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Opferbeauftragte sieht Verbesserungsbedarf bei Datennutzung

Nach den Anschlägen von Halle und Magdeburg zieht Sachsen-Anhalts Landesopferbeauftragte Bilanz. Vieles habe sich bewährt - zugleich zeigt der Bericht Schwächen bei Betroffenendaten auf.

Von dpa

19.05.2026

Landesopferbeauftragte Gabriele Theren hat ihren Tätigkeitsbericht zu den Jahren 2020 bis 2025 vorgestellt. (Archivbild) Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Landesopferbeauftragte Gabriele Theren hat ihren Tätigkeitsbericht zu den Jahren 2020 bis 2025 vorgestellt. (Archivbild) Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Sachsen-Anhalts Landesopferbeauftragte Gabriele Theren sieht Verbesserungsbedarf beim Umgang mit Betroffenendaten nach Anschlägen und Gewalttaten. Probleme gebe es vor allem bei datenschutzrechtlichen Fragen sowie bei der Verfügbarkeit von Daten in Strafverfahren, heißt es im Tätigkeitsbericht der ehrenamtlichen Landesopferbeauftragten, den Theren der Landesregierung vorgelegt hat.

Dazu habe das Bundesjustizministerium inzwischen eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe eingerichtet. Hintergrund seien Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Rückblick auf Halle, Wolmirstedt und Magdeburg

Der Bericht blickt auf die Arbeit der Opferbeauftragten seit 2020 zurück. Im Mittelpunkt stehen unter anderem der Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019, die Gewalttat in Wolmirstedt 2024 sowie der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt am 20. Dezember 2024.

„Diese Ereignisse haben gezeigt, wie wichtig eine zentrale, schnell handlungsfähige Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige ist“, erklärte Theren. Nicht nur die unmittelbar Verletzten, sondern auch Angehörige, Zeugen und Einsatzkräfte trügen oft schwere und langanhaltende Belastungen davon - körperlich, psychisch und finanziell.

Theren betont in dem Bericht, dass die Zahl schwerer Gewalttaten zuletzt deutlich gestiegen sei. „Das Jahr 2024 wurde hingegen mehr als herausfordernd, denn die Gewalttaten nahmen - auch bundesweit - erheblich zu: Wolmirstedt, Solingen und letztlich Magdeburg“, schrieb sie.

Mehr als 370 Betroffene angeschrieben

Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt seien nach Angaben der Opferbeauftragten mehr als 370 Betroffene aktiv angeschrieben worden. Die Vielzahl der Betroffenen habe gezeigt, wie immens wichtig eine zentrale, proaktive Anlaufstelle sei, die den Menschen signalisiere: „Wir sehen Euch, wir hören Euch und wir lassen Euch nicht allein.“

Die Landesopferbeauftragte sieht das Hilfesystem des Landes insgesamt grundsätzlich gut aufgestellt. Die enge Vernetzung der beteiligten Stellen habe sich insbesondere nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt bewährt.

Justizministerin Franziska Weidinger (CDU) würdigte die Arbeit der Opferbeauftragten und ihrer Mitarbeiter. Die schrecklichen Ereignisse der vergangenen Jahre hätten gezeigt, wie wichtig eine zentrale Anlaufstelle für Opfer und Angehörige sei. Es sei „Pflicht des Staates“, Betroffenen zu helfen - das sei Ausdruck eines fürsorglichen Rechtsstaats.

Lob für neue Hilfen

Positiv bewertet die Landesopferbeauftragte im Bericht zudem die neuen Regelungen des Sozialgesetzbuches XIV, die seit 2024 gelten. Insbesondere die Einführung von Fallmanagern, Traumaambulanzen und schnelleren Hilfen hätten sich bewährt.