Merz besucht Forscher in Oderstadt – OB vermisst Gespräch
Bundeskanzler Merz besuchte ein Hightech-Forschungsinstitut in Frankfurt (Oder). Warum es enttäuschte Reaktionen beim Oberbürgermeister und in der eigenen Partei gibt.
Kanzler Merz informierte sich in Frankfurt (Oder) über Spitzenforschung und Mikrochips.Soeren Stache/dpa
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Der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einem Leibniz-Forschungsinstitut in Frankfurt (Oder) hat Irritationen bei der Stadtspitze und an der CDU-Basis vor Ort ausgelöst. Er hätte dem Kanzler gern noch eine andere Seite der Stadt gezeigt und darüber gesprochen, was die Stadt und die Menschen bewege, sagte Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos) bei Instagram und nannte unter anderem die aktuelle Jugendgewalt in Frankfurt (Oder) als Beispiel.
Er bedauerte, dass es nicht zu einem Gespräch gekommen sei. „Technologischer Fortschritt und ein funktionierendes Gemeinwesen gehören zusammen. Beides verdient die Aufmerksamkeit der Bundesregierung“, so Strasser.
Enttäuschung bei CDU vor Ort
Auch der CDU-Kreisverband reagierte enttäuscht. Die „Märkische Oderzeitung“ zitiert die CDU-Kreisvorsitzende Désirée Schrade, wonach die CDU vor Ort nicht informiert gewesen sei vom Besuch des Kanzlers. „Es wäre wichtig, der Mitgliedschaft zu signalisieren, dass man sie sieht und wertschätzt (...).“
Stadtoberhaupt Strasser war bei dem Kanzler-Besuch im Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik am Vormittag nicht dabei. Die Leibniz-Forschungsgemeinschaft hatte Merz nach eigenen Angaben bereits im Februar eingeladen. Eine Einladung an Strasser habe es nicht gegeben, so ein Sprecher. Das Bundespresseamt war am Nachmittag angefragt, es reagierte bislang nicht auf die Kritik.
Strasser: Ein kurzes Gespräch hätte gereicht
Oberbürgermeister Strasser schrieb bei Instagram: „Wer wissen will, wie politische Entscheidungen im Alltag wirken, sollte auch mit denen sprechen, die sie vor Ort umsetzen müssen.“ Er klagte über wachsende Aufgaben der Kommunen, ohne dass ihre Finanzierung gesichert sei. Viele Entscheidungen, deren Folgen vor Ort zu tragen seien, würden woanders getroffen.
Frankfurts Oberbürgermeister Axel Strasser (parteilos) schreibt bei Instagram, dass er sich ein Gespräch mit dem Kanzler gewünscht hätte. Friedrich Merz besuchte am Vormittag ein Leibniz-Forschungsinstitut in Frankfurt (Oder). Patrick Pleul/dpa
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Strasser nannte als aktuelle Themen der Stadt etwa Jugendgewalt, Fragen von Migration und gesellschaftliche Spannungen, aber auch fehlendes Personal an Schulen, die ärztliche Versorgung, Pflege und Bürokratie. „Ich hätte dem Kanzler davon gern persönlich berichtet. Ein kurzes Gespräch hätte für einen ersten Eindruck gereicht. Leider kam es dazu nicht.“
OB Strasser nutzt KI-Bild bei Instagram
Der Instagram-Beitrag beginnt mit den Worten: „Der Kanzler war da. Irgendwie.“ Zu sehen ist auch ein mit Künstlicher Intelligenz (KI) erzeugtes Bild, auf dem in Anspielung auf Merz eine Person in Umrissen zu sehen ist. Am Ende heißt es: „Die Einladung steht.“
Wissenschaftler an dem Leibniz-Institut zeigten dem Kanzler am Vormittag die Produktion innovativer Mikrochips aus Silizium, die in der Industrie Anwendung finden. „Unsere Forschung ist international spitze. Wir können mithalten“, sagte Merz.