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Anklage nach riesigem Kokain-Fund in Unterfranken

Ein Bauer entdeckt verdächtige Gestalten an einer Halle. Die Polizei rückt an und findet Kokain in Metallbehältern - getarnt als Brückenteile. Das hat nun Konsequenzen für die Verdächtigen.

Von dpa

21.01.2026

Die Anklage geht von einer Kokainmenge von fast eineinhalb Tonnen aus. (Symbolbild)Marcus Brandt/dpa

Die Anklage geht von einer Kokainmenge von fast eineinhalb Tonnen aus. (Symbolbild)Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa

Nach dem Fund einer enormen Kokain-Menge in Unterfranken hat die Staatsanwaltschaft Würzburg drei Männer angeklagt. Die 19, 26 und 49 Jahre alten Beschuldigten sollen zusammen mit noch unbekannten Komplizen dafür verantwortlich sein, dass rund 1,4 Tonnen Kokain nach Deutschland gelangten. Allein im unterfränkischen Abtswind waren im vergangenen Sommer 300 Kilo Kokain gefunden worden - im Wert von ungefähr 15 Millionen Euro.

Nach Behördenangaben hat sich nur einer der Verdächtigen bisher umfassend zur Sache eingelassen und den Vorwurf zumindest teilweise eingeräumt. Ein Mann habe sich bislang gar nicht geäußert. Der Dritte im Bunde habe die Tat abgestritten. Nun muss die Jugendkammer des Landgerichts Würzburg entscheiden, ob sie die Anklage zulässt. Zuvor hatte die „Main-Post“ berichtet.

Hintermänner unbekannt

Die Ermittlungsgruppe geht davon aus, dass es neben den Beschuldigten weitere Beteiligte und Hinterleute gibt. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Männern, die in Untersuchungshaft sind, bandenmäßigen, unerlaubten Handel mit Kokain im drei- bis vierstelligen Kilobereich vor.

Bisher noch unbekannte Bandenmitglieder sollen in Mexiko zwischen 100 und 300 Kilo hochreines Kokain in Hohlräume von stählernen Brückendämpfern verbaut haben. Diese sollten an eine Scheinfirma in Europa transportiert werden. Den Ermittlern zufolge sollen hierfür bundesweit mehrere Lagerhallen angemietet worden sein, unter anderem in Abtswind (Landkreis Kitzingen). 

Dort sollen die Brückendämpfer geöffnet und das Kokain entnommen worden sein. Die Anklage geht von einer Kokain-Menge von 1,4 Tonnen aus, die so nach Deutschland gelangt ist. 

Kokain ist hochgefährlich

Das kristalline Pulver Kokain wird aus Blättern des südamerikanischen Kokastrauchs (Erythroxylon coca) gewonnen. Viele Konsumenten schnupfen es, Kokain kann aber auch aufgelöst in die Venen gespritzt oder in anderer Verarbeitung (Crack) geraucht werden. Es macht schnell abhängig. Kokain steigert kurz Konzentrationsfähigkeit und Leistung, lässt Hunger, Ermüdung und Ängste verschwinden. Psychische Folgen sind auch extreme Ruhelosigkeit, Angstzustände und Wahnvorstellungen. Eine Überdosis kann zum Tod führen.

Aufmerksamer Bauer

Im vergangenen Juli hatte ein Landwirt die Polizei gerufen, weil er an einer abgelegen stehenden Halle an der Autobahn 3 im Landkreis Kitzingen mehrere verdächtige, teils vermummte Menschen bemerkt hatte, die bei seinem Anblick davonfuhren. Dennoch trafen die Beamten in und vor der vermieteten Halle noch zwei Männer an. Dazu entdeckten sie vier Fahrzeuge mit überwiegend französischen Kennzeichen sowie mehrere Paletten mit auffallend geformten Metallbehältern, wovon einer erkennbar ein Pulver enthielt.

Die Beamten gingen deshalb zunächst davon aus, dass ihnen Geldautomatensprenger ins Netz gegangen sein könnten. Doch der Verdacht auf Sprengstoff ließ sich schnell ausräumen, stattdessen schlug ein Drogenspürhund an: In einem Teil der 20 Behälter befanden sich 200 Kilogramm Kokain. Die beiden Männer, der 49-jährige Schweizer und der 26-jährige Franzose, wurden festgenommen.

Wenige Minuten später nahmen Polizeikräfte zudem an der nah gelegenen Anschlussstelle Wiesentheid den 19-jährigen Franzosen fest.

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