so beliebt sind

Sie lassen cleane Räume wärmer wirken, sind gemütlich und nicht erst seit gestern Trend: Sofas bleiben wohl noch eine Weile angesagt. Wie sie sich gut im Wohnzimmer machen und worauf man achten kann.

Von Jessica Kliem, dpa

30.01.2026

Laden zum Liegen ein: Sofas mit Cordbezug sind derzeit Stammgäste in den Ausstellungsräumen der Anbieter. Hier ein Exemplar von W. Schillig.W.Schillig/VDM/dpa-tmn

Laden zum Liegen ein: Sofas mit Cordbezug sind derzeit Stammgäste in den Ausstellungsräumen der Anbieter. Hier ein Exemplar von W. Schillig.W.Schillig/VDM/dpa-tmn

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Ein wenig sehen sie aus, als hätte man sie für die Wohnzimmerlandschaft einer 70er-Jahre-Serie gecastet, die Cordsofas und Cordsessel, die derzeit in den Möbelhäusern ausgestellt und auf den Webseiten der großen Anbieter in allen erdenklichen Farben präsentiert werden. Mit ihren kastigen Formen und breiten Armlehnen stehen sie da – und laden ein zum Draufsetzen, Drauflegen, Ausruhen.

Cordmöbel wirken immer irgendwie gemütlich. „Es ist vor allem die markante Haptik durch die aufgeschnittenen Florfäden“, sagt Stefanie Trevisan, Dozentin für Textiltechnologie und Materialtechnologie an der AMD Akademie Mode & Design in München. „Durch diese besondere Struktur hat der Cord so eine samtige, warme Oberfläche, die Komfort vermittelt, und etwas angenehm Kuscheliges.“

Strapazierfähige Geschichte

Und: Cord ist äußerst strapazierfähig, hält einiges an Poporutschen aus – und ist pflegeleicht. „Er lässt sich gut absaugen, reinigen und wenn er hochwertig verarbeitet ist – das ist natürlich die Voraussetzung –, dann bilden sich auch kaum Druckstellen“, so Materialexpertin Trevisan. Ihr zufolge ein weiteres Plus des Stoffs mit den klassischen Längsrippen, der auf Französisch übrigens „Velours Côtelé“ heißt, also gerippter Samt: „Wenn es ein naturbasierter Cord ist, dann hat er eine schöne Atmungsaktivität.“

Eine wahre Lobeshymne also. Kein Wunder, dass Cord, so formuliert es die Expertin, nicht nur „im Augenblick eine wahnsinnig wichtige Rolle spielt, sowohl in der Mode wie auch im Interior-Bereich“, sondern auch eine lange Geschichte voller Hochs hat - sein Ursprung reicht bis ins Alte Ägypten zurück. Tiefs gab es hingegen nur wenige - vor allem in den 80er- und 90er Jahren, als man im Einrichtungsbereich eher auf glatte Oberflächen und minimalistische Optik setzte.

Vom Hippie-Liebling zu Everybody’s Darling

In den 60er und 70er-Jahren war Cord ein Liebling der Hippie-Bewegung und ein Stoff, auf dem ein ungezwungen intellektueller Lebensstil ausgesessen wurde. Heute ist er sogar, so sagt es Trevisan, „komplett in der Mitte der Gesellschaft angekommen“. Oder eben: in der Mitte unserer Wohnzimmer.

Dort bringt er auf Sofas oder Sesseln „Textur in die Raumgestaltung“, erklärt die Einrichtungsberaterin Angelika Hinz. Sie empfiehlt, Cordmöbel als Kontrastpunkte einzusetzen – etwa zu cleanen Möbelstücken und glatten Materialien, zu Lederhockern oder zu Beistelltischen aus pulverbeschichtetem Stahl. Und: Mit Cordmöbeln kann man Wärme in den Raum bringen. Eine gute Idee etwa für Zimmer mit kühlen Fliesenböden. „Das tut dann sicherlich auch der Wohnakustik etwa Gutes“, so Hinz.

Vintage-Charme und edle Rippen

Farblich setzt die Einrichtungsberaterin übrigens gern auf Cordsofas und -sessel in warmen Neutraltönen wie Beige und Sand. Oder auf Pastelltöne wie ein softes Rosé oder Mintgrün: „Das wirkt bei Cord tatsächlich sehr edel.“

Wer hingegen die Vintage-Optik von Cordmöbeln in den Vordergrund rücken will, der wählt am besten Stücke in Rostorange oder Petrol, in Senffarben oder Moosgrün. Den Retro-Charme kann man Hinz zufolge dann mit Kissen aus Samt oder einer gemütlichen Grobstrickdecke verstärken. Tapeten mit geometrischen Mustern, der gute alte Flokati, Leuchten und Tische aus Rauchglas oder mit glänzenden Metallfüßen tun ihr Übriges.

Und worauf kann man beim Cord selbst achten? Zunächst einmal auf die Rippenbreite. Sie bestimmt den Cord-Charakter. „Breitcord hat etwas sehr Offensichtliches“, sagt Stefanie Trevisan. „Während ein Feincord durch die ganz schmalen Rippen fast schon edel und elegant wirkt, ist der Breitcord markanter, robuster und hat etwas von Retro-, von Lounge-Design.“

Feincord für Samtpfoten

Für Angelika Hinz hat auch die Art der Nutzung Einfluss auf die Wahl der idealen Rippenbreite: „Für Familien wäre eher der Breitcord zu empfehlen, weil er unempfindlicher ist und sich leichter absaugen lässt. Feincord sieht zwar edel aus, zeigt aber manchmal schneller Druckstellen.“ Dafür hat der Feincord mit seinen schmalen Längsrippen ihr zufolge Vorteile für Haushalte mit Katzen: „Je enger da die Struktur ist, desto uninteressanter ist es dann für die Katzenkrallen.“

In puncto Langlebigkeit empfiehlt Stefanie Trevisan übrigens - wie bei allen Polsterbezügen - auf den Martindale-Wert des Cordstoffs zu achten. Der zeigt, wie robust das Material ist und wird in Scheuertouren angegeben.

„In der Martindale-Prüfung wird der Stoff unter standardisierten Bedingungen immer wieder gerieben; die angegebene Zahl steht für die Anzahl dieser Scheuertouren und liefert somit einen Vergleichswert für die Strapazierfähigkeit des Cords“, erklärt die Textilexpertin. Für den privaten Wohnbereich gelten ihr zufolge Cordstoffe mit etwa 15.000 bis 25.000 Scheuertouren - oder auch Martindale genannt - als gut geeignet. „Und je höher dieser Wert ist, desto robuster ist das Material.“

Können edel und gemütlich: Gedeckte Farben geben Cordmöbeln einen etwas schickeren Anstrich. Mit Kissen wird es cozy. Hier ein Beispiel von Vetsak. picture alliance/dpa/dpa-tmn

Können edel und gemütlich: Gedeckte Farben geben Cordmöbeln einen etwas schickeren Anstrich. Mit Kissen wird es cozy. Hier ein Beispiel von Vetsak. picture alliance/dpa/dpa-tmn

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Gekommen um zu bleiben: Cordsofas sind schon länger im Trend - und halten einiges aus. Hier zu sehen: ein Exemplar der 3C-Gruppe.3C-Gruppe/VDM/dpa-tmn

Gekommen um zu bleiben: Cordsofas sind schon länger im Trend - und halten einiges aus. Hier zu sehen: ein Exemplar der 3C-Gruppe.3C-Gruppe/VDM/dpa-tmn

© 3C-Gruppe/VDM/dpa-tmn

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