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Kuba-Ara und Kunst - Museen und ihre verborgenen Schätze

Viele Museen in Hessen haben weitaus mehr Exponate, als sie ausstellen können: Welche Schätze liegen im Fundus? Und wie viel Aufwand wird betrieben, diese dauerhaft zu erhalten?

Von dpa

31.07.2026

Der Kuba-Ara ist seit mehr als 150 Jahren ausgestorben Boris Roessler/dpa

Der Kuba-Ara ist seit mehr als 150 Jahren ausgestorben Boris Roessler/dpa

© Boris Roessler/dpa

In Hessens Museen gibt es viel zu sehen. Doch oftmals ist es nur ein kleiner Teil aus den Sammlungen. In Depots lagern Schätze wie eine Schimpansenfamilie von 1908, oder ein leerer Bilderrahmen von van Gogh. Was bleibt dem Publikum verborgen? Und was ist bei der Lagerung der Objekte zu beachten? Beispiele aus verschiedenen Häusern.

„Depot ist wie eine Herzkammer“

„Das Depot ist wie eine Herzkammer, die immer wieder frisches Blut in die Ausstellung pumpt“, sagt Justus Lange, Leiter der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel. Das Depot sei ein Fundus, aus dem man schöpfen könne, indem man etwa Stücke in einer Ausstellung austausche. „Es ist immer auch ein Ort, an dem neue Ausstellungen entstehen, der Impulse gibt für immer neue Ideen.“

Die Gemäldegalerie Alte Meister im Schloss Wilhelmshöhe bietet einen Überblick über die europäische Malerei von der Spätgotik bis zum Klassizismus. (Archivbild)Nicole Schippers/dpa

Die Gemäldegalerie Alte Meister im Schloss Wilhelmshöhe bietet einen Überblick über die europäische Malerei von der Spätgotik bis zum Klassizismus. (Archivbild)Nicole Schippers/dpa

© Nicole Schippers/dpa

Die Gemäldegalerie umfasse mehr als 2.000 Gemälde. Rund 500 davon würden ausgestellt, 1.500 nicht oder an anderen Orten gezeigt. Alle Werke im Bestand seien in einer Onlinedatenbank erfasst. Überprüft werde das Depot mehrfach im Monat. „Wir gehen durch und gucken, ob alles in Ordnung ist.“ Wichtig sei ein stabiles Klima, also eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Auch Staub werde regelmäßig gewischt.

Städel hat leeren Bilderrahmen von van Gogh im Depot

Im Depot das Frankfurter Städel werden rund 3.000 Gemälde und Skulpturen sowie mehr als 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken gelagert. „Ein besonders außergewöhnliches Exponat ist der originale, leere Bilderrahmen des Gemäldes „Bildnis des Dr. Gachet“ von Vincent van Gogh“, sagte eine Sprecherin. Die Kunstwerke werden demnach in speziellen Depots gelagert, die klimatisiert und dunkel sind. 

Die Städel Sammlung sei nahezu vollständig digitalisiert. „Dadurch sind die Daten jederzeit verfügbar und können für die wissenschaftliche Forschung, den internationalen Austausch mit anderen Museen sowie für Kooperationen genutzt werden“, heißt es. Etwa 1.000 Werke aus der Sammlung werden in den Dauerausstellungen des Städel präsentiert. Zudem werden in diesem Jahr rund 230 Werke für 66 Ausstellungen weltweit verliehen - darunter waren etwa Zeichnungen von Raphael an das Metropolitan Museum New York.

Museum Wiesbaden holt Schimpansen und Huhn aus dem Depot

Das Landesmuseum Wiesbaden hat in seiner Kunstsparte etwa 12.500 Werke im Depot, bei der naturhistorischen Sammlung sind es 1,2 Millionen Objekte. „Das reicht natürlich von einzelnen Insekten und Mineralien bis zu großen Präparaten“, erläutert eine Sprecherin. 

