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Nach Holsteins Kiels Rettung: Was wird aus Trainer Walter?

Trainer Tim Walter sichert Holstein Kiel vorzeitig den umjubelten Zweitliga-Verbleib. KSV-Sportchef Olaf Rebbe sieht keinen Grund zur Euphorie. Offen ist auch noch Walters Zukunft.

Von Andreas Geidel, dpa

03.05.2026

Kieler Jubel nach dem Klassenerhalt.Gregor Fischer/dpa

Kieler Jubel nach dem Klassenerhalt.Gregor Fischer/dpa

© Gregor Fischer/dpa

Größer hätte der Kontrast am Samstag kaum sein können. Ausgelassen bejubelte der Anhang des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel den 2:0-Heimsieg gegen Eintracht Braunschweig. Mit dem vierten Sieg in Folge hatten die Störche gerade den Klassenverbleib zwei Spieltage vor dem Saisonende perfekt gemacht. Im Mittelpunkt der Ovationen stand Phil Harres (24), der mit seinem Doppelpack (31. und 87. Minute) den sonnigen Frühjahrsnachmittag gekrönt hatte.

Kieler Mann des Spiels: Doppel-Torschütze Phil Harres. Gregor Fischer/dpa

Kieler Mann des Spiels: Doppel-Torschütze Phil Harres. Gregor Fischer/dpa

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In den Katakomben des Holstein-Stadions übte sich derweil Olaf Rebbe in der Rolle der professionellen Spaßbremse. „Es gibt jetzt keinen Grund zur Euphorie, weil wir nicht abgestiegen sind. Wir hatten und haben andere Ansprüche“, sagte der KSV-Sportchef fast provozierend nüchtern - ungeachtet des verspäteten Geschenks einen Tag nach seinem 48. Geburtstag.

Nach Wochen der nackten Angst die große Befreiung

Die noch nicht lange zurückliegenden Wochen der nackten Angst als Folge einer zu naiv auf Entwicklung ausgerichteten Kaderplanung, großen Verletzungspechs und schleichender Verunsicherung schienen zumindest an diesem Samstag vergessen: Als die Kieler nach einem 2:3 gegen den 1. FC Nürnberg noch am 14. März auf Abstiegsrang 17 lagen. Als der sportliche Absturz von einem Jahr Bundesliga-Abenteuer direkt in Liga drei drohte.

Was dann folgte, waren sechs Partien ohne Niederlage mit fünf Dreiern. Eine beeindruckende Ausbeute, mit der sich der abseits des Rasens bisweilen polarisierende Energiespender Tim Walter endgültig den Titel „Retter der Störche“ sicherte.

Erfolgsfaktor Tim Walter

Direkt nach dem Abpfiff ließ der 50 Jahre alte Coach, der am 25. Februar den am Ende glücklosen Erstliga-Aufstiegstrainer Marcel Rapp abgelöst hatte, seinen Emotionen freien Lauf, riss die Arme in die Höhe, schleuderte seine Wasserflasche in den wolkenlosen Himmel und herzte alle Spieler und Staff-Mitglieder. 

Kiels Retter: Trainer Tim Walter.Gregor Fischer/dpa

Kiels Retter: Trainer Tim Walter.Gregor Fischer/dpa

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Später lobte Walter den Charakter seiner Mannschaft, die Lernbereitschaft seiner „wirklich tollen Jungs. Ich bin sehr stolz, dass sie es heute gewuppt haben. Aber wir haben noch zwei Spiele. Und die wollen wir auch gewinnen.“ Die nahe Zukunft könnte im Optimalfall in der Einstellung des vereinsinternen Zweitliga-Rekordes von sechs Siegen in Serie münden.

Walters Zukunft entscheidet sich nach dem letzten Spieltag

Wie es mit ihm selbst weitergeht, ließ der in der Nähe Münchens wohnende Coach dagegen offen. Kiel sei für ihn eine Art zweite Heimat, in der er seit seiner ersten Amtszeit in Diensten der Störche in der Serie 2018/19 „sehr, sehr gute Freunde“ um sich wisse. Doch sein Vertrag endet am 30. Juni. „Ausgeschlossen ist nichts“, meinte der Ex-HSV-Trainer auf die Frage nach einer möglichen Verlängerung seines Engagements.

Auch Rebbe blieb bei der offiziellen Version: „Wir haben verabredet, nach Abschluss der Saison miteinander zu sprechen. Und das werden wir auch so machen.“ Sein Nachsatz indes ähnelte einem dezenten Hinweis, der dem mehrheitlichen Wunsch des Kieler Fußball-Volkes entspricht: „Scheinbar haben wir mit dem Trainerwechsel die richtige Entscheidung getroffen.“

Nächste Saison auf der Baustelle Holstein-Stadion

Im Spätsommer rücken die Bagger an, um im Rahmen des mit gut 70 Millionen Euro veranschlagten Um- und Ausbaus des Holstein-Stadions die ersten Tribünen abzureißen. Die Aussicht, Heimspiele über Jahre auf einer Baustelle bestreiten zu müssen, dürfte die Vorfreude des bedingungslos auf sportlichen Erfolg gepolten Trainers trüben. Ein Fakt, der die „Liebesbeziehung“ zwischen Walter und Holstein Kiel auf eine harte Probe stellt.

Die Spieler von Holstein Kiel jubeln bei ihrem Sieg gegen Eintracht Braunschweig.Gregor Fischer/dpa

Die Spieler von Holstein Kiel jubeln bei ihrem Sieg gegen Eintracht Braunschweig.Gregor Fischer/dpa

© Gregor Fischer/dpa

Geschafft! Die Spieler von Holstein Kiel nach dem Klassenerhalt in der zweiten Liga.Gregor Fischer/dpa

Geschafft! Die Spieler von Holstein Kiel nach dem Klassenerhalt in der zweiten Liga.Gregor Fischer/dpa

© Gregor Fischer/dpa

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