Effizienz schlägt Dominanz: VfB verpasst eine große Chance
Drama in der Nachspielzeit: Der VfB vergibt eine riesige Chance. Spieler und Trainer liefern sich Wortgefechte, ein Stuhl fliegt auf den Rasen. Die Rivalität mit Dortmund ist besonders aufgeladen.
Enttäuscht über die Last-Minute-Niederlage: Torjäger Deniz Undav.Harry Langer/dpa
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Den Frust über die riesige verpasste Chance schleppten die VfB-Profis um Nationalstürmer Deniz Undav mit in die Osterfeiertage. „Wie brutal Fußball sein kann, haben wir heute erlebt“, fasste Stuttgarts Sportvorstand Fabian Wohlgemuth das aus VfB-Sicht extrem bittere, ganz späte 0:2 (0:0) gegen Borussia Dortmund zusammen. „Wir haben ein Lehrstück an Effizienz sehen müssen“, erklärte der 47-Jährige.
Es war ein bekanntes Problem, das sich bei den Schwaben gerade in wichtigen Spielen durch diese Saison zieht und auch gegen den BVB den entscheidenden Unterschied ausmachte. So verpassten die Stuttgarter nicht nur einen möglichen und greifbaren Selbstvertrauensschub für den Saison-Endspurt, in dem auch der erneute Einzug ins DFB-Pokal-Finale auf dem Spiel steht.
VfB rutscht von Platz drei auf vier ab
Besonders mit Blick auf die Bundesliga-Tabelle dürfte die erste Niederlage gegen Dortmund seit Oktober 2022 ärgern. Im Gerangel um die Champions-League-Plätze hätte der VfB den Vorsprung auf Hoffenheim (5.) mit einem Sieg auf beruhigende sechs Punkte ausbauen können.
Stattdessen fiel die Truppe von Trainer Sebastian Hoeneß von Platz drei auf vier zurück. Gegen den Hamburger SV am kommenden Sonntag sollte die Elf ihre Heimstärke wieder in drei Zähler ummünzen.
Auch VfB-Coach Sebastian Hoeneß reagierte nach dem Schlusspfiff kurzzeitig emotional. Harry Langer/dpa
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Wollten die Gastgeber am Ende zu viel?
Das Spitzenspiel gegen den BVB hatten die Gastgeber dominiert. Der VfB musste sich aber vorwerfen lassen, angesichts der Überlegenheit viel zu wenige zwingende Torchancen herausgespielt zu haben. „Der letzte Punch hat gefehlt“, gab Joker Ermedin Demirovic zu.
Highlights gab es erst in der Nachspielzeit - mit einem sehenswerten und irren BVB-Doppelschlag wie aus dem Nichts, der den Spielverlauf auf den Kopf stellte. Eine Flanke klärte Abwehrchef Jeff Chabot zu Karim Adeyemi, der traf zum 0:1 (90.+4). Vor dem 0:2 von Julian Brandt (90.+6) verlor der zuvor starke Verteidiger Ramon Hendriks einen Zweikampf gegen Fabio Silva.
Hat der VfB am Ende zu viel gewollt? „Wenn du 90 Minuten so dominierst, ist es, glaube ich, verständlich, dass du gewinnen willst. Am Ende hätte man den Punkt mitnehmen müssen. Da waren wir vielleicht ein bisschen zu gierig“, räumte Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt ein. Hoeneß meinte, die Dortmunder hätten es „sehr abgezockt“ gemacht.
Eine irre Wende des Spiels: Dortmunds Torschütze Karim Adeyemi (l) jubelte mit dem früheren Stuttgarter Waldemar Anton über den späten Sieg.Harry Langer/dpa
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Seine Serie, seit seinem Amtsantritt als VfB-Coach vor drei Jahren nie gegen den BVB verloren zu haben, endete im achten Vergleich. Auch der Lauf von Undav mit sechs Bundesliga-Spielen mit mindestens einem Tor riss.
Spieler und Trainer geraten aneinander, ein Stuhl fliegt
Nach dem turbulenten Ende kochten die Emotionen hoch. Etliche VfB-Fans fühlten sich vom Dortmunder Jubel vor ihrer Kurve provoziert und kletterten in den Innenraum. Ein Stuhl flog auf den Rasen, zwischen den VfB- und BVB-Profis kam es zur Rudelbildung. Auch Hoeneß lieferte sich nach dem Abpfiff ein kleines Wortgefecht mit Trainerkollege Niko Kovac.
Am Ende wurde es besonders emotional.Harry Langer/dpa
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„Das ist mittlerweile ein Duell, das ja sehr viele Emotionen beinhaltet. Das waren fast immer extrem heiß geführte Spiele“, erklärte Hoeneß. „Das hat sich natürlich entladen in den Szenen am Ende.“ Der 43-Jährige stellte klar, dass ihm die Bilder nicht gefallen haben. Worum es in seinem Wortgefecht ging, behielt Hoeneß für sich.
Für BVB-Torhüter Gregor Kobel gehören solche Emotionen zum Sport dazu. „Die Stuttgarter haben auch genug Sticheleien gegen uns gehabt in den letzten Jahren. Ich finde Emotionen, ich finde ein bisschen Hass ist auch okay manchmal“, sagte der einstige VfB-Keeper. Am kommenden Sonntag gegen den HSV möchten die Stuttgarter mit ihren Fans wieder über einen Sieg jubeln.