Das präparierte Hammerhuhn ist mehr als 150 Jahre alt Bernd Fickert/Museum Wiesbaden/dpa

Das präparierte Hammerhuhn ist mehr als 150 Jahre alt Bernd Fickert/Museum Wiesbaden/dpa

© Bernd Fickert/Museum Wiesbaden/dpa

Für die Ausstellung „Brutpflege - Liebe ohne Worte“ seien bis auf ein Objekt - eine Froschleiter - alle anderen dem Depot entnommen worden - darunter eine Schimpansenfamilie von 1908 und ein Hammerhuhn von 1875. „Das wir so gut erhaltene Präparate am Haus haben, liegt natürlich daran, dass unsere Depotverwalterin und auch ihre Vorgänger auf gute Lagerbedingungen geachtet haben.“

Keltenwelt und Römerkastell wählt Objekte gezielt aus

Auch in der Keltenwelt am Glauberg und im Römerkastell Saalburg ist nur ein Teil des Fundmaterials zu sehen. Nicht jeder Fund sei für eine Ausstellung geeignet, erklärt ein Sprecher. So könnten etwa fragile Funde aus Schutzgründen nicht ausgestellt werden. „Nicht jedes Stück eignet sich zudem als Repräsentant einer Fundkategorie. Nicht jedes Objekt kann die an es gerichteten Fragen gleich gut beantworten“, sagt er. Zudem werde eine übermäßige Anzahl ähnlicher Objekte in einer Ausstellung vermieden.

Nicht ausgestellte Funde werden demnach unter fachgerechten Bedingungen gelagert, die je nach Materialeigenschaften variieren. Besonders empfindliche Funde lagerten in speziell klimatisierten Bereichen. Ihr Zustand werde regelmäßig überwacht. Auch außerhalb der Ausstellung blieben die Objekte zugänglich. Sie stünden der Wissenschaft zur Verfügung, würden an andere Museen verliehen und seien teilweise publiziert oder digital veröffentlicht.

Senckenberg hat mehr als 40 Millionen Objekte in Sammlung

Im Frankfurter Senckenberg Naturmuseum, das 1821 eröffnet wurde, werden um die 11.000 Exponate gezeigt. In den wissenschaftlichen Sammlungen lagern mehr als 40 Millionen Objekte - darunter rezente und fossile Tiere und Pflanzen, Gesteine und Mineralien. Diese befinden zum größten Teil in Frankfurt, aber auch in Städten wie Dresden und Görlitz. Bei Sonderausstellungen wird auf die Stücke zurückgegriffen, die sonst der Forschung dienen. 

Präparate dieser Kuba-Ara gibt es nur noch sehr wenige weltweitBoris Roessler/dpa

Präparate dieser Kuba-Ara gibt es nur noch sehr wenige weltweitBoris Roessler/dpa

© Boris Roessler/dpa

Ein Beispiel: In einer Schublade eines alten Holzschranks liegt ein sehr alter ausgestopfter Kuba-Ara. „Diese Art ist um 1870 ausgestorben“, sagt Gerald Mayr, Leiter der Ornithologie. Laut Senckenberg sind etwa 15 Prozent der Sammlungen digitalisiert - in öffentlich zugänglichen Datenbanken. Dabei werde auch KI eingesetzt, etwa bei der automatisierten Erkennung alter Etiketten.

Universalmuseum mit riesiger Sammlung in Darmstadt

Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt ist ein Universalmuseum und zeigt Kunst, Technik, Paläontologie, zoologische Präparate und mehr. „Tatsächlich kann nur ein Teil der Objekte des Landesmuseums dauerhaft in der Ausstellung präsentiert werden“, sagt eine Sprecherin. Der weitaus größte Teil der Sammlung - etwa 90 Prozent - werde demnach in Depots aufbewahrt

Das Aufbewahren erfordere einen erheblichen Aufwand. „Die Depots verfügen über kontrollierte klimatische Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie geeignete Verpackungs- und Lagersysteme“, sagte die Sprecherin. „Hinzu kommen Maßnahmen zum Schutz vor Schädlingsbefall, Brandschutz, Sicherheitsvorkehrungen sowie eine sorgfältige digitale Inventarisierung.“

Das Städel hat einen leeren Bilderrahmen von van Gogh im DepotHannes P Albert/dpa

Das Städel hat einen leeren Bilderrahmen von van Gogh im DepotHannes P Albert/dpa

© Hannes P Albert/dpa