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Razzia nach Anschlag auf Strommasten im September in Berlin

50.000 Menschen waren im September 2025 in Berlin ohne Strom, als Starkstromkabel angezündet wurden. Für Techfirmen bedeutete das einen Millionenschaden. Jetzt gab es Durchsuchungen.

Von Andreas Rabenstein und Anne-Beatrice Clasmann, dpa

24.03.2026

Unter anderem in Berlin-Kreuzberg gab es Durchsuchungen.Soeren Stache/dpa

Unter anderem in Berlin-Kreuzberg gab es Durchsuchungen.Soeren Stache/dpa

© Soeren Stache/dpa

Ein halbes Jahr nach dem mutmaßlich linksextremen Brandanschlag auf die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof ist die Polizei mit einer Razzia gegen Verdächtige vorgegangen. Seit dem Morgen wurden an 17 Orten in Berlin, Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen Wohnungen und andere Räume durchsucht, wie die Berliner Staatsanwaltschaft mitteilte.

Die Polizei sei im Zusammenhang mit dem Brandanschlag bei Adlershof im September 2025 im Einsatz, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Die Ermittlungen richten sich gegen namentlich bekannte Beschuldigte.“ Allein in Berlin durchsuchte die Polizei 14 Objekte etwa in Kreuzberg und Wedding. 

Hunderte Polizisten im Einsatz

Insgesamt waren 500 Polizisten im Einsatz. Vor einigen Häusern in Berlin, die der linken Szene zugeordnet werden, standen am Morgen vermummte Polizisten. In der Schererstraße in Wedding führte die Polizei einen Spürhund in das Haus. Zimmer und Büros im Erdgeschoss wurden durchsucht. Polizisten trugen Laptops hinaus.

Auch eine linksextremistisch-anarchistische Bibliothek in Kreuzberg war im Visier der Polizei. In Düsseldorf durchsuchte die Polizei Räume an einer Anschrift, wo sich einer der Verdächtigen häufig aufgehalten habe.

Vorausgegangen war laut Staatsanwaltschaft die intensive Arbeit der eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe „EG Spannung“ im LKA Berlin. Es gehe um den Verdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage, Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie der Brandstiftung.

Die Polizei durchsuchte auch Räume in Berlin-Wedding.Sven Käuler/dpa

Die Polizei durchsuchte auch Räume in Berlin-Wedding.Sven Käuler/dpa

© Sven Käuler/dpa

Razzia gegen anarchistische Gruppe

Nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ richtete sich der Einsatz gegen eine anarchistische Gruppe. Eine Rolle soll dabei ein anarchistisches Magazin einer kleinen Gruppe aus Bayern spielen.

Der Brandanschlag vom 9. September wird nach dpa-Informationen dem linksextremistischen Spektrum zugeordnet. An der Aufklärung soll das Bundesamt für Verfassungsschutz maßgeblich beteiligt gewesen sein.

Über mögliche Verbindungen der mutmaßlichen Täter zu sogenannten Vulkangruppen ist bisher nichts bekannt. Diese hatten den zweiten großen Brandanschlag auf Starkstromkabel in Berlin am 3. Januar für sich reklamiert. Der Anschlag hatte einen tagelangen Stromausfall zur Folge. Auch hier wird weiter intensiv nach den Tätern gefahndet.

GdP: Verdächtige bekannt – Nachweis der Taten sehr schwierig

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) teilte mit: „Die heutigen Durchsuchungen zeigen, dass wir jeden Hinweis mit höchster Priorität verfolgen. Wer unsere kritische Infrastruktur angreift, greift die Sicherheit unserer gesamten Stadt an. Das werden wir nicht hinnehmen.“ Die Sicherheitsbehörden handelten entschlossen, um die Hintergründe des Angriffs lückenlos aufzuklären.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) betonte: „Die Sicherheitsbehörden kennen die Protagonisten des harten Kerns. (...) Aber nach wie vor ist es unglaublich schwer, ihnen Brandanschläge wie den in Johannisthal oder Zehlendorf nachzuweisen.“ Das Landeskriminalamt (LKA) habe erfolgreich ermittelt, „um die heutigen Durchsuchungsbeschlüsse zu erwirken“.

Im Landeskriminalamt Berlin gibt es die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe „EG Spannung“.Sven Käuler/dpa

Im Landeskriminalamt Berlin gibt es die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe „EG Spannung“.Sven Käuler/dpa

© Sven Käuler/dpa

Anschlag auf Strommast und Starkstromkabel

Mutmaßliche Linksextremisten hatten am 9. September 2025 einen Brandanschlag auf einen Strommast verübt und Starkstromkabel weitgehend zerstört. In einem Bekennerschreiben im Internet war von einem Angriff auf den Technologiepark Adlershof und die dortigen Firmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen IT, Robotik, Bio- und Nanotechnologie, Raumfahrt sowie Sicherheits- und Rüstungsindustrie die Rede.

Anfangs waren rund 50.000 private und betriebliche Kunden der landeseigenen Stromnetz GmbH von dem Stromausfall betroffen. Bei den Firmen wurden nach Schätzungen Schäden zwischen 30 und 70 Millionen Euro verursacht.

Der Anschlag auf Stromleitungen zum Techpark Adlershof war im September 2025. (Archivbild)Julius-Christian Schreiner/dpa

Der Anschlag auf Stromleitungen zum Techpark Adlershof war im September 2025. (Archivbild)Julius-Christian Schreiner/dpa

© Julius-Christian Schreiner/dpa

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, sagte Anfang des Monats der dpa: „Gewalttaten und die Angriffe auf die Infrastruktur durch Linksextremisten nehmen seit einigen Jahren nicht unbedingt in der Zahl, aber sehr wohl an Intensität zu.“ Das zeigten etwa die Taten der sogenannten Hammerbande sowie die Brandanschläge auf die Stromversorgung und andere Infrastruktureinrichtungen.

Münch erklärte weiter: „Neben den Taten der sogenannten Vulkangruppen in Berlin und Brandenburg gibt es seit mehreren Jahren einen weiteren Schwerpunkt von Angriffen auf Infrastruktur im Großraum München.“ Relevant sei hier auch die militante linksextremistische Initiative „Switch off“, in deren Rahmen seit mehreren Jahren zu Sabotageakten aufgerufen werde.

Ein halbes Jahr nach dem Anschlag auf Stromleitungen zum Techpark Adlershof durchsucht die Polizei in Berlin Räume. (Archivbild)Bernd von Jutrczenka/dpa

Ein halbes Jahr nach dem Anschlag auf Stromleitungen zum Techpark Adlershof durchsucht die Polizei in Berlin Räume. (Archivbild)Bernd von Jutrczenka/dpa

© Bernd von Jutrczenka/dpa