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Richtungswahl: Gespannter Blick auf Mecklenburg-Vorpommern

Der Wahlkampf ist vorbei, nun gilt’s: In Mecklenburg-Vorpommern wird ein neuer Landtag gewählt. Kann Ministerpräsidentin Schwesig weiterregieren oder gelingt der AfD ein weiterer Coup?

Von dpa

20.09.2026

Die Wahllokale sind nun bis 18.00 Uhr geöffnet.Philip Dulian/dpa

Die Wahllokale sind nun bis 18.00 Uhr geöffnet.Philip Dulian/dpa

© Philip Dulian/dpa

Nach einem turbulenten und polarisierenden Wahlkampf naht nun die Entscheidung: In einer auch bundesweit viel beachteten Landtagswahl sind heute rund 1,3 Millionen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Erstmals haben dabei auch 16- und 17-Jährige das Wahlrecht. Die Wahllokale sind nun geöffnet und werden um 18 Uhr wieder schließen. Allgemein wird mit einer hohen Wahlbeteiligung gerechnet.

Die Abstimmung erzeugt dabei deutlich mehr Aufmerksamkeit als in früheren Jahren weit über die Landesgrenzen hinweg. Selbst ausländische Medien berichten über die Wahl im sonst eher beschaulichen Nordosten Deutschlands.

Im Mittelpunkt des Interesses steht das Abschneiden der AfD. Nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen rechnet sich die Partei auch in Mecklenburg-Vorpommern gute Chancen aus. Selbstbewusst plakatierte die AfD im Wahlkampf ihren Co-Landesvorsitzenden Leif-Erik Holm schon als Ministerpräsidenten.

Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet

Doch kurz vor der Wahl bekamen die Hoffnungen der Rechtspopulisten einen deutlichen Dämpfer: Einer Umfrage des ZDF-„Politbarometers“ zufolge lag erstmals überhaupt die SPD an der Spitze. Der Befragung nach kämen die Sozialdemokraten unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf 37 Prozent. Die AfD läge mit 36 Prozent knapp dahinter. Sowohl Schwesig als auch Holm haben sich öffentlich das Ziel gesetzt, stärkste Kraft in MV zu werden. 

Die Linke erreicht in der Umfrage neun Prozent, die Union sechs, die Grünen fünf, das BSW vier Prozent. Die FDP liegt unter drei Prozent. Die Union steuert damit auf das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl seit Bestehen der Bundesrepublik zu. Welche Auswirkungen das auf die Bundesregierung und Kanzler Friedrich Merz haben wird, hängt auch von der parallel in der Hauptstadt Berlin stattfindenden Wahl zum Abgeordnetenhaus ab.

Starke Aufholjagd 

Bemerkenswert ist vor allem die Entwicklung der SPD. Zu Beginn des Sommers lagen die Sozialdemokraten noch abgeschlagen auf Rang zwei mit deutlich unter 30 Prozent. Im Verlaufe des Wahlkampfs holte die SPD immer weiter auf. Dass es nun ein enges Rennen um die Spitze gibt, machen viele an der Person Schwesig fest. Nach Einschätzung von Experten ist es ihr gelungen, sich von der gerade in Mecklenburg-Vorpommern sehr unbeliebten Bundesregierung abzugrenzen - trotz SPD-Beteiligung dort. Bei brisanten Themen wie der Rentenreform oder den Spritpreisen ging sie auf Distanz zu Berlin. 

Geholfen haben dürfte der Ministerpräsidentin auch die Ankündigung von mehreren Milliardeninvestitionen. Just in der heißen Phase des Wahlkampfs kündigte die Schwarz Gruppe den Bau eines riesigen Rechenzentrums bei Rostock an, kurz darauf vergab der Stromnetzbetreiber 50Hertz einen Milliardenauftrag für den Bau einer Konverterplattform an die Rostocker Werft.

Harter und polarisierender Wahlkampf

Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern wurde von vielen Seiten als Richtungswahl bezeichnet. Darunter haben besonders die kleinen Parteien gelitten. Sie wurden zwischen den Lagern teilweise zerrieben. 

Dass sich Schwesig als „Frau gegen Blau“ positionierte und dafür warb, die Stimmen der SPD zu geben, um die AfD zu verhindern, sorgte für Unmut bei den potenziellen Koalitionspartnern. Beschwerden kamen nicht nur von der CDU, sondern auch von den Linken und den Grünen.

Die bestimmenden Themen im Wahlkampf waren Bildung, Wirtschaft und Migration, aber auch aktuelle gesamtdeutsche Entwicklungen wie die Spritpreise oder die Rentenreform. Dabei gingen sich Holm und Schwesig vor der Wahl auch in zwei Fernsehduellen persönlich hart an. Bei der Diskussion um Sachthemen unterbrachen beide Kandidaten einander mehrfach. Immer wieder warfen sie sich die Verbreitung von Lügen und Halbwahrheiten vor.

Heute wird gewählt - wer hat künftig im Schweriner Schloss, in dem der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern sitzt, das Sagen? Philip Dulian/dpa

Heute wird gewählt - wer hat künftig im Schweriner Schloss, in dem der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern sitzt, das Sagen? Philip Dulian/dpa

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Die beiden Kandidaten für den Ministerpräsidentenposten, Amtsinhaberin Schwesig und ihr Herausforderer Holm, haben zwei harte TV-Duelle ausgefochten. (Archivbild)Jens Büttner/dpa

Die beiden Kandidaten für den Ministerpräsidentenposten, Amtsinhaberin Schwesig und ihr Herausforderer Holm, haben zwei harte TV-Duelle ausgefochten. (Archivbild)Jens Büttner/dpa

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