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Vergewaltigung im Jugendzentrum? Senatorin will Aufklärung

Hat es in einem Neuköllner Jugendzentrum eine Vergewaltigung gegeben, die dann vertuscht wurde? Bildungssenatorin Günther-Wünsch fordert Aufklärung - und gegebenenfalls Konsequenzen.

Von dpa

12.03.2026

Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) fordert vollständige Aufklärung der Vergewaltigungsvorwürfe. (Archivbild)  Britta Pedersen/dpa

Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) fordert vollständige Aufklärung der Vergewaltigungsvorwürfe. (Archivbild) Britta Pedersen/dpa

© Britta Pedersen/dpa

Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat nach Vergewaltigungsvorwürfen in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln umfassende Aufklärung angemahnt. Sie habe von dem Fall erst aus der Öffentlichkeit erfahren, sagte sie bei der Plenarsitzung im Landesparlament. Die Vorgänge, die im Raum stehen, seien furchtbar. Die Pflicht zu deren Untersuchung und zur Aufklärung liege beim Bezirksamt und der zuständigen Bezirksstadträtin Sarah Nagel (Linke). 

Es handle sich um eine kommunale Einrichtung in der Verantwortung des Bezirks Neukölln. Sie sei aber bereits mit der Bitte um vollständige Aufklärung an den Bezirk herangetreten. Es sei ihre klare Erwartung, dass sie sowohl von der Bezirksstadträtin als auch vom Jugendamt darüber aufgeklärt werde, wer wann informiert war und dann wie entsprechend gehandelt habe. 

„Momentan prüfen wir, ob alle Verantwortlichen, insbesondere die Jugendfreizeiteinrichtung, die Vorgaben und Ausführungsvorschriften zum Kinderschutz eingehalten haben“, sagte Günther-Wünsch. 

Keine Anzeige vom Jugendamt 

Inzwischen ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft zu dem Vorfall. Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung sollen Sozialarbeiter der Einrichtung den Fall nicht an die Polizei gemeldet haben. Die türkisch-kurdische Schülerin soll demnach im Januar von mehreren Jungen sexuell belästigt worden sein.

Sie soll außerdem berichtet haben, sie sei in dem Jugendzentrum bereits im vergangenen Jahr vergewaltigt worden. Die Kriminalpolizei soll erst davon erfahren haben, als sich die betroffene 16-Jährige einer Präventivbeamtin der Polizei anvertraute, die das LKA einschaltete.

Offen ist bislang, warum das Jugendamt keine Anzeige erstattete. Der Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) äußerte in der Zeitung den Verdacht, der Vorfall sei von Betreuern offensichtlich nicht gemeldet worden, um die muslimischen Täter nicht zu stigmatisieren.

Konsequenzen gefordert

Günther-Wünsch sagte, sollte sich bewahrheiten, dass unter solchen Überlegungen keine Strafanzeige gestellt worden sei, dann erwarte sie von der zuständigen Stadträtin, ganz klar Konsequenzen zu ziehen. 

Der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Ali Ertan Toprak, betonte: „Wenn sich bestätigt, dass Mitarbeiter einer Jugendeinrichtung eher darum bemüht waren, die Täter zu schützen als das Opfer, dann wäre das ein erschütternder Skandal.“ Antirassismus dürfe nicht dazu führen, Straftaten zu verschweigen. „Wer aus ideologischen Gründen wegschaut, lässt Opfer allein.“

Auch der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Martin Hikel (SPD) betonte in der „Bild“-Zeitung: „Religionszugehörigkeit darf niemals ein Grund sein, Straftaten zu verschleiern. Das muss man mit den Sozialarbeitern thematisieren.“

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