Jungheinrich schließt Produktion in Lüneburg
Nach einem langen Arbeitskampf steht die Entscheidung: Jungheinrich stellt die Produktion in Lüneburg ein. Ein Sozialpaket ist vereinbart, doch die Kritik an der Entscheidung bleibt.
Der Logistikdienstleister Jungheinrich hat nach eigenen Angaben mehr als 8.200 Beschäftigte in Deutschland. (Archivbild)Marcus Brandt/dpa
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Der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich stellt seine Produktion in Lüneburg bis Ende März 2027 ein. Für die 160 Beschäftigen, deren Jobs wegfallen, einigten sich Unternehmen und die IG Metall nach langem Ringen auf einen Interessenausgleich, einen Sozialplan und einen Sozialtarifvertrag, wie die Gewerkschaft mitteilte. Das Unternehmen bestätigte die Einigung. Geregelt sind unter anderem Abfindungen sowie die Einrichtung einer Transfergesellschaft.
Die IG Metall bezeichnete das Ergebnis als substanziell, hält die Schließung des Werks jedoch weiterhin für einen Fehler. „Wir sprechen bei Jungheinrich in Lüneburg nicht über einen Sanierungsfall, sondern über die Aufgabe einer profitablen Produktion“, sagte Lennard Aldag von der IG Metall Celle-Lüneburg. „Die Entscheidung war nicht durch akute wirtschaftliche Zwänge getrieben, sondern Teil einer strategischen Neuausrichtung des Konzerns.“
Ein Sprecher von Jungheinrich nannte die Einigung eine „sozialverträgliche Lösung“. Sie unterstütze die betroffenen Mitarbeitenden beim Übergang in neue Beschäftigung. Zugleich sei der Abschluss „ein wichtiger Schritt“ im Transformationsprogramm und treibe strukturelle Veränderungen voran.
Millionenpaket nach vier Tagen Verhandlung
Erst vergangene Woche hatten Gespräche über Interessenausgleich, Sozialplan und Sozialtarifvertrag begonnen. Nach einer „viertägigen, intensiven Verhandlungsphase“ stand die Einigung. Nach Angaben der IG Metall hat das Paket ein Volumen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Vorgesehen ist den Angaben zufolge auch eine Transfergesellschaft, die den Übergang in neue Beschäftigung erleichtern soll. Am Standort selbst sollen Konstruktion und Verwaltung mit zusammen 125 Stellen erhalten bleiben. Die eigentliche Produktion solle jedoch vollständig eingestellt werden.
Mehr als 80 Tage Streik
Der Einigung war ein ungewöhnlich langer Arbeitskampf vorausgegangen. Seit dem 20. November befanden sich die Produktionsbeschäftigten nach Gewerkschaftsangaben in einem unbefristeten Streik, nachdem sich zuvor eine Mehrheit in einer Urabstimmung dafür ausgesprochen hatte. Die Fertigung stand in den mehr als 80 Tagen immer wieder still.
Die IG Metall sprach von einem der längsten Arbeitskämpfe in Niedersachsen seit Jahrzehnten. Laut Unternehmen werden die Beschäftigten am Montag die Arbeit wieder aufnehmen.
Jungheinrich hatte im vergangenen Sommer ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt. Weltweit sollten demnach rund 1.000 Stellen abgebaut werden. Bereits damals stand die Schließung des Werks in Lüneburg bis 2027 im Raum. Die IG Metall hatte die Pläne als „Tabubruch“ kritisiert und dem Unternehmen vorgeworfen, ehrgeizige Wachstumsziele „auf dem Rücken der Beschäftigten“ zu verfolgen.
Spezialfertigung mit Tradition
In Lüneburg werden bislang Sonder- und Kleinserien nach speziellen Kundenanforderungen gefertigt – etwa Hubwagen für besonders enge Lager oder für sehr schwere Lasten. Das Werk für diese Sonderbauten wurde 1989 neu errichtet. Damals investierte das Unternehmen rund zwölf Millionen D-Mark in die Produktionsstätte.
Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Jungheinrich einen Überschuss von 289 Millionen Euro, 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz lag bei rund 5,4 Milliarden Euro. Bis 2030 strebt das Unternehmen einen Umsatz von zehn Milliarden Euro an. Die Ergebnisse für 2025 will der Konzern Ende März vorlegen.