Netflix ist auf den Hund gekommen
Fünf Hundebesitzer aus der Stadt suchen Unterstützung für ihre Vierbeiner. Ihre letzte Chance: ein Intensivtraining bei einem legendären Hundetrainer in den Bergen, gespielt von Rúrík Gíslason.
Rúrik Gíslason, Kerim Waller, Anna Herrmann, Alexandra Maria Lara, Devid Striesow und Doga Gürer in einer Szene des Films „Eat Pray Bark – Therapie auf 4 Pfoten“.Stephan Rabold/Netflix/dpa
© Stephan Rabold/Netflix/dpa
Die Zett-De-Eff-isierung von Netflix schreitet voran. So könnte man es schnippisch sagen, sich aber auch darüber freuen, dass der große Streamingdienst nun eine Hundekomödie im Programm hat, die mit prominenten deutschen Schauspielern besetzt ist und in den österreichischen Alpen spielt.
„Eat Pray Bark“ mit Alexandra Maria Lara, Devid Striesow und der ersten größeren Schauspielrolle für Ex-Fußballprofi Rúrík Gíslason ist jetzt bei Netflix zu sehen (Start: 1. April; kein Scherz).
Süße Hunde und ein halbnackter Rúrík Gíslason
Der Titel erinnert an die Bestsellerverfilmung „Eat Pray Love“ mit Julia Roberts auf Selbstfindungstrip (zum Beispiel bei RTL+ verfügbar) - nur dass eben „Liebe“ durch „Bellen“ ersetzt worden ist.
Die Drehorte haben was von „Bergdoktor“ und ZDF-Herzkino und die Handlung ist irgendwas zwischen Großstadtmärchen, „Traumschiff“-Plot (nur auf dem Trockenen und eben in den Bergen) und schlüpfriger Chippendales-Show.
Letzteres, weil hier öfter der nackte Oberkörper des blonden, blauäugigen Isländers Gíslason angeschmachtet wird.
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Doch worum genau geht es eigentlich in der Komödie, die mit vollem Namen „Eat Pray Bark – Therapie auf vier Pfoten“ heißt?
„Sogar Bill Kaulitz hat sich angemeldet“
Fünf Herrchen und Frauchen aus München begeben sich mit ihren Hunden auf die Reise in ein Trainingscamp. Sie erwarten Hilfe beim sagenumwobenen Hundetrainer Nodon, der an einer Stelle im Film ganz Netflix-gerecht sagt: „Sogar Bill Kaulitz hat sich angemeldet.“
Gespielt wird Nodon von Gíslason, der einst für Island kickte, im Jahr 2021 die RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ gewann und zu einem TV-Promi und Hingucker im deutschsprachigen Unterhaltungsgeschäft avanciert ist.
Alexandra Maria Lara spielt eine bayerische Politikerin
Die Gruppe im Film, die turbulente Tage in Tirol erlebt, ist bunt gemischt. Zu ihr gehört die Politikerin Ursula Brandmeier (Alexandra Maria Lara). Nach einem Talkshow-Patzer mit viral gegangenem Hundehasser-Kommentar will sie ihr Image mit einem Vierbeiner aufbessern, kommt aber mit dem Tier nicht klar. Im Film gibt es keine CSU, Ursula gehört einer Partei namens Bündnis Mitte an.
Außerdem bei dem Coaching dabei: die psychisch labile Optimistin Babs (Anna Herrmann) mit ihrem großen, stürmischen Hund Torsten und der stille Einzelgänger Hakan (Kerim Waller) mit der verunsicherten Schäferhündin Roxy.
Devid Striesow ist als Teil eines zickenden Schwulenpaars zu sehen
Und dann ist da noch die verwöhnte Yorkshire-Terrier-Hündin Gaga, die bei einem Männerpaar lebt, das sich immerfort anzickt. Es sind Ziggy (Doğa Gürer) und der ältere Helmut, ein leicht autistischer Literaturprofessor (Devid Striesow).
Natürlich eskaliert das Intensivkurs-Wochenende, wobei die Hunde dafür am wenigsten können. Die Hundehalter werden unzufrieden mit den (angeblich) keltischen Methoden des Trainers, der zwar die Hunde auf allen Vieren begrüßt und beschnuppert, dann jedoch den Zweibeinern mit seiner Art zu übergriffig wird. Die Hundehalter fühlen sich arg kritisiert von dem Alm-Schönling.
Netflix-Filmchefin forcierte das Hundekomödien-Projekt
Glaubt man den Schilderungen bei einer brancheninternen Programm-Präsentation des deutschen Arms von Netflix in Berlin, dann geht die Idee beziehungsweise Entscheidung zu dem Komödien-Projekt auf die Filmverantwortliche für Deutschland (D), Österreich (A) und die Schweiz (CH) zurück, auf die in den USA aufgewachsene Sasha Bühler.
Bühler - Director Film bei Netflix DACH - kam demnach von einem Retreat mit Hunden wieder und verkündete, das sei so lustig gewesen, so was brauche man nun auch im Programm. So einfach kann es also sein. Vielleicht stimmt das mit der sogenannten Zett-De-Eff-isierung doch nicht so ganz, denn beim öffentlich-rechtlichen ZDF kann man sich kaum einen so kurzen Weg zur Realisierung eines Wohlfühl- und Selbstfindungslustspiels vorstellen.
Der Film ist aus dem Hause Constantin („Das Kanu des Manitu“)
Am „Eat Pray Bark“-Drehbuch schrieb unter anderem Jane Ainscough mit („Lassie – Eine abenteuerliche Reise“), Regie führte Marco Petry („Spieleabend“, „Mona & Marie“, „Mein Freund, das Ekel“).
Produktionsfirma der Herrchenkomödie ist Olga Film, die nach eigenen Angaben künstlerischen Anspruch mit Popularität zu verbinden weiß. Von ihr stammen etwa „Der bewegte Mann“, „Kirschblüten - Hanami“ oder „Vincent will Meer“.
Olga Film ist ein Unternehmen der Constantin Film. Zu deren Film-Geschichte gehören die Bernd-Eichinger-Produktion „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“, der Oscar-Gewinner „Nirgendwo in Afrika“, aber auch die Schulkomödien „Fack ju Göhte“ 1 bis 3 und die klischeegefüllten „Manitu“-Kinohits von Michael „Bully“ Herbig.