Tschentscher und Günther „im Flow“ durchs Baltikum
Als neue Boy Group „nordisch by nature“ wird man sie wohl nicht bezeichnen können. Doch Hamburgs Bürgermeister Tschentscher und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günther setzen sehr auf Teamgeist.
Best Buddies im Norden: Hamburgs Bürgermeister Tschentscher (l) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günther beim Besuch in Danzig.Martin Fischer/dpa
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Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) haben ihre gemeinsame Reise nach Polen und ins Baltikum als Erfolg gewertet und wollen das Format künftig fortsetzen. „Es war eine Premiere, aber ich würde sagen, eine erfolgreiche Premiere“, resümierte SPD-Politiker Tschentscher zum Abschluss der fünftägigen Tour durch drei Länder. „Wir sind so richtig im Flow gewesen als Team mit unseren Gesprächspartnern.“
Günther - seit zehn Jahren CDU-Vorsitzender im nördlichsten Bundesland - hob die hohe Wertschätzung hervor, die er und Tschentscher bei ihren gemeinsamen Besuchen in Danzig, Vilnius und Riga erfahren hätten - auch weil sie Regierungschefs mit unterschiedlicher Parteizugehörigkeit seien.
Tschentscher: Wurden als starker Norden wahrgenommen
Günther zufolge war es die erste gemeinsame Auslandsreise zweier deutscher Länder-Regierungschefs, noch dazu mit unterschiedlichen Parteibüchern. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, das so zu machen. Und deswegen gibt es sicherlich auch die Möglichkeit, das in Zukunft noch mal wieder zu machen, gerade weil wir ja auch Interessen gemeinsam vertreten“, sagte er.
Dass Günther und er für die Interessen ihrer Länder auf der Reise Hand in Hand eingetreten seien, sei eine Botschaft nicht nur für Deutschland, sondern für Europa, sagte Tschentscher.
Tschentscher: Haben komplementäre Stärken
In der Metropolregion lebten fast fünf Millionen Menschen. „Wir sind als Norden Deutschlands auch bevölkerungsreicher und wirtschaftsstärker als viele Mitgliedsstaaten der Europäischen Union“, sagte der Bürgermeister. „Und wir haben komplementäre Stärken: Das, was uns in Hamburg fehlt, kann Schleswig-Holstein liefern und umgekehrt.“
Auch deshalb seien Hamburg und Schleswig-Holstein in Polen, Litauen und Lettland als „starker Norden“ Deutschlands wahrgenommen worden.
Hamburg und Schleswig-Holstein wollen mit einer Stimme sprechen
Mit den Partnern im Ostseeraum gebe es ebenfalls viele gemeinsame Themen: „die Zusammenarbeit der Häfen, die Fragen der Verteidigung im Ostseeraum, die Fragen der Cybersicherheit“, sagte der Bürgermeister.
Tschentscher und er hätten sich bei der Reise „die Bälle in die Hand gespielt“, sagte Günther. „Wir haben gemeinsame Interessen, die wir hier auch vertreten. Von daher gab es keinen Dualismus in den Gesprächen, sondern wir sind mit einer gemeinsamen Stimme aufgetreten.“
Während in Polen vor allem die Kooperation der Ostseehäfen im Mittelpunkt stand, ging es bei den Gesprächen in Vilnius und Riga mehr um die Verteidigungsbereitschaft und militärische Kooperation angesichts der russischen Bedrohung - vor allem in puncto Drohnentechnologie.
Historische Verbundenheit der Hansestädte
Die Gespräche seien ein Mix gewesen aus wirtschaftlichen Kontakten „und eben einem hanseatischen Bewusstsein, dass wir uns gemeinsam aufstellen müssen, um in einer geopolitisch sehr anstrengenden und schwierigen Phase besser bestehen zu können“, sagte Tschentscher.
„Deutschland ist wichtig für das Baltikum, gerade für Litauen, Lettland und Estland, die ja an der Ostgrenze der Nato noch unmittelbarer der Bedrohung durch Russland ausgesetzt sind“, sagte er. Zugleich gebe es in diesen Staaten ein besonderes Interesse an den norddeutschen Städten und Regionen. „Das bezieht sich auf die Tradition der Hansestädte. Es bezieht sich auf die Hafenstädte. Es geht um Hamburg, um Kiel, um Lübeck.“
Bedrohungslage im deutschen Bewusstsein schärfen
Die Reise durch Länder, die direkt an Russland beziehungsweise Belarus grenzten und in denen es eine andere Wahrnehmung der Bedrohungslage gebe, habe ihm gezeigt, wie wichtig die Frage sei, „wie können wir auch in unseren Ländern noch mehr in den Bereichen Resilienz und Verteidigungsbereitschaft tun“, sagte Günther.
Für ihn und Tschentscher sei es auch wichtig gewesen zu sehen, wie die Bundeswehr mit der Panzerbrigade 45 „Litauen“ im Baltikum wahrgenommen werde - „wie das Zeichen aufgenommen wird, dass wir bereit sind, für die Sicherheit hier in der Region, aber auch für die Sicherheit in ganz Europa einzustehen“, sagte Günther.
Günther sieht deutsche Geschichte als Mahnung
Angesichts des von den Nazis begonnenen Zweiten Weltkriegs sei es ihm ein Anliegen gewesen, die Reise in Danzig zu beginnen. Man müsse Deutschlands Geschichte kennen, um glaubwürdig in die Zukunft zu blicken.
Gemeinsam hatten die Nord-Regierungschefs zum Auftakt ihrer Reise in der polnischen Hafenstadt am Mahnmal für die Verteidiger des polnischen Postamts Kränze niedergelegt. Dort hatten am 1. September 1939 Polen erbitterten Widerstand gegen angreifende SA- und SS-Truppen geleistet.