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Stichprobe: Notbremssystem übersieht Kinder in Warnkleidung

Reflektierende Kleidung soll Kinder im Dunkeln besser sichtbar machen. Bei einem ADAC-Test versagten Notbremsassistenten ausgerechnet in diesem Szenario. Woran das liegen könnte.

Von dpa

27.10.2026

Die Systeme versagten bei der Erkennung von Kindern mit reflektierender Kleidung und Schulranzen in der Dunkelheit. (Illustration)Jan Woitas/dpa

Die Systeme versagten bei der Erkennung von Kindern mit reflektierender Kleidung und Schulranzen in der Dunkelheit. (Illustration)Jan Woitas/dpa

© Jan Woitas/dpa

Reflektierende Kleidung könnte Menschen in der dunklen Jahreszeit im Verkehr weniger gut schützen als gedacht - das legt zumindest eine Stichprobe des ADAC nahe. Die Jacken und Hosen bringen teilweise Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung bei Dunkelheit aus dem Konzept. Ausgerechnet bei Kindern mit reflektierender Kleidung und Schulranzen schnitten die Autos am schlechtesten ab, wie der Automobilclub mitteilte.

Der ADAC testete nachts sechs Autos verschiedener Hersteller mit unterschiedlicher Sensorik an Dummys. „Die Ergebnisse können nicht von einem Fahrzeug auf das andere übertragen werden“, sagte ADAC-Pressesprecher Fabian Faehrmann auf Anfrage - jedoch liege der Verdacht nahe, dass auch andere Fahrzeuge mit gleichen Systemen vor ähnlichen Problemen stehen könnten. Das gelte insbesondere für andere Modelle im jeweiligen Konzern, die einheitliche Assistenzsysteme verwenden. 

Kinder mit Rucksack und Reflexkleidung schlecht geschützt 

Trug die erwachsene Attrappe eine handelsübliche Warnweste, bremsten alle Autos rechtzeitig. Ganz anders sah es bei genormter Arbeitskleidung aus, wie sie etwa Rettungskräfte, Bauarbeiterinnen und -arbeiter oder die Polizei tragen: Fast alle Systeme erkannten die Person nicht oder zu spät. Ein Kind in dunklem Outfit erkannten alle Fahrzeuge, während fast jedes System bei Kindern mit reflektierender Kleidung versagte. 

„Die Vermutung unserer Experten ist, dass Reflexionsstreifen nah über dem Boden die Systeme durcheinanderbringen“, sagte Faehrmann. Diese seien beispielsweise auf einer Arbeitshose oder der Kleidung eines Kindes auf einem Fahrrad zu finden.

ADAC vermutet Fehler bei Software 

Laut ADAC liegt das Problem weniger an Kamera oder Sensoren als an der Software, die Verkehrsteilnehmende einordnet. Nur eines der getesteten Autos erkannte ein Kind in Reflexkleidung, das hinter einem parkenden Wagen auf die Straße lief. 

Der ADAC fordert nun schnelle Nachbesserungen. „Die Hersteller sind gefordert, die Systeme zu optimieren“, teilte der Sprecher mit. Das könne, wo möglich, auch mittels Updates geschehen. 

Seit Juli 2026 ist der Notbremsassistent mit Fußgängererkennung für alle Neuzulassungen vorgeschrieben. Allerdings handle es sich bei diesem Szenario nicht um eine gesetzliche Verpflichtung. „Die Anforderungen in dieser Studie gehen bewusst über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, um Verbesserungspotenziale aufzuzeigen.“

ADAC empfiehlt weiterhin das Tragen von Reflexkleidung

Der Club rät Autofahrerinnen und Autofahrern, sich nicht auf Assistenzsysteme zu verlassen. Wer am Steuer sitzt, trägt die Verantwortung und sollte im Zweifel selbst bremsen. 

Eltern sollten ihre Kinder darüber hinaus trotzdem weiter mit Warnkleidung zur Schule schicken: Laut ADAC bringt die bessere Sichtbarkeit deutlich mehr Sicherheit als das Risiko durch einen versagenden Assistenten.

Die Ergebnisse der einzelnen Autos lassen sich laut ADAC nicht direkt vergleichen, weil für jedes Fahrzeug eine andere Testgeschwindigkeit galt.

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