WM 2026

Lehren aus WM-Spieltag eins: Im Zweifel lieber Remis

Die ersten 24 von 104 Spielen sind bei der Fußball-WM absolviert. Was ist bisher aufgefallen? Von der größeren Vorsicht, beachtlichen Außenseitern und Superstars, die reihenweise treffen.

Von Patrick Reichardt, dpa

18.06.2026

Mit dem 0:0 zwischen Spanien und Kap Verde hätte kaum einer gerechnet.Wang Kaiyan/XinHua/dpa

Mit dem 0:0 zwischen Spanien und Kap Verde hätte kaum einer gerechnet.Wang Kaiyan/XinHua/dpa

© Wang Kaiyan/XinHua/dpa

Kap Verdes Torwartheld Vozinha wird zum Social-Media-Phänomen, Lionel Messi trägt sich in die Fußball-Geschichtsbücher ein und die DFB-Elf erinnert an Brasilien 2014: Der erste Spieltag der XXL-WM in den USA, Kanada und Mexiko hat viele Geschichten geliefert. Welche Lehren ergeben sich aus den 24 absolvierten Partien der ersten WM-Woche - und wer stach heraus?

Remisflut

So einen WM-Spieltag wie am Montag gab es zuletzt vor 68 Jahren, als vier Remis aufeinanderfolgten. Ziemlich überraschend trennten sich zunächst Ex-Weltmeister Spanien und Außenseiter Kap Verde 0:0, es folgten das 1:1 zwischen Belgien und Ägypten, das 1:1 zwischen Saudi-Arabien und Uruguay sowie das 2:2 zwischen Iran und Neuseeland.

Wie selten das ist, zeigte eine FIFA-Statistik: Einen solchen Spieltag hatte es in der Turnierhistorie zuvor nur am 15. Juni 1958 gegeben. Allgemein fiel der Trend zum Remis am ersten Spieltag auf. Auch die Schweiz (1:1 gegen Katar), Kanada (1:1 gegen Bosnien-Herzegowina) und die Niederlande (2:2 gegen Japan) kamen trotz ihrer Favoritenrolle nicht über einen Punkt hinaus.

Die vielen Unentschieden könnten auch im neuen Modus der erstmals auf 48 Teams aufgestockten WM begründet sein. In die Runde der besten 32 kommen nicht nur die zwölf Gruppensieger und die zwölf Zweiten, sondern auch die acht besten Dritten. Der Quervergleich verschiedener Gruppen führt verstärkt zu taktischen Spielereien, wie die Europameisterschaften 2016, 2021 und 2024 bereits belegten.

Und noch ein Remis: Die Niederlande und Japan spielten 1:1.Sam Hodde/AP/dpa

Und noch ein Remis: Die Niederlande und Japan spielten 1:1.Sam Hodde/AP/dpa

© Sam Hodde/AP/dpa

Stars liefern

Die ganz großen Namen sind in Form - und haben den ersten Spieltag mit ihren Toren geprägt. Lionel Messi zog mit einem Dreierpack beim 3:0 seiner Argentinier gegen Algerien mit Miroslav Klose als erfolgreichster WM-Torschütze gleich. Beide haben nun 16 Tore. Norwegens Stürmerstar Erling Haaland feierte einen WM-Start nach Maß, er traf in seiner ersten Partie beim 4:1 gegen den Irak direkt zweimal.

Auch der französische Topstar Kylian Mbappé (3:1 gegen Senegal) und Englands Kapitän Harry Kane (4:2 gegen Kroatien) erzielten jeweils Doppelpacks. Brasiliens Vinicius Junior bewahrte den Rekord-Weltmeister mit seinem Treffer beim schwungvollen 1:1 gegen Geheimfavorit Marokko vor einer Pleite zum Auftakt. Ohne Tor blieb Spaniens Lamine Yamal, der nach einer Verletzung erst spät eingewechselt wurde.

