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Nadelkraut und Co.: Wie problematische Arten bekämpft werden

Nadelkraut wächst sogar auf Sand und bedroht seltene Lebensräume – warum das Entfernen invasiver Pflanzenarten oft eine echte Geduldsprobe ist.

Von Birgitta von Gyldenfeldt, dpa

26.09.2026

Eine Patentlösung zur Besitigung invasiver Pflanzenarten gibt es nicht.Frank Molter/dpa

Eine Patentlösung zur Besitigung invasiver Pflanzenarten gibt es nicht.Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Vor einigen Tagen hat das Landesamt für Umwelt (LfU) vor dem Ausbreiten des invasiven Nadelkrauts in Schleswig-Holsteins gewarnt. Doch nicht nur das Nadelkraut (Crassula helmsii), auch andere nichtheimische Pflanzenarten, breiten sich im Norden aus. Ein Überblick: 

Was sind invasive Arten überhaupt?

Nicht jede sogenannte gebietsfremde Art, also Pflanzen und Tiere, die ursprünglich nicht hier vorkamen, ist invasiv. Als invasiv wird eine Art nach Angaben des Umweltministeriums eingestuft, wenn sie in der Lage ist, sich außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes zu etablieren und zu vermehren und negative Auswirkungen erkennbar werden. 

So können sie laut LfU einheimische Arten und wertvolle Lebensräume beeinträchtigen, Schäden an Infrastruktur verursachen oder eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen. 

Welche Pflanzenarten sind besonders problematisch?

Laut LfU sind aus naturschutzfachlicher Sicht beispielsweise invasive Wasserpflanzen wie das Nadelkraut (Crassula helmsii) besonders problematisch. Sie können leicht unabsichtlich verbreitet werden und sind häufig nur mit umfangreichen Maßnahmen zu beseitigen. 

Nadelkraut stammt ursprünglich aus Australien und Neuseeland. Da es auch auf Sand wächst, gefährdet es die besonders seltenen und gesetzlich streng geschützten Lebensraumtypen der feuchten Dünentäler. 

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein weist zudem darauf hin, dass das Nadelkraut in Kleingewässern enorme Pflanzenmassen entwickeln kann, sodass Gewässer schnell zuwachsen und dadurch unter anderem als Lebensraum für Amphibien beeinträchtigt werden.

Problematisch sind nach Angaben von Experten auch Arten, die Nährstoffe im Boden anreichern, etwa die Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus). „Sie konkurrieren nicht nur direkt mit einheimischen Arten, sondern können wertvolle, nährstoffarme Lebensräume langfristig verändern“, sagt eine LfU-Sprecherin. 

Die Beseitigung des Staudenknöterichs ist schwierig.Frank Molter/dpa

Die Beseitigung des Staudenknöterichs ist schwierig.Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Invasive Staudenknöteriche (Reynoutria japonica, R. sachalinensis, R. x bohemica und Koenigia polystachya) können durch die Bildung großflächiger Einartbestände die einheimische Pflanzenwelt beeinträchtigen, sagt die LfU-Sprecherin weiter. Zugleich können sie erhebliche Schäden an baulichen Anlagen verursachen, etwa indem sie durch Wege oder Terrassen wachsen: „Ihre Beseitigung ist aufgrund der mehrere Meter tief reichenden Wurzeln sehr schwierig. Zudem können sich die Arten bereits über kleinste Pflanzenteile weiterverbreiten.“

Gibt es noch weitere problematische Arten im Norden?

Ja. Auch der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist demnach ungern gesehen. Er breitet sich in Schleswig-Holstein stark über Gewässer aus. „Neben den negativen Auswirkungen auf den Naturschutz besteht bei dieser Art auch eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. Beim Kontakt ist daher auf einen ausreichenden Schutz zu achten“, teilt das LfU mit.

Bei der Entfernung des Riesenbärenklaus muss man vorsichtig sein (Archivbild).Frank Molter/dpa

Bei der Entfernung des Riesenbärenklaus muss man vorsichtig sein (Archivbild).Frank Molter/dpa

© Frank Molter/dpa

Beispielsweise die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, aber auch der Kreis Nordfriesland beschäftigen sich zusätzlich unter anderem mit der Kartoffelrose (Rosa rugosa), die vor allem geschützte Dünen- und Trockenrasenlebensräume an der Küste überwachsen kann.

