Überfall auf Neonazi: Angeklagte erhalten Bewährungsstrafen
Mehrere Männer aus der linken Szene sollen einen Rechtsextremisten im Flur eines Wohnhauses überfallen haben. Der Mann aber zieht ein Messer und setzt sich zur Wehr.
Zwei Männer sind nach einem Überfall auf einen Rechtsextremisten zu jeweils einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. (Symbolbild)Taylan Gökalp/dpa
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Nach einem Überfall auf einen Rechtsextremisten mit mehreren Verletzten in Berlin-Prenzlauer Berg sind zwei Männer zu jeweils einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Tiergarten sprach die 32- und 33-Jährigen der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Sie sollen zudem jeweils eine Geldauflage von 1.500 Euro zahlen.
Die Angeklagten hätten sich „bewusst über das staatliche Gewaltmonopol erhoben“ und den „Grundsatz der Gewaltfreiheit der politischen Auseinandersetzung missachtet“, sagte der Vorsitzende Richter Moritz Lehmann. Der Tat sei eine intensive Planung vorausgegangen. Eigene Verletzungsfolgen hätten die Angeklagten fahrlässig verursacht.
Maskierte Angreifer lauerten im Hausflur
Die Angeklagten, die der linken Szene zugerechnet werden, sollen sich mit einer bislang nicht bekannten Person am 18. April 2024 zum Wohnhaus des 24-Jährigen begeben haben, der Mitglied der rechtsextremen Kleinpartei „Der III. Weg“ ist. Der Mann sei im Hausflur von den maskierten Angreifern attackiert und zu Boden gebracht worden.
„Er zieht ein Messer und sticht wild um sich, um sich zu verteidigen“, hieß es weiter im Urteil. Die Auseinandersetzung habe sich dann vor das Haus verlagert. „Wer das Messer dann wann gegen wen einsetzte, ließ sich nicht mehr klären“, so der Richter. Der 24-Jährige wurde laut Anklage geschlagen, getreten, mit einem Messer am Unterschenkel und an der Hand verletzt sowie mit Reizgas besprüht.
Die Angeklagten – ein Historiker und ein Sozialarbeiter - hatten ausgesagt, dass sie dem 24-Jährigen „Angst machen“ wollten, um etwas gegen zuvor erfolgte Gewalt durch Neonazis zu unternehmen. Plan sei gewesen, ihn zu Boden zu bringen. Doch er habe sie entdeckt, sei mit einem Messer auf sie zugestürmt und habe „sofort zugestochen“. In Todesangst hätten sie versucht, aus dem Haus zu kommen. Die Verletzungen des 24-Jährige, der Kampfsport trainiere, „können wir uns nur so erklären, dass er sich im Gerangel selbst verletzt hat“.
Zeuge: „Nationale Weltanschauung“
Der 24-Jährige schilderte als Zeuge im Prozess, vier bis sechs Personen hätten ihn ohne Vorwarnung attackiert. Er ging von einem Angriff wegen seiner „nationalen Weltanschauung“ aus. Als eine der Personen auf ihm saß, habe er ein Messer aus der Hosentasche gezogen und zu seiner Verteidigung „unkontrolliert auf die Person eingewirkt“. Er selbst halte es für „unwahrscheinlich“, dass er sich mit dem Messer am Bein selbst verletzt habe.
Auch die Angeklagten wurden zum Teil erheblich verletzt und im Krankenhaus behandelt. Zudem hätten sie sich in psychotherapeutische Behandlung begeben müssen, um den „Alptraum“ zu verarbeiten, schilderten sie.
Die Verteidiger forderten Freispruch beziehungsweise eine geringe Bewährungsstrafe. Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftstrafen von jeweils drei Jahren und zwei Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.