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Weitere Betroffene sprechen im Magdeburger Anschlags-Prozess

Sechs Menschen starben, mehr als 300 wurden teils schwerst verletzt. Unter ihnen waren Familien und Freundeskreise. Vor Gericht berichteten weitere Betroffenen von ihrem Schicksal.

Von dpa

09.02.2026

Blick auf die Hände des Todesfahrers vom Magdeburger Weihnachtsmarkt während des Prozesstags. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Blick auf die Hände des Todesfahrers vom Magdeburger Weihnachtsmarkt während des Prozesstags. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Beim Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt sind viele Familien verletzt worden - im Prozess schilderte eine Mutter ihr Schicksal und das ihrer damals zwölfjährigen Tochter. Am schlimmsten sei für sie gewesen, dass sie nicht für ihre Tochter da sein konnte, sagte die Frau, die Beinbrüche erlitt, als Zeugin im Landgericht Magdeburg. 

Gerade noch zufrieden und glücklich bei Weihnachtsmusik und der schönen Stimmung des Weihnachtsmarktes sei sie rein in ein schwarzes Loch, sagte die Frau. Sie sei zu sich gekommen, als sie auf der Straße gelegen und Schreie gehört habe. Ihre zwölfjährige Tochter habe sie nicht mehr gesehen und Todesangst empfunden.

Erst wieder das Gehen gelernt

Ihre Tochter sei mit schweren Kopfverletzungen auf eine Intensivstation gebracht worden. Das Mädchen habe bis März dreimal operiert werden müssen. Sie selbst habe erst im Frühjahr wieder das Gehen gelernt, sagte die Frau, die von Beruf Physiotherapeutin ist. Mit den körperlichen und psychischen Folgen hätten beide bis heute zu kämpfen.

Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg hatte der damals 50 Jahre alte Taleb Al-Abdulmohsen am 20. Dezember 2024 einen mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt gelenkt. Der Mann war dabei mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde unterwegs. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt.

Mann zog ins betreute Wohnen

Ein 48-Jähriger berichtete als Zeuge, er habe unter anderem eine Beckenfraktur erlitten. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sei er in ein betreutes Wohnen eingezogen, weil er zu Hause keine Hilfe beim Treppensteigen gehabt hätte. Seine 17-jährige Tochter habe er damit nicht belasten können. Bis heute mache er eine Physiotherapie und beginne demnächst eine psychotherapeutische Behandlung. 

In dem Verfahren haben schon einige Betroffenen geschildert, wie der Anschlag ihr Leben verändert hat. Sie berichteten von körperlichen Verletzungen, aber auch von seelischen Folgen, die sie bis heute beeinträchtigen. Betroffene müssen nur aussagen, wenn sie das wollen, um zusätzliche Belastungen zu vermeiden. Das Gericht greift auf die Zeugenaussagen bei der Polizei zurück im Laufe eines sogenannten Selbstleseverfahrens. Um die Tausenden Seiten zu lesen, sind viele Verhandlungstage nötig.

Angeklagter wieder in seiner Glaskabine

Zu einem Zwischenfall kam es, als der psychiatrische Sachverständige Bernd Langer weitere Einschätzungen über den Angeklagten vortrug. Er reagierte sichtbar ungehalten, gestikulierte und rief, während der Sachverständige auf Fragen des Gerichts antwortete. Schon Ende Januar hatte Langer in seinem Gutachten erklärt, der Angeklagte sei schuldfähig und damit voll zur Verantwortung zu ziehen für seine Tat und er sei weiter gefährlich.

Langer erklärte die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die er bei dem Angeklagten sieht. Für den Angeklagten sei es schlicht unerträglich, wenn negativ über ihn gesprochen werde. Er werte andere etwa als Lügner ab. Mit Blick auf das Thema Empathie sagte der Experte über den 51-Jährigen: „Der Mensch, mit dem er empathisch umgeht, ist er selbst.“ Langer konstatierte jegliches Fehlen von Einsicht bei dem Angeklagten. Gefragt nach Erfolgsaussichten von möglichen Therapien sagte Langer: „Beim Fehlen von Einsicht ist die Behandlungsprognose düster.“ 

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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