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Mutter rast mit Kindern gegen Baum - Sechs Jahre Haft

„Wir fahren jetzt los und bauen einen Unfall“: Mit diesem Satz soll eine Mutter ihre Kinder ins Auto gelockt haben. Ihre Fahrt endet an einem Baum. Wie das Landgericht den Fall bewertet.

Von dpa

28.07.2026

Das Landgericht Oldenburg hat eine Mutter verurteilt. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

Das Landgericht Oldenburg hat eine Mutter verurteilt. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

© Sina Schuldt/dpa

Trennung, Verzweiflung - und dann prallt ein Auto mit zwei Kindern gegen einen Baum: Die Mutter saß am Steuer und muss nun sechs Jahre ins Gefängnis. „Sie haben zwei Verbrechen begangen an ihren Kindern“, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht Oldenburg und verurteilte die 39-Jährige wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Außerdem verliert sie für mindestens vier Jahre ihre Fahrerlaubnis.

„Die größte Strafe habe ich mir einfach selbst auferlegt“, sagte die Angeklagte vor der Urteilsverkündung und bat ihre Familie um Entschuldigung. „Ich habe nicht nur meine Kinder unfassbar enttäuscht, sondern euch alle.“

„Wir fahren jetzt los und bauen einen Unfall“

Das Gericht ist überzeugt, dass die Deutsche schon länger psychische Probleme hatte. Anstatt sich Hilfe zu suchen, soll sie sich mit Bier betäubt haben. So auch am 17. Februar, als die Lage in Lohne (Landkreis Vechta) eskaliert sei. Ihr Partner habe sich getrennt - und damit sei die Angeklagte nicht klargekommen. 

In dem Moment sei die 39-Jährige unsicher, verletzt und voller Selbstmitleid gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. „Daraus bricht eine wirkliche Aggression hervor.“ Sie soll ihren Partner in Textnachrichten gedroht und ihm schwere Vorwürfe gemacht haben. „Das ist ein Verhalten, dass man sonst nur von Kindern kennt.“

Doch sie konnte kein Umdenken erzwingen und fasste laut Gericht daraufhin einen fatalen Entschluss. „Wir fahren jetzt los und bauen einen Unfall“, soll sie zu ihren Kindern gesagt und beide ins Auto gepackt haben. Sie habe ihrem Partner eine Szene machen wollen, doch der sei nicht zu Hause gewesen. Also sei sie weitergefahren - und aufs Gas gegangen.

Wie es den Kindern geht

Mit rund 70 Kilometern pro Stunde fuhr die Mutter mit ihren beiden Kindern gegen einen Baum, wie der Vorsitzende Richter weiter ausführte. „Positiv ist: Es ist niemand tot.“ Doch ihre damals achtjährige Tochter habe nur knapp überlebt, Ärzte mussten sie dreimal wiederbeleben. In einer Notoperation entfernten sie der Kleinen eine Niere. Der zehnjährige Sohn kam mit einer Schürfwunde und einem gebrochenen Zeh davon, die Angeklagte selbst erlitt Knochenbrüche.

Die Tochter - und am Ende die gesamte Familie - durchlebte ein Martyrium, schilderte der Vorsitzende Richter. Ihr Vater habe sich aufopferungsvoll um sie gekümmert, er habe mittlerweile auch das alleinige Sorgerecht. Die Kinder wollen mit der Mutter nichts mehr zu tun haben. „Damit müssen Sie leben“, sagte der Vorsitzende Richter direkt zur Angeklagten. 

Die Kammer geht davon aus, dass die Frau wegen ihrer psychischen Probleme vermindert schuldfähig ist. Die 39-Jährige müsse hart an sich selbst arbeiten. „Sie sind in der Lage, sich zu ändern“, sagte der Vorsitzende Richter. Eines Tages würden ihre Kinder nach dem Warum fragen. Nur mit einer ehrlichen Antwort habe sie dann eine Chance, ihr Vertrauen wiederzugewinnen.

Tränenreiches Geständnis

Die Angeklagte konnte vor Gericht ihr Schluchzen nicht unterdrücken, auch am letzten Verhandlungstag rollten Tränen über ihr Gesicht. „Ich war an diesem Tag wie fremdgesteuert“, sagte die 39-Jährige und beteuerte, dass sie die Tat am liebsten rückgängig machen würde. „Ich schäme mich einfach so doll, vor allem vor meinen Kindern.“

Die Verteidigerin betonte, dass ihre Mandantin keine schlechte Mutter sei. „Sie würde für Ihre Kinder alles tun.“ Umso schwerer sei es zu begreifen, wie sie zu einer solchen Tat fähig gewesen war. „Wer macht das schon? Die eigenen Kinder? Das ist krank“, sagte die Anwältin. „Doch in dem Moment war die Angeklagte auch krank.“ Sie forderte fünf Jahre Haft.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Deutsche wegen versuchten Mordes angeklagt und ging am Ende von versuchtem Totschlag aus. Sie plädierte für sieben Jahre Haft und den Entzug der Fahrerlaubnis für mindestens fünf Jahre. „Es hätte nicht so weit kommen müssen“, sagte der Oberstaatsanwalt bedauernd. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Vorsitzende Richter appelliert an die Angeklagte, an sich zu arbeiten. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

Der Vorsitzende Richter appelliert an die Angeklagte, an sich zu arbeiten. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

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