„Spice“ per Post – Prozess um Drogenhandel in Münchner Knast
Kariertes Papier, DIN-A4-Seiten und Briefe: So fanden Drogen den Weg in die Justizvollzugsanstalt. In München stehen deshalb nun fünf Männer vor Gericht - darunter auch ein Geistlicher.
Bis Ende Oktober hat das Landgericht insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt.Britta Schultejans/dpa
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„Spice“ per Brief und ein Seelsorger, der beim Drogenhandel geholfen haben soll: In München hat ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Drogenhändlerring in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim begonnen. Die Masche: Papier, das mit dem synthetischen Cannabinoid „Spice“ getränkt war, wurde - teils als Liebesbrief getarnt - ins Gefängnis geschickt.
Die Absprachen dazu sollen auch über geschmuggelte Handys stattgefunden haben. Und diese soll ein muslimischer Theologe, der als Seelsorger in der JVA angestellt war und bei seinen Besuchen nicht kontrolliert wurde, ins Gefängnis eingeschleust haben.
Ein Motiv: Abnehmspritze
Das gab er vor dem Landgericht München I auch zu. „Ich hab das deswegen gemacht, weil ich unter immensen Schulden stand“, sagte der 37-Jährige. Er habe BaföG-Schulden gehabt und beim Freistaat Bayern nicht genug verdient. Außerdem habe er unter Burn-out gelitten, weil er allein für 600 muslimische Gefangene zuständig gewesen sei.
Und dann sei auch noch die Abnehmspritze teuer gewesen, die er wegen seines Übergewichts genutzt habe. „Körperlich bin ich nicht Topmodel“, sagte er. „Ich wollte Abnehmspritzen finanzieren.“
Dass er wissentlich auch einen mit Drogen getränkten Brief in die JVA geschmuggelt habe, bestritt er. Er sei davon ausgegangen, es handle sich um „einen Sexbrief“.
Zwei weitere Angeklagte räumten ihre Beteiligung an den Drogengeschäften zu Prozessbeginn ebenfalls ein. Einer gab an, er habe vor allem seinem zu einer Haftstrafe verurteilten Bruder die Zeit im Gefängnis erleichtern wollen und ihm darum Drogen besorgt.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern unter anderem bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln vor. Der Gefängnisseelsorger ist zudem wegen Bestechlichkeit angeklagt. Bis Ende Oktober hat das Landgericht insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt.
In München beginnt ein Strafprozess um einen schwungvollen Drogenhandel in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim. (Archivbild)Andreas Gebert/dpa
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