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Wie Ultraschall Teilchen antreibt: Förderpreis für Physiker

Mikrosysteme, die mit Ultraschall durchs Gewebe sausen: Wie aus Science-Fiction echte Medizin wird – und warum ein 1,1-Millionen-Preis nach Aachen geht.

Von dpa

06.07.2026

Insgesamt 1,1 Millionen Euro bekommt Nachwuchs-Professor Wittkowski aus Aachen für seine Forschung. Über das Geld kann er ziemlich frei verfügen.Heike Lachmann/Krupp-Stiftung/dpa

Insgesamt 1,1 Millionen Euro bekommt Nachwuchs-Professor Wittkowski aus Aachen für seine Forschung. Über das Geld kann er ziemlich frei verfügen.Heike Lachmann/Krupp-Stiftung/dpa

© Heike Lachmann/Krupp-Stiftung/dpa

Der mit 1,1 Millionen Euro dotierte Alfried Krupp-Förderpreis für junge Universitätsprofessorinnen und -professoren geht in diesem Jahr an den Aachener Physiker Raphael Wittkowski. Der 38-Jährige ist seit 2025 Professor für die Theorie Aktiver weicher Materialien an der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, wie die Krupp-Stiftung in Essen mitteilte.

Das Gebiet der Aktiven weichen Materie sei ein neues Forschungsfeld, das an der Schnittstelle von Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften, Biologie und Medizin angesiedelt sei, hieß es. „Im Zentrum seiner Arbeit stehen insbesondere Mikrosysteme mit eigenem Antriebsmechanismus, die mithilfe von Ultraschall gesteuert werden. Das Ziel besteht darin, neue Perspektiven für Anwendungen in Medizin und Technik zu finden“, erklärte eine Sprecherin.

Künstliche Muskeln können durch Ultraschall gesteuert werden

Ultraschall durchdringe Gewebe und andere Materialien, der Antrieb funktioniere in Flüssigkeiten und biologischem Gewebe. Die Aktivität lasse sich über die Schallintensität fernsteuern. So habe Wittkowski etwa zusammen mit Kollegen künstliche Muskeln entwickelt, die sich durch Ultraschall mit Energie versorgen und präzise steuern ließen. „Diese Systeme könnten künftig als feinfühliger weicher Greifer, programmierbar verformbares Gewebepflaster zur Unterstützung der Herzmuskelbewegung oder für die gezielte Abgabe von Wirkstoffen eingesetzt werden.“

„Wenn aktive Partikel in Zukunft bei Patienten eingesetzt werden, lassen sich dadurch unerwünschte Nebenwirkungen wie die Schädigung von gesundem Gewebe minimieren oder unnötig hohe Wirkstoffdosierungen vermeiden“, so die Sprecherin weiter. Als Beispiel nannte die Krupp-Stiftung die herkömmliche Chemotherapie, deren Nebenwirkungen vor allem aus der Verteilung der Wirkstoffe im Körper resultierten, die auch gesundes Gewebe angriffen.

Stiftungschefin Gather sieht großes Potenzial in Medizin und Technik

„Dank seiner Forschung haben utopistische Ansätze, die bislang allenfalls in Science-Fiction abgebildet wurden, Einzug in der Wissenschaft gehalten, mit dem Ziel, neue innovative Anwendungen in Medizin und Technik zu etablieren“, erklärte die Kuratoriumsvorsitzende der Krupp-Stiftung, Ursula Gather. 

Das Geld wird über fünf Jahre gezahlt. Es soll unbürokratisch die Arbeitsbedingungen der Preisträger verbessern. Die offizielle Preisverleihung findet im Herbst statt. Traditionell wird der Förderpreis im Rahmen eines Festakts in der Essener Villa Hügel, dem früheren Sitz der Industriellenfamilie Krupp, übergeben. Er wurde bislang an 45 Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Medizin verliehen.

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