Haaland traf beim WM-Debüt doppelt.Charles Krupa/AP/dpa

Haaland traf beim WM-Debüt doppelt.Charles Krupa/AP/dpa

© Charles Krupa/AP/dpa

Marciniak, Messi und der ausbleibende Platzverweis

Ein paar Debatten gab es nach dem Eröffnungsspiel über die drei Platzverweise, ansonsten waren die Leistungen der Unparteiischen in den ersten WM-Tagen auf ordentlichem bis gutem Niveau. Doch die umstrittenen Entscheidungen häuften sich. Zum Beispiel, als Mbappé einen Elfmeter gegen den Senegal nicht erhielt. TV-Experte Thomas Müller nannte dies bei MagentaTV „skandalös“

Größter Aufreger war eine Szene von Weltmeister Messi, der ein paar Minuten nach seinem ersten Treffer ein grobes Foul gegen Aissa Mandi beging und ohne Verwarnung davonkam.

„Für mich ist das eine Rote Karte. Wir haben diverse Beispiele aus der Bundesliga, wo das mit Rot bestraft wurde“, sagte der frühere Bundesliga-Schiedsrichter und TV-Experte Patrick Ittrich bei MagentaTV. 

Hätte Polens Referee Szymon Marciniak den Superstar vom Platz gestellt, hätte dieser sein zweites und drittes Tor nicht mehr erzielen können. Schon vor vier Jahren hatte Messi großes Glück, dass er beim hitzigen Viertelfinale gegen die Niederlande in einer Szene ohne Verwarnung davonkam, als er den Ball vollkommen offensichtlich mit der Hand mitgenommen hatte. Später im Spiel sah er dann Gelb.

Drei Tore, aber auch Glück: Messi hätte Rot sehen können.Tom Weller/dpa

Drei Tore, aber auch Glück: Messi hätte Rot sehen können.Tom Weller/dpa

© Tom Weller/dpa

TV-Quoten

ARD und ZDF haben quotentechnisch einen starken Start hingelegt. Das 7:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Debütant Curaçao verfolgten laut AGF Videoforschung im Schnitt 23,427 Millionen Menschen im Ersten. Damit war die Quote nicht nur besser als zum Auftakt der Heim-EM vor zwei Jahren (22,49 Millionen), sondern auch deutlich besser als beim ersten WM-Spiel 2022 in Katar. Damals sahen zur Nachmittagszeit 9,23 Millionen Menschen zu.

Parallel zu dem öffentlich-rechtlichen Sender übertrug auch MagentaTV die Partie in Houston.

Das Eröffnungsspiel Mexiko gegen Südafrika vor einer Woche stieß ebenfalls auf großes Interesse. 10,038 Millionen Zuschauer sahen beim Auftakt in Mexiko-Stadt im ZDF zu. Insgesamt zeigen ARD und ZDF je 30 Spiele. Die übrigen 44 Partien laufen exklusiv bei MagentaTV.

Die TV-Sender verbuchten gute Quoten zum WM-Start.Federico Gambarini/dpa

Die TV-Sender verbuchten gute Quoten zum WM-Start.Federico Gambarini/dpa

© Federico Gambarini/dpa

Außenseiter überraschen

Die Erweiterung des Teilnehmerfelds von 32 auf 48 Nationen verwässert den sportlichen Wettbewerb - das war eines der Kernargumente derjenigen, die die Aufstockung kritisch beurteilen. In Debütant Curaçao und Tunesien (1:5 gegen Schweden) gab es zwar vereinzelt Beispiele für diese These, doch die meisten Außenseiter schlugen sich beachtlich - oder überraschten sogar wie Kap Verde, das sensationell eine Nullnummer gegen Europameister Spanien schaffte.

Zudem siegte Australien unerwartet 2:0 gegen die als Geheimfavorit gehandelte Türkei. Der frühere WM-Gastgeber Katar trotzte der Schweiz ein Remis ab. Und auch Haiti sah beim 0:1 gegen Schottland zumindest ordentlich aus - und blieb nicht chancenlos. Für einen echten Coup sorgte die Demokratische Republik Kongo, die gegen Mitfavorit Portugal mit Cristiano Ronaldo ein 1:1 erkämpfte.

Australien überraschte beim WM-Auftakt.Ethan Cairns/The Canadian Press/AP/dpa

Australien überraschte beim WM-Auftakt.Ethan Cairns/The Canadian Press/AP/dpa

© Ethan Cairns/The Canadian Press/AP/dpa