Freibad: Was hilft, wenn Chlorwasser die Augen reizt?
Das Planschen im Freibad war eine Wohltat - allerdings nicht für Ihre Augen? Sind sie nun gerötet, ist oft nicht nur Chlor dafür verantwortlich. Ein Augenarzt über Ursachen und Abhilfe.
Im Schwimmbecken finden sich Chlor und Harnstoff - diese Stoffe können Augen empfindlich reizen.picture alliance/dpa
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Gerät beim Freibadbesuch Wasser in die Augen, merkt so mancher das auch dann noch, wenn er oder sie längst das Becken verlassen hat. Gerötete und gereizte Augen durch Chlorwasser sind keine Seltenheit.
Prof. Gerd Geerling, Direktor der Universitäts-Augenklinik Düsseldorf und Pressesprecher der Stiftung Auge, erklärt im Interview, wie es dazu kommt - und was es mit der sogenannten „Schwimmbad-Konjunktivitis“ auf sich hat.
Frage: Hilfe, meine Augen sind nach dem Schwimmen im Freibad gerötet und gereizt - und brennen. Was genau ist da passiert?
Gerd Geerling: Das Wasser im Freibad wird ja aus hygienischen Gründen mit Desinfektionsmitteln behandelt, vor allem mit Chlor. Das hat an sich bereits einen potenziell reizenden Effekt auf das Auge. Verbindet sich das Chlor mit dem Harnstoff aus Urin oder mit Schweiß, reizt das zusätzlich.
Diese etwas unappetitliche Kombination irritiert dann die Zellen auf der Oberfläche von Hornhaut und Bindehaut. Da diese Gewebe 20-mal so schmerzempfindlich sind wie eine Zahnwurzel, wird ein solcher Reiz sehr schnell wahrgenommen.
Menschen, die einen instabilen Tränenfilm haben, also zu trockenen Augen neigen, sind besonders betroffen. Bei ihnen gelangen irritierende Stoffe nämlich einfacher an die Augenoberfläche.
Frage: Was hilft - sowohl zur Vorbeugung als auch, wenn die Augen bereits gereizt sind?
Geerling: Die Beschwerden lassen sich mit Tränenersatzmitteln, am besten ohne Konservierungsstoffe, gut in den Griff bekommen. Wenn man weiß, dass man empfindliche Augen hat, kann man vor dem Baden und danach einen Tropfen ins jeweilige Auge geben. Außerdem ist eine Schwimmbrille eine gute Idee.
Gehen die Beschwerden nicht weg, sind die Augen beispielsweise zwei Tage später immer noch rot, sollte man Augenarzt oder Augenärztin aufsuchen und das abklären lassen. Auf keinen Fall sollte man gereizte Augen nach dem Schwimmbadbesuch auf eigene Faust mit Kortison oder Antibiotika behandeln.
Frage: Hier und da wabert der Begriff der „Schwimmbad-Konjunktivitis“ umher, was eine Form der Bindehautentzündung ist. Was hat es mit dieser Erkrankung auf sich?
Geerling: Erstmal: Das hat nichts mit der üblichen Reizung der Augenoberfläche durch Schwimmbadwasser zu tun. Gemeint ist damit eine Infektion der Bindehaut durch sexuell übertragbare Erreger, durch Chlamydien genauer gesagt. Sie können beim Sex per Schmierinfektion vom Geschlechtsorgan in die Augen geraten. Auch Säuglinge können sich bei der Geburt infizieren.
Der Begriff der Schwimmbad-Konjunktivitis ist historisch zu erklären. Als das Schwimmbadwasser noch nicht gechlort wurde, konnte es eher zu solchen Infektionen im Schwimmbad kommen. Heute ist das aber kein Massenphänomen.
Erstes Anzeichen ist übrigens, dass das Auge ein weißlich-schleimiges Sekret bildet. Das stört auch das Sehvermögen. Das Auge kann verklebt sein oder nässen. Das sollte man abklären lassen.
Der Augenarzt oder die Augenärztin nimmt dazu einen Abstrich von der Bindehaut. Gibt es einen Nachweis der Chlamydien, sollten auch Geschlechtspartner entsprechend untersucht und gegebenenfalls mit Antibiotika behandelt werden.
Prof. Gerd Geerling ist Direktor der Universitäts-Augenklinik Düsseldorf und Pressesprecher der Stiftung Auge. Universitätsklinikum Düsseldorf/dpa-tmn
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