Berliner Staatsbibliothek gibt enteignete Bücher zurück
Schriften über den Harz sind ebenso dabei wie ein Goethe-Lustspiel. Nach Jahrzehnten kehren enteignete Bücher zu Fürst Philipp zu Stolberg-Wernigerode zurück. Was hinter der Rückgabe steckt.
Die Bücher befanden sich seit Jahrzehnten im Bestand der Staatsbibliothek. (Archivbild)Christoph Soeder/dpa
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Die Berliner Staatsbibliothek hat über 20 nach dem Zweiten Weltkrieg enteignete Bücher an Fürst Philipp zu Stolberg-Wernigerode zurückgegeben. Die Bände stammen aus der Fürst zu Stolberg-Wernigerodeschen Bibliothek im hessischen Hirzenhain (Wetteraukreis), einer der großen historischen Adelsbibliotheken, wie die Staatsbibliothek mitteilte.
Bei den restituierten Werken handelt es sich um drei Schriften aus dem 16. Jahrhundert, 17 Bände aus dem 18. Jahrhundert sowie vier aus dem 19. Jahrhundert. Das inhaltliche Spektrum reicht von kirchengeschichtlichen Werken über neuere deutsche Literatur bis hin zu Schriften über den Harz. Auch eine Ausgabe von Goethes Lustspiel „Die Mitschuldigen“ ist dabei.
So wurden die Bücher identifiziert
Die Bücher wurden im Zuge mehrerer Forschungsprojekte sowie bei regulären Katalogisierungsarbeiten in den Beständen der Staatsbibliothek identifiziert. Es handelt es sich überwiegend um Schriften, die sogenannte Kriegsverluste ersetzen sollten. Als Kriegsverlust galten in diesem Fall Bücher, die einst in den Westen Deutschlands ausgelagert wurden und somit für die in Ost-Berlin ansässige Deutsche Staatsbibliothek unzugänglich waren.
Bei einigen Bänden stellte sich heraus, dass sie aus der Universitäts- und Landesbibliothek Halle stammten, die dafür keine Verwendung hatte. Andere gelangten über den antiquarischen Buchhandel zunächst in private Sammlungen und von dort schließlich in die Staatsbibliothek zu Berlin.
Was passierte nach dem Zweiten Weltkrieg?
Die Adelsbibliothek war 1939 geschlossen worden, damals umfasste sie eigenen Angaben zufolge rund 93.000 Bände. Rund 50.000 Bände wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von sowjetischen Trophäenbrigaden in die Sowjetunion gebracht, wie es hieß. Die verbliebenen Bestände wurden im Zuge der Bodenreform enteignet und 1948 nach Halle überführt.
Seit der Wiedervereinigung kümmerte sich Philipp Fürst zu Stolberg-Wernigerode laut Angaben der Fürstlich-Stolberg-Wernigerodischen Bibliothek mit großem Engagement um die Wiedereröffnung der Büchersammlung. Seit 2019 ist diese wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.