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Plädoyers im Anschlagsprozess: Fokus auf Opfer-Schicksale

Nur eine Minute dauerte die Fahrt über den Weihnachtsmarkt. Der Todesfahrer beendete sechs Leben und verletzte Hunderte Menschen. Kurz vor Ende des Prozesses werden nochmal die Schicksale deutlich.

Von dpa

08.06.2026

Der Angeklagte verfolgt die Verhandlung aus einer Glaskabine heraus.Peter Gercke/dpa

Der Angeklagte verfolgt die Verhandlung aus einer Glaskabine heraus.Peter Gercke/dpa

© Peter Gercke/dpa

In den Schlussvorträgen im Prozess zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt sind nochmals die Schicksale einer Vielzahl von Betroffenen deutlich geworden. Mehrere Opferanwälte schilderten die Schicksale ihrer Mandanten und schlossen sich dem Antrag der Generalstaatsanwaltschaft an, den Todesfahrer zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen, die besondere Schwere der Schuld festzustellen und eine Sicherungsverwahrung anzuordnen.

Angeklagter machte aus Weihnachtsmarkt Ort der Angst

Dem Angeklagten wurde am 37. Verhandlungstag zum wiederholten Mal das Mikrofon abgestellt, weil er einer Anwältin ins Wort fiel. Im Verhandlungssaal im eigens errichteten Interims-Gerichtsgebäude waren zu den Plädoyers deutlich mehr Betroffene erschienen als in den vergangenen Monaten.

Die Rechtsanwältin Alexandra Tust sagte, der Angeklagte habe aus dem Weihnachtsmarkt als Ort der Begegnung, Freude und Sicherheit einen Ort der Angst gemacht. Niemand verstehe seine Motivation. Seine langen Ausführungen seien an Absurdität nicht zu überbieten. Ihm sei es um die Aufmerksamkeit gegangen. Die Anwältin verwies auf die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die ein psychiatrischer Gutachter dem Angeklagten bescheinigte. Der Todesfahrer hatte vor seiner Tat jahrelang als Psychiater im Maßregelvollzug für psychisch erkrankte Straftäter gearbeitete.

Anwältin Tust berichtete von einem zum Tatzeitpunkt sieben Jahre alten Jungen, der diverse Brüche unter anderem an Schädel und Becken erlitt. Er habe wochenlang nicht in die Schule gehen können. Ihr kleiner Mandant sei nur wenige Meter entfernt gewesen von dem getöteten Neunjährigen. Insgesamt sechs Menschen starben infolge der Tat, mehr als 300 wurden verletzt. 

Nebenklagevertreter beleuchten mehr als 100 Schicksale

Die Nebenklagevertreter Thomas Klaus und Petra Küllmei, die zusammen mehr als 100 Betroffene vertreten, beschrieben für jeden einzelnen Mandanten die Umstände, Verletzungen und Folgen der Tat. Eine Familie, die das erste Mal mit ihrem Neugeborenen draußen gewesen sei, ist darunter. Die Mutter habe ihr Baby aus dem Kinderwagen gerissen, um es in Sicherheit vor dem Fahrzeug des Angeklagten zu bringen. In den folgenden Monaten habe sich die Mutter zu Hause zurückgezogen.

Ein 15-Jähriger habe so extreme Verletzungen erlitten, dass sich sein Berufswunsch Berufskraftfahrer aus jetziger Sicht nicht erfüllen lasse. Andere Betroffene seien dauerhaft entstellt, körperlich und psychisch beeinträchtigt. Viele seien weiter in Therapie.

Am 20. Dezember 2024 bog der angeklagte Taleb Al-Abdulmohsen von einer Straße durch eine Lücke in Betonabsperrungen auf einen Fußweg auf den Weihnachtsmarkt ein. Teils sei der Fahrer mit dem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen in Schlangenlinien und mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen. Er war gleich nach der Tat festgenommen worden.

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