Nach Wahlerfolg: Wird Jan Bollinger neuer Oppositionsführer?
Rheinland-Pfalz hat gewählt. CDU und SPD werden künftig voraussichtlich zusammenarbeiten. Der Oppositionsführer kommt dann von der AfD und könnte Bollinger heißen.
Wird Jan Bollinger der neue Oppositionsführer? Andreas Arnold/dpa
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Jan Bollinger wird voraussichtlich die größte AfD-Fraktion in einem westdeutschen Landtag anführen. Der 49-Jährige aus dem Norden von Rheinland-Pfalz ist aus einem parteiinternen Machtkampf im AfD-Landesverband als Sieger hervor gegangen. 2022 übernahm er den Landesvorsitz von Michael Frisch und im Anschluss auch den Vorsitz der Landtagsfraktion.
Bei der Wahl zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl hatte er im vergangenen Sommer trotz zweier überraschender Gegenkandidaten 71,33 Prozent der Stimmen erreicht. Heute steht bei der ersten Sitzung der neu gewählten und deutlich stärkeren Fraktion die Wahl eines Vorsitzenden an. Bollinger bewirbt sich erneut für den Posten. Gegenkandidaten wurden im Vorfeld der Sitzung aber für wahrscheinlich gehalten.
Münzenmaier prägt den Landesverband stärker
Bollinger gibt sich meist freundlich und fröhlich. Im Wahlkampf allerdings nannte er CDU-Chef Gordon Schnieder bei einer öffentlichen Wahlsendung im SWR einen „lächerlichen Versager“. Als prägende Figur des Landesverbands gilt jedoch – stärker als Bollinger – sein Stellvertreter, der Bundestagsabgeordnete Sebastian Münzenmaier.
Als Wahlziel gaben beide 20 Prozent plus X aus und schafften 19,5 Prozent – deutlich mehr als doppelt so viel wie fünf Jahre zuvor (8,3 Prozent) und so viel wie nirgendwo sonst im Westen der Republik. Bollinger hatte angekündigt, eine AfD-geführte Landesregierung würde Ausreisegewahrsam und Abschiebehaft einführen und den Flughafen Hahn als Abschiebeflughafen zum nationalen Pilotprojekt machen – mit stündlichen Abschiebeflügen. Der Rundfunkstaatsvertrag würde sofort gekündigt, die Windkraft beendet und Rheinland-Pfalz in die Atomkraft einsteigen.
Bollinger übernahm 2022 den Landesvorsitz. Andreas Arnold/dpa
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Bollinger war Verwaltungsleiter in der Jugendhilfe
Bollinger hat Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre in Greifswald, Bonn und Koblenz studiert und in Kassel in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften promoviert. Er arbeitete als Unternehmensberater und einige Jahre als Verwaltungsleiter in der Jugendhilfe.
In die AfD trat Bollinger 2013 ein. Seit 2016 sitzt er für die Alternative für Deutschland im rheinland-pfälzischen Parlament. Die neue Stärke seiner Fraktion will er auch für Untersuchungsausschüsse nutzen.
Bollinger hört Metal und mag Nord- und Ostsee
Bollinger wurde in Koblenz geboren, ist in Neuwied aufgewachsen, wo er auch heute lebt. „Ich bin seit langer Zeit glücklich vergeben und verbringe natürlich auch gerne Zeit mit meiner Lebensgefährtin“, antwortet er auf die Frage nach Familie und Kindern.
Im Urlaub reise er gerne an Nord- und Ostsee. „Dort findet man eine herrliche und vielseitige Natur und Landschaft, viel Kultur, freundliche Menschen und angenehme Temperaturen.“ Er wandert aber auch gerne auf den Rheinhöhen am Mittelrhein oder ist in Rheinland-Pfalz unterwegs. Bollinger fährt gerne Rad und hält sich mit Sport fit. Er hört Rock sowie Metal, etwa von der Band Metallica. Lesen gehört nach eigenen Aussagen auch zu seinen Hobbys.