Die Akteure im Iran-Krieg und ihre Fronten
Im Iran-Krieg kämpfen nicht nur zwei Kriegsparteien gegeneinander. Eine gesamte Weltregion ist involviert, weitere Fronten tun sich auf. Wer bekriegt wen und warum?
Im Iran-Krieg gibt es viele Fronten. Die gesamte Region ist involviert. Vahid Salemi/AP/dpa
© Vahid Salemi/AP/dpa
Die Konfrontation zwischen den USA und dem Iran hat die gesamte Region rund um die arabische Halbinsel in einen Krieg mit immer neuen Fronten verwandelt.
Die Kämpfe reichen vom Irak über die strategisch wichtige Straße von Hormus bis ins Rote Meer. Es überlagern sich direkte Angriffe, Stellvertreterkriege und regionale Machtinteressen. Wer bekämpft wen und warum? Ein Überblick.
Die USA
Im Zentrum des Konflikts steht derzeit die militärische Konfrontation zwischen den USA und dem Iran. Washington greift Ziele der iranischen Streitkräfte und der Revolutionsgarden an. Der Grund für die Angriffe war zu Kriegsbeginn nach offizieller Darstellung die Bedrohung durch das iranische Nuklearprogramm. US-Präsident Donald Trump hatte zudem betont, einen Machtwechsel in Teheran herbeiführen zu wollen. Das ist ihm bis heute trotz der Tötung Dutzender einflussreicher iranischer Politiker und Generäle nicht gelungen.
Im weiteren Verlauf des Kriegs zielen die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben auf Irans Fähigkeit, Schiffe in der für den weltweiten Energiehandel wichtigen Straße von Hormus zu beschießen. Trump versucht so, ein Problem zu lösen, das vor Beginn seines Ende Februar gemeinsam mit Israel begonnenen Kriegs noch nicht bestand.
Der Iran und die Straße von Hormus
Irans Streitkräfte zielen seit Kriegsbeginn mit ihren Vergeltungsangriffen auf US-Stützpunkte in arabischen Ländern und Ziele in Israel. Bei den Angriffen der verschiedenen Kriegsparteien wurden immer wieder auch zivile Ziele getroffen.
Die Straße von Hormus bleibt ein zentraler Streitpunkt. Der Iran nutzt seine geografische Lage, um den Handel durch die Meerenge einzuschränken und somit die Weltwirtschaft unter Druck zu setzen. Nachdem die USA ihrerseits eine Seeblockade gegen iranische Häfen verhängt hatten, um den Ölexport und damit die Staatseinnahmen Irans zu beschränken, reagierte Teheran mit immer härteren Maßnahmen. Die Strategie dahinter: Die globalen Energiepreise sollen steigen - und damit der Druck auf Trump angesichts des in den USA unpopulären Kriegs.
Die Golfstaaten
Inmitten der Eskalation befinden sich die arabischen Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. Sie beherbergen wichtige US-Militärstützpunkte und geraten dadurch immer wieder ins Visier iranischer Vergeltungsschläge. Trotz bestehender Vorbehalte gegenüber Teheran versuchen die Golfstaaten, eine direkte Kriegsbeteiligung zu vermeiden. Saudi-Arabien und die Emirate griffen den Iran nach Angaben aus Diplomatenkreisen vereinzelt direkt an. Offiziell wurde das aber nie bestätigt - ebenso wenig wie Angriffe anderer Golfstaaten.
Die Huthi im Jemen
Im Süden der Arabischen Halbinsel bildet die proiranische Huthi-Miliz im Jemen eine Front auf einem Nebenschauplatz. Die Huthi gehören zu Irans sogenannter „Achse des Widerstands“. Sie kontrollieren im Jemen vor allem den Norden des Landes und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Von dort aus können sie mit ihrem Arsenal aus Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern auch Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab angreifen. Sie stellen damit im Interesse Teherans eine weitere Bedrohung für den globalen Handel dar. Die Miliz hatte den Welthandel durch Angriffe im Roten Meer ab 2023 bereits massiv beeinträchtigt.
Im Zuge des Iran-Kriegs ist nun auch der zuletzt unterbrochene Krieg zwischen der Miliz und Saudi-Arabien neu entfacht worden. Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition kämpft an der Seite der jemenitischen Regierung gegen die Huthi. Sie griff zuletzt erneut Stellungen der Miliz im Jemen an, nachdem die Huthi ihrerseits eine „Blockade“ der Schifffahrt für Saudi-Arabien verkündet und einen saudischen Öltanker angegriffen hatten.
Proiranische Milizen im Irak
Ein weiterer wichtiger Schauplatz des Kriegs zeigt sich im Irak. Hier agieren zahlreiche vom Iran unterstützte Milizen. Einige davon gehören zum staatlichen Sicherheitsapparat und haben erheblichen militärischen wie politischen Einfluss im Land. Im Zuge des Iran-Kriegs haben sie immer wieder auch US-Einrichtungen oder Stellungen des US-Militärs im Irak und in der Region angegriffen.
Die USA und Saudi-Arabien reagierten zuletzt mit Luftangriffen auf Stellungen proiranischer Gruppen im Irak. Nach US-Angaben waren die Angriffe eine Reaktion auf Attacken gegen amerikanische und saudische Ziele. Die saudische Regierung hatte zuvor Milizen aus dem Irak für Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht.
Die irakische Regierung gerät damit zwischen die Fronten: Viele Milizen sind offiziell Teil der staatlichen Sicherheitsstrukturen, agieren operativ jedoch eigenmächtig nach Befehlen aus Teheran. Bagdad kann weder die Angriffe der Milizen auf US-Truppen unterbinden noch die Vergeltungsschläge der USA auf irakischem Territorium verhindern.
Israel und die Hisbollah im Libanon
Für Israel ist die Konfrontation eng mit der eigenen nationalen Sicherheit verknüpft. Der jüdische Staat befürchtet eine nukleare Aufrüstung des Irans und sieht darin sowie in den Präzisionsraketen Teherans eine existenzielle Bedrohung. Noch zu Beginn des Kriegs beteiligte sich das israelische Militär an den Angriffen im Iran. Israel wurde dadurch zwischenzeitlich von mehreren Fronten angegriffen. Während Trump zuletzt auf eine diplomatische Lösung des Kriegs drängte, soll der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu laut Medienberichten auf eine Fortsetzung der Angriffe gepocht haben.
Derzeit steht Israels Armee vor allem weiter im Konflikt mit der Hisbollah im Libanon. Auch die libanesische Miliz ist ein Verbündeter Teherans. Nach zwei offenen Kriegen hat sich die Lage zuletzt etwas beruhigt. Vorausgegangen waren mehrere Anläufe für eine Waffenruhe. Israel will jedoch eine Entwaffnung der Miliz durchsetzen und greift daher weiter im Nachbarland an. Die Hisbollah lehnt eine Entwaffnung ab. Auch wenn die Hisbollah eigenständig agiert, dürfte die Entscheidung dazu vor allem aus Teheran kommen. Die Hisbollah gilt als wichtiges Abschreckungswerkzeug der iranischen Regierung gegenüber Israel.