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Trockenheit trotz Regens: Wasserhaushalt nicht ausgeglichen

Vielen werden den Sommer 2025 als ziemlich verregnet in Erinnerung haben. Doch über das Jahr betrachtet war es in Sachsen zu trocken. Dem Freistaat fehlt der klassische „Landregen“.

Von dpa

21.01.2026

Das Jahr 2025 hat sich in Sachsen erneut als zu trocken erwiesen. (Archivbild)Robert Michael/dpa

Das Jahr 2025 hat sich in Sachsen erneut als zu trocken erwiesen. (Archivbild)Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

Sachsen braucht mehr Wasser. 2025 geht erneut als trockener Jahrgang in die Geschichte des Freistaates ein - auch wenn es im Januar, Juli, Oktober und September zum Teil deutlich mehr Niederschlag gab als üblich. „Die Monate mit einem Niederschlagsüberschuss resultieren meist aus Starkregenereignissen. Der klassische „Landregen“ ist weiter auf dem Rückzug in Sachsen“, zog das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Bilanz. 

Bezogen auf den Referenzzeitraum von 1960 bis 1991 ging die Niederschlagsmenge im Vorjahr um 19 Prozent zurück. Das entspricht etwa einer Menge von 130 Litern pro Quadratmeter.

Sachsen leidet unter Grundwasserdürre

Nicht nur von oben fehlt das Nass. Die Grundwasserstände lagen zum zwölften Mal in Folge unter dem vieljährigen Mittel - mit einem der stärksten Defizite seit Messbeginn vor über 100 Jahren, wie es hieß. „Uns fehlen die Winterniederschläge, uns fehlen die Schneerücklagen“, so Wasserexperte Andy Philipp vom Landesamt. Ohne Schnee sei die Grundwasserneubildung im Winterhalbjahr deutlich eingeschränkt. Das aktuelle Defizit werde sich durch anhaltende Trockenheit in diesem Winter noch verschärfen. 

Auswirkungen auf Fließgewässer und Talsperren

In Flüssen und Bächen lagen die Durchflüsse nur bei 30 bis 70 Prozent des jährlichen Mittelwertes. Mit Blick auf die Fließgewässer gehörte 2025 zu den trockensten der vergangenen zehn Jahre. Vielerorts reichten die Zuflüsse im Winter nicht aus, um die Stauziele in den Talsperren zu erreichen. Die Niederschlagsverteilung über das Jahr gesehen werde zunehmend ungleichmäßig, hieß es. Der Dezember hatte das größte Defizit - minus 70 Prozent. 

2025 gehört zu den zehn wärmsten Jahren in Sachsen

Insgesamt war 2025 mit einer Abweichung von 1,6 Grad Celsius bezogen auf den Referenzzeitraum das zehntwärmste Jahr. Die höchste Abweichung gab es im Januar (plus 3,6 Grad). Sieben der vergangenen zehn Jahre gehörten in puncto Wärme zu den Top Ten seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. 

Wetter beschert Sachsen im Vorjahr viel Sonne

2025 präsentierte sich zudem als äußerst sonnenreich - die Sonnenscheindauer nahm um 31 Prozent zu, in der Sächsischen Schweiz und im Ostergebirge sogar um 41 Prozent. Kein Jahr der Extreme, aber deutlich geprägt von Unterschieden, lautete das Fazit insgesamt. 

Trockenheit hat Folgen für Wälder, Landwirtschaft und Obstbau

Die Fachleute im Landesamt informierten zudem über Auswirkungen des Wetters auf Wälder, Landwirtschaft, Obst- und Weinbau. Die Trockenheit lichtete die Kronen der Bäume in den Wäldern weiter und erhöhte die Waldbrandgefahr. Die Ernte bei einigen Kulturen wie Winterweizen und Raps führte zu überwiegend guten Erträgen, weil der Niederschlag nach der Trockenheit im Frühjahr noch rechtzeitig kam. Bei Wein sorgte das Wetter für einen guten Jahrgang. Der Obstbau hatte unter anderem unter Spätfrost bei Beerenobst zu leiden. Der Trend zu einer vorzeitigen Blüte hält an.

Bekassine beim Naturschutz „Verlierer des Jahres“

Beim Naturschutz wählten die Experten als „Verlierer des Jahres“ die Bekassine - einen Vogel, der feuchten Lebensraum braucht und in Sachsen vom Aussterben bedroht ist. Sein Verbreitungsgebiet habe sich erheblich verkleinert, hieß es. Kam die Bekassine im Zeitraum zwischen 1993 und 1996 noch in 18 Prozent der unter Beobachtung stehenden Gebieten als Brutvogel vor, schrumpften die Gebiete 2022 bi 2024 auf sieben Prozent.

Prognose und Polarlichter

Bei den Prognosen halten sich die Experten zurück. Zumindest in den kommenden drei Monaten soll es trocken bleiben. Für die Temperaturen wurden ein Plus von 0,5 bis 1,5 Grad gegenüber der Referenzzeitraum vorausgesagt. 

Zu einem aktuellen Phänomen klärten die Experten abschließend auf. Polarlichter in Deutschland sind keine Auswirkung des Klimawandels. Sie entstehen durch Sonnenwinde, die auf das Magnetfeld der Erde treffen und haben nichts mit aktuellen Wettererscheinungen zu tun. Der für Wetter und Klima relevante Teil der Atmosphäre befinde sich in einer Höhe von 20 Kilometern und etwas mehr. Polarlichter entstünden in mehr als 100 Kilometern Höhe.

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