Gelungene Coming-of-Age-Comedy vom Dorf
„Leicht, aber nicht seicht“, nennt die Grimme-Preis-Jury die im Oberschwäbischen spielende ZDF-Serie „Tschappel“. Eine Art Gen-Z-Heimatfilm als Serie - mit viel Dialekt und Witz. Hervorragend.
Die Jungs müssen sich erklären, als BlaBlas Eltern früher nach Hause kommen als erwartet.Marko Massinger/ZDF/dpa
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Carlo ist ein echter „Tschappel“. Das Wort stammt aus dem Oberschwäbischen und ist eine liebevolle Bezeichnung für einen Tollpatsch. Nach dem Abitur will der junge Mann vom Dorf mit vielen schrägen Ideen in die große weite Welt - von Schwaben nach Australien. Doch dann fährt er den Oldtimer seines Vaters zu Schrott.
Das ist die Ausgangslage der temporeichen ZDF-Comedy-Serie „Tschappel“, die in diesem Jahr mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet wird (Verleihung am Freitag (24.4.) in Marl in Nordrhein-Westfalen).
Darum ist die Serie preiswürdig
Die Grimme-Preis-Jury meint, den Autoren Marius Beck und Marc Philip Ginolas sei etwas im deutschen TV selten Gesehenes gelungen. Die beiden jungen Autoren um die 30 erzählten mit „Tschappel“ acht skurrile Episoden aus Hintervorderbach, einem fiktiven oberschwäbischen Dorf, „ohne das Leben dort zu überhöhen, zu verkitschen oder sich darüber lustig zu machen“.
Das sei grundsympathisch und „beste Fernsehunterhaltung mit Witz und Verstand - komisch, aber nicht klamaukig, warmherzig, aber nicht rührselig“.
In der Tat schließt die Produktion eine Lücke und hat das Zeug zur Kultserie. Viele fiktionale TV-Stoffe in Deutschland spielen in Großstädten. Sie spiegeln oft kaum das Leben weiter Teile der Bevölkerung wider.
Wenn Serien oder Filme auf dem Land stattfinden, spielen sie oft nur in Urlaubsgegenden oder geraten rasch zu verklärendem Heimatfilmkitsch - oder aber sie missbrauchen die Landschaften bloß als Krimi-Hintergrund.
Sabine (Bärbel Stolz, l), Rainer (Bernd Gnann, r) und Carlo (Jeremias Meyer, M) bei einem Beerdigungsessen in der Folge „Tschappel - Am Tag, als Carlo Brenner starb“. Carlo (Jeremias Meyer) gefällt es gar nicht, dass er bei einen Eltern sitzen muss. Marko Massinger/ZDF/dpa
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„Tschappel“ gelingt es, ganz Alltägliches mit allgemeinen Lebensthemen zu verknüpfen, soziale Dynamiken zu zeigen, wie sie halt so sind in Deutschland. Dabei wird aber das Ländliche keineswegs lächerlich gemacht.
Darum geht es in der Serie
In der Serie hat Carlo Brenner aus einem oberschwäbischen Dorf soeben die Schule beendet. Doch statt nach Australien zu gehen für „Work and Travel“, wie sein Schwarm Pia Schneider (Mina-Giselle Rüffer), muss er nach einem Autounfall den Schaden am alten Mercedes des Vaters in der Gastwirtschaft der Eltern abarbeiten.
Gespielt wird Carlo von Jeremias Meyer, den man aus den Prime-Video-Serien „Der Greif“ oder „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ kennen kann.
Gespielt wird Carlo von Jeremias Meyer. (Archivbild)Gerald Matzka/dpa
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Carlos beste Kumpels sind der Bauernsohn Niklas „BlaBla“ Härle (Sebastian Jakob Doppelbauer) und der Möchtegern-Fußballtrainer Aydin Alkan (David Ali Rashed). Weitere Serienfiguren sind etwa Carlos Eltern Sabine und Rainer (Bärbel Stolz und Bernd Gnann) sowie die leichtlebige Tante Gabi (Nina Gnädig).
In den acht Folgen kommt es zu allerhand Verwicklungen, darunter Alkoholexzesse, Ärger mit der Polizei, eine Hausbesetzung oder auch der Todesfall eines Stammtrinkers im Restaurant „Gasthaus zum Bären“.
Die Folgen haben anspielungsreiche Namen wie „Mehr Schwein als Sein“, „Der Gott des Geschnetzels“ oder „Der BlaBla-Mein-Dorf-Komplex“.
Gedreht wurde in Zußdorf (Gemeinde Wilhelmsdorf) im Kreis Ravensburg, aus der auch Autor Marius Beck stammt. Eine zweite Staffel ist schon sicher und soll diesen Sommer gedreht werden.