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Babyboom bei Kegelrobben – so viele Jungtiere wurden gezählt

Deutschlands größte Raubtiere fühlen sich im Wattenmeer wohl: Hunderte Kegelrobben wurden zuletzt allein in Niedersachsen neu geboren. Der Kindersegen hat wohl auch etwas mit ihrer Kinderstube zu tun.

Von dpa

16.04.2026

Insgesamt wurden im Winter 1.692 Kegelrobben im Niedersächsischen Nationalpark Wattenmeer gezählt. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

Insgesamt wurden im Winter 1.692 Kegelrobben im Niedersächsischen Nationalpark Wattenmeer gezählt. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

© Sina Schuldt/dpa

Deutschlands größte Raubtiere, die Kegelrobben, vermehren sich im niedersächsischen Wattenmeer prächtig. Bei drei Zählflügen im vergangenen Winter während der Wurfsaison wurden in der Spitze insgesamt 575 Jungtiere gesichtet, wie die Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Das seien 136 Jungtiere mehr als 2024 und einer der höchsten Werte der vergangenen Jahre, sagte Thea Hamm, Meeresökologin der Nationalparkverwaltung. 

Neben den Jungtieren wurden noch 1.117 erwachsene Kegelrobben gezählt. Die Gesamtzahl der Tiere während der Wurfsaison lag damit zuletzt bei 1.692. Weitere Zählungen erfolgen zur Haarwechselzeit zwischen Ende März und Mitte April. Die finalen Zahlen liegen voraussichtlich im Sommer vor.

Nach einer starken Bejagung waren die Kegelrobben in Deutschland vor 100 Jahren fast ausgerottet. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen die Tiere aus britischen Gewässern wieder ins Wattenmeer. Im Nationalpark sind sie neben den kleineren Seehunden die zweite Robbenart.

Wo der Nachwuchs zur Welt kommt

Der Kegelrobben-Nachwuchs kommt von November bis Januar zur Welt. Der Peak der Geburtenzeit sei an der niedersächsischen Wattenmeerküste Mitte Dezember, sagte Hamm. Die meisten Kegelrobben im niedersächsischen Nationalpark leben an der Kachelotplate, einer aktuell rund 70 Fußballfelder großen Sandbank zwischen den ostfriesischen Inseln Juist und Borkum. 

Die Kachelotplatte liegt rund 17 Kilometer vom Festland entfernt. (Archivbild)Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die Kachelotplatte liegt rund 17 Kilometer vom Festland entfernt. (Archivbild)Hauke-Christian Dittrich/dpa

© Hauke-Christian Dittrich/dpa

„Da finden die Kegelrobben im Wattenmeer sehr gute Ruheräume“, erklärte Hamm. Denn Kegelrobben schwämmen in der Nordsee weit aus, um zu fressen. Auf küstennahen Sandbänken ruhen sie sich aus und bringen dort auch ihren Nachwuchs zur Welt – in Niedersachsen passiert das bislang aber allein auf Kachelot. „Wir haben weiterhin keine Jungtiere außerhalb der Kachelotplate gefunden“, sagte Hamm. 

Die Plate sei relativ groß und biete viel Platz, erklärte die Expertin. Es sei daher möglich, dass Kegelrobben von Helgoland, wo es eine große Population gibt, nach Kachelot wandern, um dort ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Das wäre eine These, die die höheren Geburtenzahlen erklären könnte – gesichert ist das aber nicht. Noch stehen Ergebnisse von Vergleichszählungen aus.

Wattenmeerweite Zählungen

Entlang der Nordseeküste erheben die Nationalparkverwaltungen seit Anfang der 1990er regelmäßig die Robbenbestände. Dazu heben Flugzeuge zu Zählflügen ab. Die Tiere werden aus der Luft auf den Sandbänken fotografiert. Später wird die Zahl anhand der Aufnahmen am Computer ermittelt.

Im gesamten Wattenmeer von den Niederlanden bis nach Dänemark lebten nach letzten Daten des trilateralen Wattenmeersekretariats bei den Zählungen 2024/2025 rund 12.000 Tiere. Das ist der bislang höchste Stand seit Beginn der gemeinsamen Zählungen 2008. Die mit Abstand größten Populationen gibt es im niederländischen Wattenmeer.

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