WM-Boykott? Neuendorf und Watzke kritisieren Debatte
Die Frage nach einem WM-Boykott sorgt für öffentliche Aufmerksamkeit. Beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga ist sie auch Thema. Die Fußball-Bosse äußern sich.
Hans-Joachim Watzke (l), Ligapräsident der DFL, und Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), halten aktuell nichts von der Debatte um einem WM-Boykott. Florian Wiegand/dpa
© Florian Wiegand/dpa
Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hält Diskussionen über einen WM-Boykott aktuell für unangebracht. „Ich glaube, das ist gar keine große Debatte, weil wir sind - glaube ich - sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten“, sagte er beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt am Main.
Zugleich kritisierte Neuendorf den Vorstoß von DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Clubchef Oke Göttlich, der zuletzt wegen des Verhaltens von Donald Trump mindestens eine Diskussion über den Boykott der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko ins Spiel gebracht hatte.
Göttlich erneuert Kritik
„Der Kollege ist noch nicht so lange dabei. Aber in der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen so sozusagen zunächst mal in den Gremien besprechen und dann uns dazu eine Meinung bilden. Er ist jetzt leider vorgeprescht mit dem Thema“, sagte Neuendorf.
Beim Neujahrsempfang erneuerte Göttlich seinen Vorstoß. Dieser sei im DFL-Präsidium kritisch aufgenommen worden, sagte er der Sportschau. „Ich bin vielleicht anderer Meinung als viele meiner Kollegen. Bin dann aber auch ein Demokrat, der verstehen kann, wenn es am Ende dazu führt, dass mehrheitlich beschlossen wird, dass ein Boykott vielleicht auch nicht das richtige Zeichen des deutschen Fußballs ist“, sagte er weiter.
Watze: Keine „größeren Diskussionen“ vernommen
Ligapräsident Hans-Joachim Watzke hatte zuvor ähnliche Worte wie Neuendorf gewählt. „Ich glaube nicht, dass momentan die Zeit reif ist, über so etwas zu diskutieren. Wenn es irgendwann reif sein sollte, werden wir diskutieren, aber aus meiner Sicht ist das jetzt völlig fehl am Platze“, sagte Watzke.
Er habe keine „größeren Diskussionen“ zu dieser Thematik vernommen, führte der 1. Vizepräsident des DFB aus. „Ich habe eine Einzelmeinung irgendwo gelesen.“ Dem pflichtete Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen bei. Es seien einzelne Stimmen, die Meinung des DFB sei eindeutig. Man habe „in der Vergangenheit noch nie eine WM gesehen, die boykottiert worden wäre“.
Bayern-Chef Jan-Christian Dreesen sieht keinen Anlass für einen WM-Boykott.Jens Niering/dpa
© Jens Niering/dpa
Dreesen erinnerte an die WM 2018 in Russland, die vier Jahre nach der Annexion der Krim stattgefunden habe. Damals habe die deutsche Nationalmannschaft teilgenommen und er wisse nicht, warum man nicht auch in diesem Jahr am Turnier teilnehmen solle. Der Sport müsse sich auf das „Fußballspielen“ konzentrieren, die Geopolitik werde woanders gemacht.
US-Politik in der Kritik
Rund um den Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Donald Trumps Besitzansprüchen auf Grönland hatte es Stimmen aus der Politik gegeben, dass man eine WM-Teilnahme überprüfen müsse. Trumps Vorgehen gegen Einwanderer rief nach den tödlichen Schüssen der US-Einwanderungsbehörde ICE auf einen Krankenpfleger in Minneapolis in den vergangenen Tagen scharfe Kritik hervor. Weitere diskutierte politische Entscheidungen des US-Präsidenten führten noch nicht zu Boykottforderungen, aber warfen Fragen auf.
Spieler und Verantwortliche aus der Bundesliga äußerten sich in den vergangenen Tagen sehr zurückhaltend.
Ligapräsident Hans-Joachim Watzke äußert sich zum Thema WM-Boykott. (Archivbild)Britta Pedersen/dpa
© Britta Pedersen/dpa