Extremhitze macht NRW zu schaffen
Die Hitze hat NRW im Griff. In Seniorenheimen kollabieren Bewohner. Wieder kommt es zu schlimmen Badeunfällen. Der Bahnverkehr wird ausgebremst oder gar gestoppt. Selbst Straßenbelag macht schlapp.
In Dormagen mussten einige Bewohner aus dem überhitzten Gebäude geholt werden.Henning Kaiser/dpa
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Gefühlte Backofen-Temperaturen bestimmen in Nordrhein-Westfalen vielerorts das Geschehen. Der Bahnbetreiber National Express stellte ab dem Mittag wegen der extremen Temperaturen vorübergehend den Betrieb aller RRX-Linien ein. In zwei Seniorenheimen mussten Bewohnerinnen und Bewohner wegen akuter gesundheitlicher Probleme aus überhitzten Gebäudebereichen gerettet werden.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte auch für Samstag und Sonntag vor verbreitet starker oder extremer Wärmebelastung. Erst am Freitag hatte der DWD mit 40,2 Grad in Tönisvorst die bisher höchste jemals in NRW an einem Juni-Tag gemessene Temperatur gemeldet.
Der Nationalexpress macht in NRW für einige Stunden komplette Fahrpause. (Archivbild) Henning Kaiser/dpa
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Deutsche Bahn rät von Fahrten ab
Wegen der Hitze riet die Deutsche Bahn am Wochenende von nicht dringend nötigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. „Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist an diesem Wochenende stark von der Rekord-Hitze betroffen. Auch der Schienenverkehr leidet unter den Extrem-Temperaturen“, hieß es in einer Mitteilung.
National Express teilte für NRW mit, dass zwischen 13.00 und 19.00 Uhr die Linien RE1, RE4, RE5, RE6 und RE11 auf dem kompletten Laufweg ausfallen.„Die Maßnahme dient dem Schutz der Fahrgäste und Mitarbeitenden und soll verhindern, dass es unter den aktuellen außergewöhnlichen Wetterbedingungen zu ungeplanten Zugausfällen auf freier Strecke kommt“, erläuterte das Unternehmen in Köln. Die Hitze stelle die Fahrzeuge vor außergewöhnliche technische Herausforderungen. Für Sonntag rechne man aber mit einer schrittweisen Entspannung der Fahrzeug-Verfügbarkeit.
Senioren in Altenheimen kollabierten
In Krefeld kollabierten fünf Senioren in einem Altenheim. Dutzende weitere Bewohner mussten von der Feuerwehr auf andere Zimmer verlegt werden. Mitarbeiter eines Krefelder Altenheims hatten am Freitagabend laut Feuerwehr den Rettungsdienst gerufen. Die Rheinische Post hatte über den Großeinsatz berichtet.
Mehrere Senioren wurden notfallmedizinisch versorgt. Henning Kaiser/dpa
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Auch in Dormagen wurden wegen gefährlicher Hitze-Entwicklung zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Gebäude gebracht und medizinisch versorgt. In der Nacht sei ein Bewohner gestorben, ob die Hitze ursächlich war, stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher der Stadt im Rhein-Neuss-Kreis auf dpa-Anfrage. Seit dem Morgen waren Kräfte in dem überhitzten Gebäude im Einsatz, in dem rund 160 Seniorinnen und Senioren leben.
Der Stadt-Sprecher schilderte nach einer Krisensitzung, es sei zu enormen Temperaturen bis 35 Grad gekommen. Mehrere Krankenwagen standen vor der Einrichtung bereit, wie ein dpa-Reporter schilderte. Mindestens zehn Personen wurden teils notfallmedizinisch versorgt.
Patientenschutz-Stiftung: Hitzeschutz muss besser werden
Die Stiftung Patientenschutz forderte die Politik in Bund und Ländern zu mehr Investitionen in Pflegeheimen auf. „Wieder leiden viele der 800.000 Pflegeheimbewohner unter den extremen Temperaturen“, kritisierte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Auf Seiten von Bund und Ländern bleibe es bisher bei „reinen Aktionismus“, sagte Brysch der dpa. Pläne und Konzepte endeten dort, „wo der Patientenschutz Geld und Personal kostet.“
In Heimen brauchen es mehr Hitzeschutz, mahnen Patientenschützer. (Symbolbild) Christoph Reichwein/dpa
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Wieder kommt es zu schlimmen Badeunfällen
Im Seepark Lünen bei Dortmund holten Besucher einen leblosen 45 Jahre alten Mann aus dem Wasser. Der Mann sei später im Krankenhaus gestorben, berichtete ein Polizeisprecher. Der WDR hatte berichtet.
Die Suche nach einem vermissten 14-Jährigen in einem Badesee bei Düren dauerte an. Der Jugendliche war nach bisherigen Erkenntnissen am Freitagnachmittag mit mehreren Freunden in einem Schlauchboot auf dem See unterwegs. Aus ungeklärter Ursache fiel er ins Wasser und verschwand.
Auch Straßen sind unter Stress
Auf der Autobahn 4 zwischen Bensberg und Untereschbach gab es in Fahrtrichtung Olpe laut Autobahnpolizei einen Gefahrenbereich, weil die Hitze stellenweise zu Problemen im Asphalt führte. Es hätten sich seit Freitag Asphaltbrocken gelöst, berichtet der Express.
Die Stadt Lünen kündigte an, sie werde eine neue Methode testen, um Asphaltflächen vor hitzebedingten Schäden zu schützen. In einem Testbereich solle zur Abkühlung der Fahrbahn ein Streusalz-Salzlake-Gemisch ausgebracht werden - von einem Winterdienstfahrzeug. „Das Salz bindet Wasser in seiner kristallinen Struktur. Bei diesem Vorgang wird Wärme entzogen, wodurch ein kühlender Effekt entsteht.“.
Wetterdienst warnt vor Hitze-Gewittern
Laut DWD steigt am Samstag im Tagesverlauf die Wahrscheinlichkeit für einzelne, teils schwere Gewitter mit Starkregen, für Sturmböen und mancherorts auch Hagel. Am Abend und in der Nacht zum Sonntag nehme das Gewitter-Potential in der Nordwesthälfte weiter zu. Auch am Sonntag sei noch mit stellenweise schweren Gewittern zu rechnen.