Kliniken setzen bei Sprachbarrieren auf Dolmetschdienste
Immer mehr Patientinnen und Patienten sprechen kaum Deutsch – im Klinikalltag wird das zur Herausforderung. Einige Häuser in Sachsen-Anhalt gehen neue Wege.
Fehlende Verständigung kann den Ablauf verzögern – professionelle Sprachmittlung soll Zeit sparen und Sicherheit erhöhen.David Hammersen/dpa
© David Hammersen/dpa
Um Sprachbarrieren im Klinikalltag zu überwinden, setzen einige Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt verstärkt auf technische Lösungen – etwa professionelle Dolmetschdienste. Im Carl-von-Basedow-Klinikum Saalekreis wird dazu ein telefonisches Dolmetschangebot genutzt, das eine Verständigung zwischen medizinischem Personal und Patientinnen und Patienten ermöglichen soll.
Schnelle Hilfe per Telefon
„Die Dauer, bis man jemanden am Telefon hat, beträgt durchschnittlich 30 Sekunden“, sagt Marthe Hammer, Geschäftsführerin des gemeinnützigen Dienstes Triaphon. Nach ihren Angaben sind schätzungsweise rund fünf Prozent der Patientinnen und Patienten auf Sprachmittlung angewiesen.
Gerade in Akutsituationen kann fehlende Verständigung zum Problem werden. „Der Extremfall ist, dass ich nicht in der Lage wäre, mit jemandem sehr, sehr schnell zu klären, ob er sich oder andere gefährden kann“, sagt Bettina Wilms, Chefärztin der psychiatrischen Klinik im Carl-von-Basedow-Klinikum.
Magdeburg, Dessau, Halle - Improvisation und neue Lösungen
Viele Kliniken greifen bislang auf improvisierte Lösungen zurück, etwa mit mehrsprachigem Personal oder Angehörigen. Andere Häuser setzen auf unterschiedliche Ansätze.
Am Universitätsklinikum Magdeburg etwa gehört die Verständigung mit fremdsprachigen Patientinnen und Patienten zum Alltag. Im Klinikum Dessau sollen Smartphones mit Übersetzungsfunktionen helfen und in Halle kommen Dolmetschdienste und digitale Systeme zum Einsatz.
Mensch statt Maschine
Der telefonische Dolmetschdienst ermögliche eine schnelle Unterstützung im Alltag. „Es ist eine ziemlich direkte und zeitnahe Kommunikation mit Menschen möglich, mit denen wir ansonsten noch sehr, sehr viel schwerer kommunizieren können“, sagt Chefärztin Wilms. Technische Lösungen wie KI-gestützte Übersetzungen sieht sie dagegen kritisch, da dabei wichtige Nuancen verloren gehen können.
Offene Finanzierungsfrage
Ein Problem bleibt die Finanzierung. „Für solche Alltagsthemen extra auf einen Dolmetscher zu warten, ist weder effizient noch hilft es dem Patienten“, sagt Wilms. Die Kosten müssten die Kliniken bislang selbst tragen. Krankenkassen verwiesen oft darauf, dass sie dafür formal nicht zuständig seien.