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„Widow’s Bay“ auf Apple TV: Wenn Sylt verflucht wäre

Eine idyllische Insel an der amerikanischen Ostküste. Klingt nach einem traumhaften Urlaubsort – wenn dieser nicht mit einem Fluch belegt wäre. Was macht die hochgelobte Horror-Comedyserie so gut?

Von Niklas Graeber, dpa

08.07.2026

Für seine Rolle in „The Americans“ bekam er bereits einen Emmy, nun glänzt er in dem neuen Streaminghit auf Apple TV: „Widow’s Bay“-Hauptdarsteller Matthew Rhys. (Archivbild)Chris Pizzello/Invision/dpa

Für seine Rolle in „The Americans“ bekam er bereits einen Emmy, nun glänzt er in dem neuen Streaminghit auf Apple TV: „Widow’s Bay“-Hauptdarsteller Matthew Rhys. (Archivbild)Chris Pizzello/Invision/dpa

© Chris Pizzello/Invision/dpa

Ob „Ted Lasso“, „Severence“ oder „Slow Horses“ – plötzliche Streaminghits haben nicht nur Netflix oder Amazon, sondern auch Apple TV zu bieten. Nun entwickelt sich die nächste Serie beim Streamingdienst des US-Techgiganten etwas aus dem Nichts zum hochgelobten Erfolg: „Widow’s Bay“, eine Horror-Comedy auf einer fiktiven, abgelegenen Insel an der Nordostküste der USA. Klingt vielleicht nach einer traumhaften Kulisse, wie etwa auf den tatsächlichen Urlaubsinseln Sylt oder Martha’s Vineyard – doch die idyllische Landschaft täuscht, wie ein genauer Blick auf die Serie zeigt.

Worum geht es in „Widow’s Bay“?

Die zentrale Figur auf der Insel ist Bürgermeister Tom Loftis, gespielt von Matthew Rhys („The Americans“). Als Ortsvorsteher und langjähriger Bewohner ist er stets bemüht, das Image seiner wenig bemerkenswerten Heimat nach vorn zu bringen. Doch viele der Bewohnerinnen und Bewohner stehen ihm skeptisch gegenüber – nicht ohne Grund ist er der Einzige, der die Rolle auf der Insel überhaupt freiwillig ausfüllen wollte.

Denn um die idyllische, auf den ersten Blick ruhig wirkende Insel ranken sich grauenhafte Gerüchte. So etwa um den „Boogeyman“, ein nie gefasster Serienmörder, der einst zwei Jugendliche ums Leben gebracht hatte. Viele Einheimische glauben gar daran, dass die Insel verflucht ist. Besonders abergläubisch zeigt sich Wyck Crawford (Stephen Root), ein Fischer und alteingesessener Inselbewohner, der mit seinen Warnungen ständig mit Tom aneinandergerät.

Der Konflikt spitzt sich zu, als ein Reporter der angesehenen „New York Times“ zu Besuch kommt. Tom will damit den kaum existenten Tourismus auf der in die Jahre gekommenen Insel antreiben, doch zum Missfallen des Bürgermeisters tut Wyck alles, um die Ankunft der Reisenden zu verhindern. Früher oder später muss aber selbst Tom eingestehen, dass auf der Insel nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Zumindest an einen bestimmten Fluch glaubt er schon seit Jahren. Deswegen lässt seinen aufs Collegealter zugehenden Sohn Evan (Kingston Rumi Southwick) seit dessen Geburt nicht auf das Festland.

Wo ist die Serie zu sehen?

Die zehn Folgen der ersten Staffel, jeweils um die 30 bis 45 Minuten lang, stehen exklusiv auf Apple TV zum Abruf zur Verfügung. Die Serie feierte schon Ende April auf dem Streamingdienst ihre Premiere, seit Mitte Juni ist auch die letzte Folge der ersten Staffel abrufbar. Wer auf mehr hofft, wird nicht enttäuscht: Eine zweite Staffel hat Apple bereits beauftragt.

Wenn es eine Horrorserie ist – wie gruselig wird es dann?

Auch wenn die lustigen ersten Minuten der Serie anderes andeuten – „Widow’s Bay“ hat richtige Schockmomente auf Lager. Eine Frau, die bei Nacht durch die Gegend irrt oder gruselige Gestalten, die plötzlich in Hinterzimmern auftauchen – und dann ist da natürlich noch der „Boogeyman“, der nicht nur mit Gerüchten für Schrecken sorgt. 

In einer richtig schaurigen Folge wird die geheimnisvolle Vergangenheit sogar mit in einem Rückblick ins Jahr 1702 erzählt: Diese widmet sich dem Gründer der Siedlung auf „Widow’s Bay“ sowie seiner Gemahlin, die kurz nach der Hochzeit den Geheimnissen ihres Mannes auf die Schliche kommt. Das treibt die Spannung noch weiter nach oben – noch dazu spielt der Gründer auch 300 Jahre später in der Gegenwart eine Rolle.

Ist es trotzdem lustig?

Auf jeden Fall. Das liegt nicht zuletzt an den schrägen Persönlichkeiten, die auf der Insel leben und im Rathaus arbeiten. Allen voran Toms Assistentin Patricia, die zwar auf „Widow’s Bay“ groß geworden ist. Mit ihrem oft eigenwilligem, exzentrischem Verhalten ist sie dennoch eher eine Außenseiterin, die auf der Insel nach Anerkennung sucht – und hält sich aus dem Leben ihres Chefs nur selten raus.

Auch Bürgermeister Loftis kommt gerne mal unbeholfen daher – so etwa in einer Folge, in der er durchgehend unter Einfluss einer exotischen Droge steht, oder als er seinen Bürgern beweisen will, dass es in einem Gasthaus auf der Insel doch gar nicht spukt.

Lohnt sich die Serie?

Ziemlich. Matthew Rhys, der bereits in der Serie „The Americans“ als russischer Undercover-Agent in den USA während des Kalten Krieges glänzte, passt in die Rolle von Bürgermeister Tom Loftis wie die Faust aufs Auge und stellt auch sein Comedy-Talent unter Beweis. Womit die Serie besonders überzeugt: Der Mix aus lustigen Situationen und Horrormomenten funktioniert richtig gut – und das Setting der düsteren, trügerisch ruhigen Insel bietet dafür die perfekte Atmosphäre.

Auch von TV-Kritikern sahnte die Serie gute Bewertungen ab, auf der US-Plattform Rotten Tomatoes stehen 93 positive Kritiken nur zwei negativen gegenüber. Von Branchenmedien wie „Variety“ wird die Serie für die nächste Verleihung der Emmys – dem angesehensten Fernsehpreis der USA – bereits als Favorit gehandelt.

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