Eine Herausforderung ist, dass kleine Erstbestände oftmals unauffällig sind, wie Experten betonen. „Ein Vorkommen wird häufig erst bemerkt, wenn sich bereits größere und auffällige Einartbestände gebildet haben“, verdeutlicht die LfU-Sprecherin.

Wie werden die invasiven Arten bekämpft?

 Das kommt auf die jeweilige Pflanzenart, den betroffenen Lebensraum, die Größe des Bestandes und die Bedingungen vor Ort an. Dabei kann es laut LfU um die vollständige Beseitigung, die Kontrolle oder die Eindämmung eines Bestandes gehen.

„Eine Patentlösung gibt es nicht“, sagt die Sprecherin der Stiftung Naturschutz. Beim Staudenknöterich kommen beispielsweise - je nach Standort - Beweidung, Ausgraben, Abdecken oder wiederholtes Mähen infrage. Die Niedersächsischen Landesforsten testen eigenen Angaben zufolge die Bekämpfung der Pflanze mit Strom.

Beim Riesen-Bärenklau kann Ganzjahresbeweidung Bestände in Schach halten; insbesondere größere Bestände an Fließgewässern erfordern dagegen in der Regel eine manuelle Bekämpfung. 

Sieht schön aus, ist aber nicht überall gerne gesehen - die Kartoffelrose (Archivbild).Hauke-Christian Dittrich/dpa

Sieht schön aus, ist aber nicht überall gerne gesehen - die Kartoffelrose (Archivbild).Hauke-Christian Dittrich/dpa

© Hauke-Christian Dittrich/dpa

Auf der Insel Sylt werden Kartoffelrosen zunächst entfernt und die gerodeten Areale über zwei bis drei Jahre mit Geotextil abgedeckt, um das Aufkeimen neuer Triebe nachhaltig zu verhindern, wie der Kreis Nordfriesland mitteilt. Auch andernorts an der Nord- und Ostseeküste wird dieses Verfahren angewandt.

Grundsätzlich gilt: „Je früher problematische Bestände erkannt werden, desto besser“, sagt die Sprecherin der Stiftung Naturschutz. „Haben invasive Pflanzen erst große Dominanzbestände gebildet, kann ihre Zurückdrängung sehr aufwendig werden.“

Was können Gartenbesitzer tun, wenn diese Pflanzen bei ihnen wächst?

 „Wir empfehlen, invasive Pflanzen nicht neu im Garten anzupflanzen und vorhandene Bestände möglichst fachgerecht zu entfernen“, sagt die Sprecherin der Stiftung Naturschutz. Das gelte auch dann, wenn eine Pflanze attraktiv blüht oder von Insekten besucht wird. Der Grund: „Dass Insekten an den Blüten einer gebietsfremden Pflanze Nektar aufnehmen, bedeutet nicht automatisch, dass die Art einen hohen ökologischen Wert besitzt.“

„In jedem Fall sollte verhindert werden, dass sich die Pflanzen weiter ausbreiten“, sagt die LfU-Sprecherin. Eine Möglichkeit der Eindämmung ist demnach beispielsweise, Blütenstände nach dem Verblühen, aber noch vor der Samenreife, zu entfernen. 

Bei Arten, die sich über Wurzelausläufer vermehren, wie beispielsweise der Götterbaum, sollten auch diese Ausläufer regelmäßig entfernt werden. In der Regel sind außerdem mehrjährige Nachkontrollen notwendig, um sicherzustellen, dass eine Art tatsächlich erfolgreich beseitigt wurde.

Wichtig: Einige dieser Neophyten werden auf einer EU-Liste geführt. Sie unterliegen einem Handels- und Besitzverbot. Das bedeutet auch: Die Bestände aus dem eigenen Garten müssen entfernt werden.

Wie werden die Pflanzenreste am besten entsorgt?

Pflanzenreste invasiver Arten sollten keinesfalls in der freien Landschaft oder als Gartenabfall in der Natur entsorgt werden. Auch auf dem eigenen Kompost können insbesondere keimfähige Samen oder regenerationsfähige Wurzel- und Sprossteile problematisch sein. Aus Vorsichtgründen sollten daher alle Bestandteile invasiver Pflanzen über den Restmüll entsorgt werden, rät das LfU.

Eine Patentlösung zur Besitigung invasiver Pflanzenarten gibt es nicht.Frank Molter/dpa

Eine Patentlösung zur Besitigung invasiver Pflanzenarten gibt es nicht.Frank Molter/dpa

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