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„Zensur“ auf der Wiesn? - Teil der Schausteller protestiert

Umsichtiges Handeln oder „Zwangspinselei“? Die Umgestaltung von Figuren auf dem Oktoberfest schlägt weiter Wellen. Jetzt schaltet sich ein Schaustellerverband ein - und kündigt Konsequenzen an.

Von dpa

04.09.2026

Die Frauenfigur hält sich nun bedeckter. (Archivbild)Victoria Bonn-Meuser, Sven Hoppe/dpa

Die Frauenfigur hält sich nun bedeckter. (Archivbild)Victoria Bonn-Meuser, Sven Hoppe/dpa

© Victoria Bonn-Meuser, Sven Hoppe/dpa

Der Streit um die Umgestaltung von Figuren an Fahrgeschäften auf dem Münchner Oktoberfest spitzt sich zu. Aus Protest gegen Aufforderungen, Frauenfiguren wegen rassistischer und sexistischer Stereotype anders zu gestalten, will ein Teil der Schausteller den traditionellen Wiesn-Rundgang boykottieren. Die Stadt München bedauert dies.

„Angesichts des Übergriffs wegen angeblich rassistischer Stereotype auf der Fassade des Traditionsfahrgeschäfts „Teufelsrad“ sagen wir hiermit unsere Teilnahme ab“, heißt es in einem Brief des Bundesverbandes Schausteller und Marktkaufleute an das Münchner Wirtschaftsreferat. Darin ist auch von „Zensurmaßnahmen“ und „Zwangspinselei“ die Rede. Das Präsidium des Bundesverbandes war nach Angaben von Präsident Patrick Arens von der Stadt zu dem Rundgang eingeladen worden.

Das Schreiben, über das zuvor die Zeitungsgruppe „Münchner Merkur/tz“ berichtet hatte, liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

So sehen die Figuren jetzt aus. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

So sehen die Figuren jetzt aus. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

© Sven Hoppe/dpa

„Die Schausteller wehren sich gegen Zensur“, heißt es in dem Brief weiter. „Die Gestaltung der Betriebsstätte ist Kernkompetenz des Unternehmers als Träger des wirtschaftlichen Risikos.“ Nach Angaben von Präsident Arens sind 60 bis 70 Betriebe auf der Wiesn in seinem Verband organisiert. Das macht nur einen Teil der Betriebe aus.

Die Stadt München teilte der dpa mit: „Wir nehmen den Brief des Bundesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute zur Kenntnis und bedauern die Absage. Gerade bei einem so kontrovers diskutierten Thema braucht es einen vertrauensvollen Austausch und Kompromissbereitschaft.“ Der Deutsche Schaustellerbund werde an dem Presserundgang teilnehmen.

Neuer OB Krause erstmals auf dem Rundgang dabei

Nach Angaben der Stadt wurden 243 Schaustellergeschäfte und 182 Marktkaufleute zum Oktoberfest zugelassen, dazu kommen noch 41 Schaustellerbetriebe auf der Oiden Wiesn, dem traditionellen Teil des Volksfestes.

Der Rundgang, auf den sich das Schreiben bezieht, ist ein traditioneller Termin kurz vor dem Start des Münchner Oktoberfestes. Dabei präsentieren der Oberbürgermeister - in diesem Jahr also erstmals Dominik Krause (Grüne) - und der Wiesn-Chef die Neuheiten auf dem Volksfest.

Das Traditionsgeschäft „Teufelsrad“ hatte - nach entsprechenden Hinweisen der städtischen Gleichstellungsstelle - Frauenfiguren über dem Eingang neu gestaltet und züchtiger angezogen. Eine Figur, die vorher nur mit Bikini und Blütenkranz bekleidet war, trägt nun Kleid und Schuhe.

„Man kann es eben auch übertreiben“

Inzwischen stellt allerdings die Stadt selbst die Sinnhaftigkeit dieser Aufforderung infrage. Nicht nur Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) kündigte Gespräche mit der Gleichstellungsstelle über mehr „Augenmaß“ an, auch die zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) sagte: „Man kann es eben auch übertreiben.“

Im vergangenen Jahr fuhren Wiesn-Chef und OB noch im „Happy Sailor“ - damals war nichts beanstandet worden. (Archivbild) Felix Hörhager/dpa

Im vergangenen Jahr fuhren Wiesn-Chef und OB noch im „Happy Sailor“ - damals war nichts beanstandet worden. (Archivbild) Felix Hörhager/dpa

© Felix Hörhager/dpa

Laut Medienberichten ist das „Teufelsrad“ nicht das einzige Fahrgeschäft, das zur Umgestaltung aufgefordert wurde. Auch das Fahrgeschäft „Happy Sailor“, das in diesem Jahr wieder auf der Wiesn stehen soll, musste demnach Veränderungen an einer Meerjungfrau und einem Kapitän vornehmen.

Gleichstellungsstelle: Upskirting und rassistisches Stereotyp

Von der Gleichstellungsstelle hieß es, in den vergangenen Jahren habe es wiederholt Beschwerden von Frauen über sogenanntes Upskirting am Teufelsrad gegeben. „Viele dieser Videos, bei denen Frauen auf dem Teufelsrad unter den Rock gefilmt wurde, wurden anschließend systematisch im Internet veröffentlicht. Für die betroffenen Frauen ist es sehr aufwendig und häufig nicht möglich, ein Löschen der Videos zu erreichen.“ 

Die bisherige Darstellung der Figuren am Teufelsrad habe mit dem Hochfliegen von Röcken gespielt. Vor dem Hintergrund des in den letzten Jahren vermehrt auftretenden Problems verbotener Foto- und Videoaufnahmen sei vorgeschlagen worden, die Darstellung der Figuren zu überarbeiten.

Im Zuge dieser Diskussion sei außerdem vorgeschlagen worden, die exotisierende Darstellung der als Hawaiianerin dargestellten Figur zu überarbeiten, teilte die Gleichstellungsstelle mit. „Die Darstellung einer Schwarzen Frau als einzige Figur ohne Schuhe bedient ein rassistisches Stereotyp. Um 1900 fanden auf dem Oktoberfest sogenannte Völkerschauen statt, bei denen Menschen rassistisch zur Schau gestellt wurden. Darstellungen von Menschen, die an diese Zeit erinnern, sind nicht mehr zeitgemäß.“

Die Frauenfigur hält sich nun bedeckter. (Archivbild)Victoria Bonn-Meuser, Sven Hoppe/dpa

Die Frauenfigur hält sich nun bedeckter. (Archivbild)Victoria Bonn-Meuser, Sven Hoppe/dpa

© Victoria Bonn-Meuser, Sven Hoppe/dpa

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