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BIHK: Bayerns Wirtschaft kommt kaum aus der Krise

Die vom Industrie- und Handelskammertag erhobene Stimmung ist zwar das dritte Mal in Folge gestiegen, eine echte Erholung sei das aber nicht, heißt es.

Von dpa

05.02.2026

Die Aussichten für die bayerische Wirtschaft haben sich verbessert - aber nur leicht. (Symbolbild)Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Aussichten für die bayerische Wirtschaft haben sich verbessert - aber nur leicht. (Symbolbild)Karl-Josef Hildenbrand/dpa

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Stimmung in der bayerischen Wirtschaft verbessert sich nur langsam. Der vom Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) erhobene Stimmungsindex ist seit dem Herbst zwar um zwei Punkte gestiegen, liegt mit aktuell 107 Punkten aber weiter deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 112. Trotz des dritten Anstiegs in Folge sei von einer echten Erholung keine Spur.

„Die bayerische Wirtschaft bewegt sich weiter im Tiefflug“, betont BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Steigende Arbeitskosten, 
hohe Bürokratielasten, fehlende Reformen und eine anhaltend schwache Nachfrage drosseln die Schubkraft.“

Große Unterschiede zwischen den Branchen

Über alle Branchen hinweg bewerten 30 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage als gut, 20 Prozent als schlecht. Zwischen den einzelnen Branchen gibt es allerdings sehr starke Unterschiede. 

Deutlich positiv ist der Saldo nur bei den Dienstleistern mit 38 Prozent positiven und 16 Prozent negativen Meldungen. Im Baugewerbe ist er leicht positiv, in der Industrie ausgeglichen - zum ersten Mal seit längerer Zeit, was laut BIHK immerhin auf eine leichte Stabilisierung hindeutet. Im Einzelhandel steht mit einem Saldo mit 19 zu 26 aber bereits ein klares Minus, im Tourismus und Großhandel fällt es noch etwas stärker aus.

Bei den Geschäftserwartungen überwiegen die positiven Meldungen mit 21 zu 17 nur leicht - der Saldo von 4 Punkten ist aber immerhin der beste seit Anfang 2022. Auch hier ist die Einschätzung bei den Dienstleistern am besten. Bei Großhändlern und Industrie ist der Saldo zumindest leicht positiv. Im Tourismus, Baugewerbe und vor allem im Einzelhandel überwiegen dagegen die negativen Erwartungen klar. 

Jobs wandern ins Ausland

„Ohne eine Belebung der privaten Investitionen kann es keinen nachhaltigen Aufschwung geben“, sagt Gößl. „Dafür gibt es aber keine Anzeichen, im Gegenteil: Die schon chronische Investitionszurückhaltung der Unternehmen setzt sich auch zu Beginn des Jahres 2026 fort.“ Besonders die Industrie plane weniger Ausgaben am heimischen Standort und richte ihren Blick zunehmend auf das Ausland. Jeder dritte im Ausland aktive Industriebetrieb beabsichtige, Kapazitäten aus Bayern abzuziehen. 

Das sorgt auch für schlechte Aussichten für den Arbeitsmarkt: Alle Branchen planen der Umfrage zufolge per Saldo mit weniger Beschäftigung. Besonders deutlich zeige sich der Trend im Tourismus und in der Industrie. Am schwächsten ist er im Dienstleistungsbereich.

„Die Unternehmen sehen sich mit einer ungewöhnlich hohen Zahl an Belastungsfaktoren konfrontiert“, erklärt Gößl. „Die Arbeitskosten werden so häufig als Geschäftsrisiko genannt wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2012.“ Gleichzeitig bestehe bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen „höchster Handlungsbedarf“ und auch die „anhaltend schwache Nachfrage im In- und Ausland“ belaste die Wirtschaft.

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