Kaufen oder warten? Für wen sich E-Autos eignen
Mehr und mehr Elektroautos kommen auf den Markt. Und dennoch sind die Vorbehalte gegenüber den Stromern groß. Zwei Experten räumen mit einigen gängigen Vorurteilen auf.
Auf der Suche nach neuem Strom: Direkt am Windrad gibt’s sicher keinen - doch Ladesäulen sind mittlerweile ja keine Seltenheit mehr.Zacharie Scheurer/dpa-tmn
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Zu lahm, zu teuer und zu wenig Reichweite? Elektroautos haben hierzulande immer noch einen schweren Stand. Viele Autofahrer bevorzugen weiter Modelle mit Verbrennungsmotor, obwohl die Anzahl an interessanten elektrischen Modellen wächst.
Und gerade in Zeiten horrender Spritpreise durch den Krieg im Nahen Osten fragt man sich: Ist jetzt die Zeit reif, um in die E-Mobilität einzusteigen oder sollten Autofahrer noch warten?
Experten wie Jens Dralle von der Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“ (ams) und Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE) ordnen die Lage ein. Und ganz unabhängig voneinander räumen sie mit ein paar Vorurteilen auf.
E-Autos kosten mehr und haben einen höheren Wertverlust
Ja, erstmal stimmt das. Nach Zahlen des ADAC können Elektroautos teils wesentlich mehr kosten als vergleichbare Verbrenner. Gibt es zum Beispiel den preiswertesten Opel Corsa mit 100 PS ab 22.890 Euro, kostet der Kleinwagen mit E-Antrieb und 136 PS mindestens 29.990 Euro.
„E-Autos sind teurer als vergleichbare Verbrenner. Eine Kostenparität wird es in absehbarer Zeit auch nicht geben“, sagt Jens Dralle von der „ams“. Seine Prognose: „E-Autos können nur über eine Subventionierung günstiger werden. Derzeit liegt auch der Wertverlust höher, aber das kann sich in den nächsten Jahren ändern.“
Constantin Hack vom ACE sieht das differenzierter: „Mit der derzeitigen Prämie für E-Autos gibt es heute schon eine Preisparität und auch der Wertverlust bei aktuellen Autos wird sich künftig ähnlich zu dem bei Verbrennern verhalten“, sagt er. Die Kaufprämie zur E-Auto-Förderung liegt je nach Einkommen bei derzeit bis zu 6.000 Euro.
Elektroautos bieten eine geringe Reichweite und laden langsam
Kann man so nicht sagen: „Viele Fahrzeuge bieten heute Reichweiten von rund 400 Kilometer, manche sogar über 800 Kilometer“, sagt Jens Dralle. Damit seien sie langstreckentauglich und können als Erst- oder Einzelfahrzeuge eingesetzt werden. Dazu steige die Ladeleistung weiter, derzeit sind 200 kW bis 400 kW möglich.
Für Constantin Hack weisen lediglich ältere E-Autos eine Reichweitenproblematik auf. Bei neuen Modellen hänge es von der Akku-Größe ab, wie weit ein Auto mit einer Ladung fahren könne. Langstrecken-Modelle fahren heute schon weit und laden innerhalb von zehn Minuten Strom für weitere 200 Kilometer.
Elektroautos sind zu schwer und bieten keinen Fahrspaß
Ja, E-Autos wiegen häufig zwischen 300 und 400 Kilogramm mehr als vergleichbare Verbrenner. „Aber Akkus und Antriebstechnik sitzen zwischen den Achsen, was für einen niedrigen Schwerpunkt und für eine gute Fahrdynamik sorgt“, sagt Jens Dralle. „Mit einem, je nach Abstimmung, sehr schnellen und präzisen Ansteuern der Achsen können E-Autos sehr viel Fahrspaß bereiten und das Mehrgewicht kaschieren.“
Auch für Constantin Hack bilden Elektroantrieb und Fahrspaß keinen Widerspruch. „Das zeigen viele elektrische Sportwagen. Das Gewicht liegt zwar höher als bei vergleichbaren Verbrennern, dafür liegt der Schwerpunkt tiefer und E-Motoren geben die Leistung direkter ab“, sagt er.
