Experten empfehlen zentrales Krisenzentrum für Berlin
Anfang des Jahres legt ein Stromausfall Teile von Berlin lahm. Experten sehen Handlungsbedarf und fordern Konsequenzen.
Eine Expertenkommission hat einen umfangreichen Bericht dazu vorgelegt, wie sich Berlin besser auf Krisen vorbereiten kann. Soeren Stache/dpa
© Soeren Stache/dpa
Berlin ist nach Einschätzung einer unabhängigen Expertenkommission nicht ausreichend auf Krisen und Katastrophen vorbereitet. Der mehrtägige Stromausfall Anfang des Jahres im Südwesten der Hauptstadt habe eine Reihe von Schwachstellen im Umgang damit offengelegt, heißt es in dem Bericht, den die Kommission im Roten Rathaus vorgestellt hat.
Sie reichen von unzureichender Kommunikation mit der Bevölkerung bis zu Mängeln bei der Notstromversorgung. „Der Terroranschlag auf das Stromnetz im Januar 2026 war ein Weckruf für Berlin und andere Städte“, so die Kommission. „Die Bewältigung der Lage führte Berlin an die Belastungsgrenze.“
Bei dem größten Stromausfall in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg waren insgesamt rund 100.000 Menschen betroffen, viele mussten mitten im Winter ohne Strom und Heizung auskommen. Grund für den Blackout vom 3. bis 7. Januar war ein mutmaßlich linksextremistischer Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf.
Experten fordern bessere Vorbereitung auf Krisenfälle
Als Konsequenzen regt die Kommission an, ein Lage- und Krisenzentrum aufzubauen, das alle Krisenstäbe im Land und mit der Bundesebene verbinden soll. Außerdem empfiehlt sie, einen sogenannten Chief Resilience Officer (CRO) bei der Senatskanzlei auf Staatssekretärsebene zu etablieren. Nötig seien auch deutlich mehr Übungen als Vorbereitung auf Krisenfälle.
Als Ziel gab die Kommission aus, alle in einem Berliner Krisenfall betroffenen Akteure müssten bis spätestens 2029 in der Lage zu sein, den Betrieb ihrer Kernfunktionen über zehn Tage zu gewährleisten.
Die Kommission wurde Ende Januar von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) eingesetzt. Dazu gehören der Vorstandsvorsitzende der Charité, Heyo Kroemer, die frühere Bahn-Managerin Sigrid Nikutta, der ehemalige Berliner Landesbrandmeister Albrecht Broemme und der frühere Brigadegeneral der Bundeswehr Uwe Nerger.