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Totholz und Fällungen: Uralt-Bäume im Hitzestress

Hitze und Dürre setzen auch den Baumriesen in historischen Parkanlagen in Thüringen zu. Wie die Gärtner versuchen, das historische Grün zu retten – und was das für die Zukunft der Parks bedeutet.

Von Andreas Göbel, dpa

15.08.2026

Alte und markante Bäume sind prägend für die historischen Parkanlagen in Thüringen. Bodo Schackow/dpa

Alte und markante Bäume sind prägend für die historischen Parkanlagen in Thüringen. Bodo Schackow/dpa

© Bodo Schackow/dpa

Deutschland ächzt unter anhaltender Trockenheit und hohen Temperaturen. Besonders deutlich zeigen sich die Folgen an den teils mehr als 300 Jahre alten Baumbeständen in den historischen Parkanlagen Thüringens - etwa in den zwölf Gartendenkmalen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die rund 360 Hektar umfassen. Alte und markante Bäume prägten diese Anlagen seit jeher und würden deshalb besonders engmaschig beobachtet, erklärte Stiftungssprecher Franz Nagel.

„Extreme Winter und Sommer, auch Hochwasser und Stürme hat es immer gegeben.“ Jedoch seien die Häufigkeit, die Dauer und die Intensität der Extreme eine Entwicklung der vergangenen Jahre, ordnete Nagel ein. „Seit 2018 sind jährlich etwa dreimal so viele Baumverluste zu beklagen wie im Zeitraum davor.“ 

Auch die Ausgaben für Baumpflegearbeiten seien mittlerweile fast viermal so hoch wie die jährlichen Aufwendungen bis 2018. Im vergangenen Jahr habe diese Aufgabe rund 700.000 Euro gekostet.

Alte Baumriesen prägen die Anlagen

„Alte Bäume sind ein zentrales Gestaltungsmerkmal vor allem in Landschaftsparks aus dem 18. und 19. Jahrhundert“, so Nagel. Viele Exemplare in den Parks der Stiftung seien 200 bis 250 Jahre alt und bildeten wichtige Blickpunkte und Perspektiven. Besonders artenreich seien etwa der Fürstlich Greizer Park, der Schlosspark Altenstein, der Schlosspark Wilhelmsthal sowie der Englische Garten im Herzoglichen Park Gotha, einem der ältesten Parks nach englischem Vorbild auf dem europäischen Festland.

Ähnlich ist die Lage in den Parks der Klassik Stiftung Weimar. Unter anderem gebe es einige vermutlich mehr als 300 Jahre alte Alteichen im Park Belvedere und in der Nähe von Goethes Gartenhaus. Auch eine Elsbeere in Belvedere stehe dort seit der Barock-Zeit. 

„Altbäume reagieren zunehmend mit verstärkter Totholzbildung und Absterbe-Erscheinungen“, berichtete der Referent der Gartenabteilung der Klassik Stiftung, Andreas Pahl. Alarmierend seien aber auch Schäden und Verluste an mittelalten Bäumen, die eigentlich die Grundlage des zukünftigen Bestandes bilden sollten. 

Viele heimische Bäume gefährdet

Davon seien besonders Rotbuchen, Bergahorn und Fichten betroffen. Zudem setzen Pflanzenkrankheiten wie das Eschentriebsterben den seit den ersten Dürresommern 2018 geschwächten Bäumen stärker zu. 

„Das ist eine neue Qualität“, sagte Pahl. In den Aufzeichnungen habe es zwar immer wieder Dürresommer gegeben, allerdings nicht in Verbindung mit derlei extrem hohen Temperaturen. Auch Ausfälle einzelner Baumarten habe es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Neu sei aber, dass eine solche Vielzahl der heimischen Bäume betroffen sei.

Fällungen und die Entnahme von Totholz beschäftigen die Gärtner das ganze Jahr über. Bodo Schackow/dpa

Fällungen und die Entnahme von Totholz beschäftigen die Gärtner das ganze Jahr über. Bodo Schackow/dpa

© Bodo Schackow/dpa

Kurzfristig bleibt den Gärtnern nur, die Folgen so gut wie möglich einzugrenzen, so die übereinstimmende Aussage. Fällungen und die Entnahme von Totholz beschäftige die Gärtner das ganze Jahr über. Ohne diese Maßnahmen müssten ganze Areale wegen der Bruchgefahr gesperrt werden. Allein die Ausgaben für die Verkehrssicherung haben sich laut Pahl in den Parks der Klassik Stiftung in den vergangenen Jahren vervielfacht. Im vergangenen Jahr hätten diese bei etwa 340.000 Euro gelegen - ohne Kosten für Nachpflanzungen, Zisternen oder ähnliche Projekte. 

Deutlich mehr Pflege für Jungbäume nötig

Auch der Personal- und Sachaufwand bei der Pflanzung und der Pflege von Jungbäumen habe sich deutlich erhöht. Noch vor wenigen Jahren hätten junge Bäume etwa zwei Jahre lang zusätzlich gepflegt werden müssen. „Heute muss jahrelang zusätzlich bewässert werden“, sagte Pahl.

Falls Dürre und Trockenheit auch in den kommenden Jahren das Wetter bestimmten, seien deutlich mehr Ausfälle zu erwarten, hieß es übereinstimmend. Mittel- und langfristig seien weitere Strategien nötig - daher laufen in den befragten Stiftungen umfangreiche Forschungsprojekte zu möglichen Anpassungsstrategien, auch in bundesweiten Kooperationen. 

Von den Erkenntnissen könnten auch Parks in Kommunen mit weniger Mitteln für die Baumpflege profitieren. „Wir müssen aber davon ausgehen, dass bestimmte vulnerable Baumarten geringere Zukunftschancen haben“, so Nagel. Ein Bestandsumbau sei vermutlich unumgänglich. Vielerorts dürften also in Zukunft klimaresistente Neupflanzungen an die Stelle der jahrhundertealten Vorgänger treten.

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