E-Auto-Besitzer benötigen eine eigene Wallbox
Eine eigene Wallbox erleichtert die Ladelogistik, ein Muss ist sie aber nicht in jedem Fall. „Zwar ist die Ladeinfrastruktur ausbaufähig, aber E-Auto-Besitzer können heute ihr Fahrzeug gut extern laden“, sagt Jens Dralle.
Laut Bundesnetzagentur gibt es in Deutschland derzeit rund 193.000 öffentliche Ladepunkte. Der ADAC fordert bis 2030 eine Million Ladepunkte, um bis zu 15 Millionen E-Autos zuverlässig laden zu können.
E-Auto-Aspiranten ohne eigene Wallbox sollten sich vor dem Kauf informieren, wo sie künftig ihr Fahrzeug laden können. Neben langsamen Wechselstrom (AC) gibt es auch Schnellladesäulen (DC), deren Strom zwar rascher fließt, aber teurer ist. Statt ungefähr 35 bis 60 Cent kostet die kWh dann 55 bis 85 Cent.
„Auch ohne eigene Ladesäule können Besitzer ein E-Auto fahren. Mit einer privaten Ladesäule wird es aber deutlich günstiger“, sagt Constantin Hack.
E-Autos ergeben nur in der Stadt Sinn
„Manche E-Kleinwagen bieten sich nicht für die Langstrecke an, weil der Akku eine geringe Kapazität aufweist und sich nicht schnell laden lässt“, sagt Jens Dralle. Sie sind aber ideal für alle mit eigener Wallbox oder Lademöglichkeit beim Arbeitgeber, die eher kürzere Wege zurücklegen.
Mittelklasse-E-Autos mit einer DC-Schnellladefunktion von mindestens 200 kW und einem großen Akku eignen sich heute schon auch für lange Strecken. Sie bieten eine große Reichweite und können schnell zwischenlanden.
E-Autos sind nicht umweltfreundlicher als Verbrenner
Nach Meinung von Constantin Hack stimmt das nur in einem Fall: Wenn ein E-Auto mit einem großen Akku nur wenige Tausend Kilometer im Jahr gefahren wird. Je nach Berechnung wird der CO2-Rucksack nach Produktion und im Betrieb nach wenigen Zehntausend Kilometer kleiner als bei einem Verbrenner. Allein deshalb, weil Strom aus regenerativen Energien im Strommix weiter zunehmen wird, so die Begründung.
Sichere Bank: Das wertvollste Teil am E-Auto ist die Batterie - mittlerweile gelten moderne Varianten als wahre Dauerläufer.picture alliance/dpa
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Die Fahrt mit E-Auto kostet mehr als mit einem Verbrenner
„Je nach Stromtarif kann das Laden teuer werden, vor allem an Schnellladern“, sagt Jens Dralle. Daher sollten E-Autofahrer den Strompreis und die monatlichen Gebühren des Energieversorgers im Blick haben.
Ein Rechenbeispiel: Bei einem angenommenen durchschnittlichen Verbrauch von 20 kWh/100 Kilometer und einem Strompreis von angenommenen 40 Cent liegen die Energiekosten auf 100 Kilometer bei 8 Euro.
Ein Benziner mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,5 Liter auf 100 Kilometer verursacht bei einem angenommenen Liter-Preis für Super von 1,80 Euro 13,50 Euro Treibstoffkosten auf 100 Kilometer.
„Teuer wird es, wenn der Besitzer öffentlich und teuer lädt. Mit eigener Wallbox oder Strom aus der eigenen PV-Anlage wird die Fahrt im E-Auto günstiger“, sagt Constantin Hack. Und noch eine Kostenfalle gibt es: An öffentlichen Ladesäulen sollten E-Autofahrer auf Blockiergebühren achten. Sonst zahlt man nicht nur für den Strom, sondern auch dafür, die Ladesäule zugeparkt zu haben.
