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„Richter Alexander Hold“ und seine neuen Fälle

Erst Barbara Salesch, jetzt Alexander Hold: Der Fernsehrichter kommt nach mehr als einem Jahrzehnt zurück. Ein weiterer Nostalgie-Trip in die Hochzeit der Gerichtsshows.

Von Britta Schultejans, dpa

23.10.2026

Richter Alexander Hold ist zurück.Joyn/BECKER FILMS/Joyn/dpa

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© Joyn/BECKER FILMS/Joyn/dpa

Es ist jetzt mehr als ein Jahrzehnt her, dass „Richter Alexander Hold“ Fälle verhandelte wie „Elektroschocks für den Spannertrainer“, „Familienstreit - Vater vom Stier getötet“ oder „Der Trucker und das Pornoheft“. Jetzt holt Sat.1 den Fernsehrichter zurück. Von diesem Montag (26. Oktober) an werden neue Geschichten ausgestrahlt. Los geht es mit einem Fall in Spielfilmlänge. Ab dem 27. Oktober sind die neuen Folgen dann täglich um 18.00 Uhr auf Sat.1 und beim Streamingdienst Joyn zu sehen.

Genau wie früher verhandelt und entscheidet der inzwischen 64-Jährige in pseudo-dokumentarischen Gerichtsverhandlungen vor der Kamera.

Wie früher werden ausgedachte Fälle pseudo-dokumentarisch verhandelt.Joyn/BECKER FILMS/Joyn/dpa

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„Am meisten verändert hat sich mein Haaransatz und dass ich eine Brille trage, das ist der größte Unterschied. Es gibt keinen Grund, das Format grundlegend zu ändern, das ist aktueller denn je - nicht ohne Grund laufen die alten Folgen jetzt sogar erfolgreicher als vor zehn Jahren“, sagt Hold im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. „Ein Strafprozess, der bleibt ein Strafprozess, auch wenn ich zehn Jahre älter bin. Ich kann da nicht plötzlich eine Quizshow draus machen.“

Hold ist auch im echten Leben Jurist. Bevor er 2001 mit seiner Gerichtsshow bundesweit bekannt wurde, war er Richter in Kempten im Allgäu. Bis 2013 drehte er mehr als 2.000 Folgen - jetzt kommen 50 weitere dazu.

So sah der Fernsehrichter bei den alten Folgen aus. (Archivbild)picture alliance / dpa

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„Nicht geändert hat sich, dass ich mir weder bei der Sitzungsleitung, der Zeugenbefragung noch bei der rechtlichen Einordnung und bei meinem Urteil dreinreden lasse. Da poche ich auf meine richterliche Unabhängigkeit genauso wie in der Justiz. Nach der Beweisaufnahme ziehe ich mich auch beim Dreh zurück und nehme mir die Zeit für ein sorgfältiges Urteil samt Begründung - dass bei jeder Produktion Zeit Geld kostet, darf da keine Rolle spielen“, sagt Hold.

„Ich sehe mich eher als Zirkusdirektor“

„Ich hab eigentlich alle Freiheiten und die nehme ich mir auch, stelle den Zeugen Fragen, hake nach, wenn etwas nicht so klar geworden ist. Da ist schon viel Freiheit für mich drin - und auch viel Improvisation. Ich spiele ja keinen fiktionalen Richter, sondern nur mich selbst. Ich sehe mich eher als Zirkusdirektor.“

Hold ist auch Politiker, wollte sogar mal Bundespräsident werden. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

Hold ist auch Politiker, wollte sogar mal Bundespräsident werden. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

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Diese Eigenschaft kommt ihm auch in seinem anderen Job zugute: Hold ist nicht nur Jurist, sondern auch Politiker. 2017 wollte er sogar Bundespräsident werden. Heute ist er Vize-Präsident des bayerischen Landtags, dem er als Abgeordneter der Freien Wähler angehört. Die neuen Folgen seiner Gerichtsshow konnte er drehen, während der Landtag sich in der Sommerpause befand: „Ich hab immer schon ein Faible für Ferienjobs gehabt.“

Hold kehrt mit Primetime-Film zurück

Aus diesem Ferienjob sind 50 Episoden entstanden. Los geht es an diesem Montag mit einem Film in der Primetime und einem Prozess um einen Oldtimer-Mordanschlag, der den Richter mit einem Entführungsfall aus der Vergangenheit konfrontiert.

