Neue digitale Helfer für Lehrer - Bürokratie wird entrümpelt
Neue digitale Assistenten helfen Lehrern beim Papierkram – und machen Elternabende einfacher. Lehrerverbänden und der SPD-Opposition reicht das nicht, um den Schulalltag wirklich zu entlasten.
Neue digitale Assistenten sollen Lehrkräfte von Routineaufgaben entlasten und die Schulbürokratie entschlacken. (Archivbild)Henning Kaiser/dpa
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Künstliche Intelligenz (KI) soll Lehrkräfte gezielt im nordrhein-westfälischen Schulalltag unterstützen. Schulministerin Dorothee Feller (CDU) stellte in Düsseldorf mehrere KI-Assistenzen vor, deren Wirkung am Ende auch Schülern und Eltern zugutekommen soll.
Generell gehe es darum, Schulleitungen und Lehrkräfte bei wiederkehrenden organisatorischen und schulrechtlichen Aufgaben zu entlasten, damit die sich auf die Schüler konzentrieren könnten, erläuterte Feller.
Das sind die neuen Assistenten
- KI zu Schulrechtsfragen: Sie soll Orientierung und Entscheidungshilfen geben, um rechtliche Fragen auf Grundlage der geltenden Vorschriften und Erlasse einzuordnen - etwa, um Ordnungsmaßnahmen vorzubereiten oder rechtlich sensible Schreiben zu formulieren.
- KI zur Elternkommunikation: Sie kann eingesetzt werden, um Elternabende oder Elterngespräche vorzubereiten und dafür direkt nutzbare Textbausteine liefern. Außerdem kann sie Schreiben in einfache Sprache übertragen oder mehrsprachig aufbereiten.
- KI-Assistenzen zur Medienarbeit oder zum sprachsensiblen Unterricht: Sie unterstützen laut Ministerium bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung, helfen, den Stand der Digitalisierung an der Schule zu analysieren, das Medienkonzept weiterzuentwickeln oder sprachsensiblen Unterricht systematisch in der Schulentwicklung zu verankern. „Zudem können sie Lehrmaterial analysieren und sprachsensibel aufbereiten, damit Aufgaben verständlicher werden und fachliches Lernen erleichtert wird.“
- Geplant sind weitere Assistenzen, die Schulen bei der Vor- und Nachbereitung von Konferenzen, bei der Fortbildungsplanung oder bei der Entwicklung von Partizipationsformaten unterstützen.
Die neuen KI-Assistenzen stehen ab sofort online auf der Website Lehren und Lernen in der digitalen Welt kostenfrei zur Verfügung. „Künstliche Intelligenz ersetzt keine Schulleitung und keine Lehrkraft“, unterstrich Feller. „Aber sie kann von Routine-Aufgaben entlasten, Prozesse beschleunigen und dabei helfen, schneller zu guten Ergebnissen zu kommen.“
Das Ziel der KI-Initiative in Nordrhein-Westfalen: Weniger Papierkram und Verwaltung, mehr Zeit für Schüler und guten Unterricht. (Symbolbild)Bernd Weißbrod/dpa
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Gleichzeitig werde die Schulbürokratie entrümpelt und die Verwaltung vereinfacht. Zahlreiche Abfragen der Aufsicht an die Schulen würden deutlich reduziert, vereinfacht, gebündelt oder vollständig eingestellt, kündigte Feller an. Dazu habe das Schulministerium gemeinsam mit den Bezirksregierungen sämtliche Abfragen systematisch überprüft.
Auch das Schulministerium will auf Kontrollabfragen verzichten
„Die Prüfung hat gezeigt, dass über die Jahre in einzelnen Bereichen vor Ort viele zusätzliche Abfragen entstanden sind“, hieß es. Ersatzlos gestrichen würden nun Abfragen, die für die Steuerung des Schulsystems verzichtbar seien. Dazu zählten bislang regelmäßig durchgeführte Abfragen zu Fachkonferenzvorsitzenden, zu internationalen Aktivitäten an Berufskollegs oder zur Arbeits- und Fortbildungsplanung von Schulleitungen.
Auch das Schulministerium werde eigene Abfragen streichen oder deutlich reduzieren, teilte die Landesregierung mit. So würden die Schulen etwa künftig nur noch zweimal und nicht mehr dreimal jährlich aufgefordert, ihre personelle Ausstattung zu überprüfen und mögliche Fehler an die Schulaufsicht zu melden. Der damit verbundene Verwaltungsaufwand für Schulleitungen und Sekretariate werde spürbar reduziert.
Feiert sich die Landesregierung für den Abbau von Bürokratie, die sie selbst aufgebläht hat? So sieht es die SPD-Opposition in Nordrhein-Westfalen. (Symbolbild)Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa
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Oppositionsführer Jochen Ott überzeugt das nicht: „Wer jahrelang neue Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben schafft, kann deren teilweise Rücknahme nicht als bildungspolitischen Durchbruch feiern“, bemängelte der SPD-Landtagsfraktionschef. Zentrale Fragen zu Lehrermangel und wachsender Bildungsungleichheit blieben ungelöst.
Verantwortung bleibt bei Lehrern - nicht bei Algorithmen
In diese Kerbe schlugen auch die Bildungsgewerkschaften. „KI kann entlasten, aber keine Fachkräfte ersetzen“, unterstrich der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Stefan Behlau. Dennoch könne sie „ein hilfreiches Werkzeug sein, wenn Datenschutz, Verlässlichkeit, landesweite Verfügbarkeit, gute Infrastruktur und Qualifizierung konsequent mitgedacht werden“.
Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Der Einsatz Künstlicher Intelligenz dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Belastungen an den Schulen vor allem auf anhaltenden Personalmangel und zunehmende Aufgaben zurückzuführen seien, betonte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik.
Auch wenn KI als Assistenzinstrument eingesetzt werden könne: „Pädagogische Entscheidungen, schulrechtliche Bewertungen und die Kommunikation mit Eltern bleiben in erster Linie Aufgaben von professionell ausgebildeten Lehrkräften und Schulleitungen, denn am Ende des Tages tragen sie die Verantwortung und nicht irgendwelche Algorithmen.“