Auch wenn’s nicht sexy klingt: TK-Beeren unbedingt erhitzen
Lust auf einen eiskalten Smoothie mit Tiefkühl-Beeren? Warum das gesundheitlich riskant sein kann und wie man sich vor fiesen Viren schützt, erklären Gesundheitsexperten.
Um eventuelle Keime abzutöten, empfiehlt es sich, Tiefkühlbeeren vor dem Verzehr für einige Minuten bei 90 Grad zu erhitzen.picture alliance/dpa/dpa-tmn
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Tüte aus dem Eisfach holen, ein paar Beeren für Smoothies oder Shakes in den Mixer schütten oder als Topping auf Müslis, Joghurt oder Hefekloß verteilen: Tiefkühlbeeren sind eine schnelle, praktische und vor allem leckere Variante. Doch auch wenn es nicht auf der Packung steht, sollten die gefrorenen Beeren laut Verbraucherschützern unbedingt vor dem Verzehr erhitzt werden.
Auch wer davon schon mal gehört hat, denkt bei dem Gedanken an Mehraufwand und vor allem an einen warmen Beerenmatsch. Doch diese Vorsichtsmaßnahme hat seinen Grund: TK-Beeren können mit Noro- oder Hepatitis-Viren belastet sein.
Doch wie gelangen solche Erreger in die TK-Mischungen?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) skizziert mögliche Kontaminierungswege:
- So könnten Beeren an verschiedenen Stellen ihrer Produktion mit Noroviren in Kontakt kommen, beispielsweise durch unsachgemäße Bewässerung oder Düngung.
- Es könnten aber auch mit Noroviren infizierte Personen das Virus während der Ernte oder beim Verpacken auf die Beeren übertragen.
- Bei tiefgefrorenen Beeren könnten darüber hinaus Noroviren über verunreinigtes Wasser, das während des Gefrierprozesses zugegeben wird, in die Beeren gelangen.
Auch zunehmende Starkregenereignisse und damit einhergehende Überschwemmungen seien idealer Nährboden für die Verbreitung von Erregern wie Hepatitis-A- sowie Noroviren. Gerade Beeren-Importe könnten laut Professor Jürgen Wenzel von der Uniklinik Regensburg als Träger diese Viren in unsere Tiefkühltruhen bringen. Er denkt vor allem an Importe aus tropischen Gebieten, Teilen des Mittelmeerraumes und Osteuropa sowie aus Ländern mit unzureichenden Hygienebedingungen, die oft eine hohe Virenlast aufweisen.
„Etwa 30 Prozent der zu uns importierten Beeren, wie Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, kommen aus potenziellen Risikogebieten. Somit steigt natürlich auch bei uns das Risiko, sich mit Hepatitis- oder Noroviren anzustecken“, erklärt der Forscher.
„Durch das Frosten finden nicht nur die Früchte, sondern auch anhaftende Viren ideale Bedingung vor, um sich nach dem Auftauen den Menschen als Wirt zu suchen und Erkrankungen auszulösen“, erklärt Wenzels Uni-Kollege Mathias Schemmerer.
Was können Erreger auslösen?
„Noroviren verursachen bei Menschen aller Altersgruppen akut beginnende Brechdurchfälle, die zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust führen können“, warnt das BfR. Bei Säuglingen, Kleinkindern sowie alten und kranken Menschen könnten die Erkrankungen auch schwer verlaufen und vereinzelt tödlich enden, so die Gesundheitsexperten.
Hepatitis-A-Viren wiederum können schlimmstenfalls eine Leberentzündung verursachen, wie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) schreibt.
Nur ausreichend langes Erhitzen und Backen schützt
Die Gesundheitsexperten beider Behörden von LAVES und BfR weisen zudem darauf hin, dass nicht nur von rohen, sondern auch schon von bloß kurzzeitig oder ungleichmäßig erhitzen Speisen mit Tiefkühlbeeren ein hohes Infektionsrisiko ausgeht, wenn diese mit Noroviren kontaminiert sind und raten deshalb: Ein mehrminütiges Erhitzen auf Kerntemperaturen von über 90 Grad scheint geeignet, möglicherweise vorhandene Viren vollständig zu inaktivieren.
Heißt in der Praxis: Die TK-Beeren für zwei Minuten in einem Topf mit etwas Wasser köcheln lassen, rät die Verbraucherzentrale. Frische Beeren sollte man immer gründlich abwaschen.