Im ersten Serien-Fall steht der Inhaber eines Fitness-Studios wegen Vergewaltigungsverdachts vor Gericht, im zweiten soll eine junge Frau den Kiosk ihres Stiefvaters überfallen und den Mann angeschossen haben.

Hat eine Erotik-Tänzerin einen Mann bei einer Geburtstagsfeier verletzt und einen Einbruch in sein Haus vorbereitet? Diesen Fall muss Hold in der dritten Serienepisode klären.

„Diese Art, Geschichten zu erzählen, hat nichts an Aktualität verloren. Bei einem Krimi geht es nur um die Frage: Wer war’s? Im Gerichtssaal arbeiten wir dagegen die Tat auf. Und hier kommt zur Frage nach der Wahrheit der noch wichtigere Aspekt: die Frage nach der Gerechtigkeit“, sagt Hold. „Es geht also nicht nur darum, mitzuraten, sondern auch sein eigenes Wertesystem abzugleichen. Dieses Justieren des Wertesystems ist, glaube ich, ein entscheidender Punkt.“

„Kein Bildungsfernsehen“

Zwar sei seine Show ganz klar eine Unterhaltungssendung - aber: „Mir war sofort klar, welche einmalige Möglichkeit das ist, dieses schwierige Streben nach Gerechtigkeit und die Abwägungen in der Entscheidungsfindung transparent zu machen. So gesehen ist es kein Bildungsfernsehen, aber Fernsehen, das das Verständnis für unseren Rechtsstaat schärft.“

Trotzdem habe sich seit der Hochzeit der deutschen Gerichtsshows, die auch Pionierin Barbara Salesch inzwischen mit neuen Folgen bei RTL wieder aufleben lässt, einiges geändert, sagt Hold: „Der Hauptunterschied ist wahrscheinlich, dass früher jemand schon auch leichtfertig irgendeinen Witz gemacht hat, bei dem uns jetzt auffällt: Ups, das würde man heute nicht mehr sagen.“

„Krachlederne Fälle“ mit „klischeehaften Typen“

Ein Beispiel dafür könnte auch „Der Trucker und das Pornoheft“ sein, erstmals ausgestrahlt im Jahr 2013. „LKW-Fahrer Lutz Reichert ist oft wochenlang einsam auf den Straßen Europas unterwegs. Und wenn er dann von seinen Touren zurückkehrt, erwartet ihn eine zänkische und abweisende Ehefrau“, heißt es darin. „Das Liebesleben des frustrierten Brummi-Fahrers liegt komplett brach. Deshalb versucht der 45-Jährige bei seinen Fahrpausen auf Raststätte, Frauen zu Erotikabenteuern zu überreden. Auch dort bleibt aber der Erfolg aus.“ Als er dann mit 80 Kilometern pro Stunde ungebremst in ein Stauende fährt, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass er ein Pornoheft ansah und während der Fahrt dazu masturbierte.

„Wir haben früher teilweise schon krachlederne Fälle gemacht mit klischeehaften Typen“, sagt Hold. „Da gibt es in unserer Gesellschaft inzwischen schon mehr Sensibilität.“

Ob er sich vorstellen kann, weitere 50 Folgen zu drehen, lässt er offen. „Ich hab jetzt diesen Sommer kaum Urlaub gemacht“, sagt der 64-Jährige. „Ob mir das meine Familie nochmal so durchgehen lässt, müsste ich aber erst mal mit dem Familienrat klären.“

Auch als Vizepräsident des bayerischen Landtags leitet Hold Sitzungen. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

Auch als Vizepräsident des bayerischen Landtags leitet Hold Sitzungen. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa

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