E-Autos sind gefährlich
Nach Meinung von ACE-Mann Constantin Hack liegt die Brandgefahr bei E-Autos und damit die Gefahr für Insassen nicht höher als bei Verbrennern. Aber: Brennt so ein E-Auto einmal, ist das Feuer meist schwieriger zu löschen. Darauf richten sich aber Feuerwehren immer mehr ein.
Akkus von E-Autos halten nicht lange und sind im Winter kaum nutzbar
Akkus von E-Autos halten nach Angaben von Experten mittlerweile in der Regel zwischen 8 und 15 Jahren oder 160.000 bis 500.000 Kilometer Laufleistung. Toyota gibt für bestimmte E-Autos auf Akkus eine Garantie von bis zu 15 Jahren oder eine Million Kilometer Laufleistung.
„Das zeigt, dass Akkus über die Fahrzeugdauer hinaus ausgelegt sind“, sagt Constantin Hack. „Auch im Winter bereiten moderne Akkus durch Lösungen wie Vorkonditionierung keine Probleme“, sagt er.
Das Problem: Bei niedrigen Temperaturen ziehen Verbraucher wie Heizung mehr Strom und reduzieren dadurch die mögliche Reichweite. Aber auch wenn der Energieverbrauch von E-Autos im Winter steige und die Reichweite dadurch sinke, seien E-Antriebe im Winter voll nutzbar, so Jens Dralle.
E-Autos können keine schweren Anhänger ziehen
Das Vorurteil gilt eher für E-Autos der ersten Generation. Aktuelle, große E-Autos ziehen auch schwere Anhänger. Moderne Mittelklasse-E-Autos können bis zu 1,8 Tonnen Anhängelast ziehen, große sogar bis zu 3,5 Tonnen. Es kommt eben aufs Modell an. Es ist auch nicht jeder Verbrenner geeignet, einen Anhänger zu ziehen.
Die E-Auto-Prämie von bis zu 6.000 Euro erhalten nur Reiche
Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Prämie richtet sich nach dem Einkommen und ist durchaus für Familien, Rentner und Autofahrer mit weniger Einkommen interessant.
Haushalte mit einem zu versteuernden Brutto-Jahreseinkommen von maximal 80.000 Euro pro Haushalt (90.000 Euro bei zwei Kindern) erhalten beim Kauf eines neuen E-Autos 3.000 Euro, bei Plug-in-Hybriden 1.500 Euro.
Haushalte unter 60.000 Euro erhalten 1.000 Euro extra, bei unter 45.000 Euro weitere 1.000 Euro. Pro Kind unter 18 Jahren im Haushalt erhöht sich die Prämie um 500 Euro beim Kauf.
E-Mobilität? Ach, das ist nur ein kurzer Trend!
Für Jens Dralle von „ams“ ist die Elektromobilität eine interessante Antriebstechnologie, die Komfort und Fahrspaß bereitet. „Langfristig wird sie eine Antriebsalternative zum Verbrenner sei“, sagt er. „Ob und wann sie Benzin oder Diesel ablösen wird, ist aber nicht eindeutig zu beantworten.“
Für Constantin Hack eignet sich die E-Mobilität für jeden, der sich heute ein neues Auto kaufen möchte. Es gibt für ihn kaum Fälle, in denen ein E-Auto nicht die bessere Wahl ist. Seine Einschätzung: Kein Trend, der nachlässt, sondern einer, der zunimmt. Mit einer Ausnahme allerdings: Für Vielfahrer, die jeden Tag rund Tausend Kilometer zurücklegen, bietet ein Verbrenner seiner Ansicht nach heute noch mehr Vorteile.
Komfortabel: Wer eine eigene Wallbox in der Garage hat, lädt sein E-Auto bequem.picture alliance/dpa
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