Panorama

Vom Zucker zum Zug - die Schwebebahnen werden 125 Jahre

Eugen Langen erfand unter anderem Würfelzucker und die Schwebebahn. Den Betriebsstart in Wuppertal und Dresden vor 125 Jahren erlebte er nicht. Die Familie fährt auch zu besonderen Anlässen mit.

Von Volker Danisch, dpa

09.01.2026

Nachkommen und Verwandte des Schwebebahn-Erfinders Eugen Langen sitzen im sogenannten Kaiserwagen der Schwebebahn. Am 1. März 1901 ging in Wuppertal die Schwebebahn in Betrieb.Federico Gambarini/dpa

Nachkommen und Verwandte des Schwebebahn-Erfinders Eugen Langen sitzen im sogenannten Kaiserwagen der Schwebebahn. Am 1. März 1901 ging in Wuppertal die Schwebebahn in Betrieb.Federico Gambarini/dpa

© Federico Gambarini/dpa

Wer kann bei der Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel und Wahrzeichen der Stadt schon von sich behaupten, ein Vorfahre oder Verwandter des Erfinders zu sein? Im Fall der Schwebebahnen in Wuppertal und Dresden sind es Hunderte. Viele Familienmitglieder der einst so mächtigen Unternehmerdynastie Langen leben auch heute an Rhein und Ruhr. 

Ortstermin in Wuppertal. Der eine oder andere ist zeitweise täglich mit der Schwebebahn gefahren. Etwa ein Dutzend Familienmitglieder von 25 bis 87 Jahren ist gekommen, um Anekdoten zur Schwebebahn und zum Leben des Erfinders Eugen Langen zu berichten. Der gut betuchte Kölner Unternehmer starb 1895 tragischerweise an einer Fischvergiftung und erlebte damit die Inbetriebnahme der Wuppertaler Schwebebahn am 1. März 1901 nicht mehr. 

Schwebebahn ist nur Nebenprodukt 

Die Schwebebahn ist letztlich ein Nebenprodukt seines Erfinders geblieben, der etliche erfolgreichere Projekte verfolgte, da sind sich die Anwesenden einig. Damals wurden Hängebahnen in Betrieben als Transportmittel genutzt. Der Zuckerfabrikant, der auch den Würfelzucker erfand, übertrug das System auf die Personenbeförderung. Wie geschaffen erschien die Schwebebahn für das enge Tal der Wupper mit zahlreichen Betrieben und großen Verkehrsproblemen.

Bauzeit weniger als drei Jahre 

Bei der Schwebebahn vergingen weniger als drei Jahre vom Baustart bis zur Inbetriebnahme. Später kamen weitere Abschnitte hinzu. Über weite Strecken verläuft die 13,3 Kilometer lange Trasse direkt über der Wupper. Die Region rückte mit dem neuartigen Verkehrsmittel noch enger zusammen. Barmen, Elberfeld, Vohwinkel und weitere Kommunen wurden aber erst 1929 zur Stadt Wuppertal. Zum Schwebebahn-Jubiläum ist im Spätsommer 2026 ein Bürgerfest geplant. 

Überraschender Start ohne Brim­bo­ri­um 

„Die Schwebebahn ist ohne Sang und Klang heute Morgen dem Verkehr freigegeben worden“, berichtete die „Barmener Zeitung und Handelsblatt“ zum 1. März 1901. Der allererste Wagen war demnach nur mit ein paar Personen besetzt, „weil das Publikum gar keine Ahnung von der Eröffnung hatte“. Das änderte sich im Tagesverlauf, viele Menschen mussten warten. „Einmal wurde das Gedränge so stark, daß eine große Scheibe eingedrückt wurde“, heißt es.  

 

Die Schwebebahn fährt im Februar 1951 über der Wupper.picture alliance / dpa

Die Schwebebahn fährt im Februar 1951 über der Wupper.picture alliance / dpa

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Bauboom in Dresden 

Nach dem System Langen ging in Dresden gut zwei Monate später am 6. Mai 1901 eine Bergschwebebahn in Betrieb. Sie ist 274 Meter lang und überwindet einen Höhenunterschied von 84,2 Metern. Laut den Dresdner Verkehrsbetrieben forderten Grundstücksbesitzer in Oberloschwitz damals eine Verbindung zu ihren Anwesen am Hang. Es kam der Schilderung zufolge zu einem regelrechten Bauboom. In dieser Zeit seien zahlreiche Villen im Jugendstil errichtet worden. Anlässlich des Jubiläums sind nach Angaben des Unternehmens kleinere Feierlichkeiten für Fahrgäste und Anwohner geplant. 

Die 1901 gebaute Schwebebahn fährt zum Dresdner Stadtteil Oberloschwitz über einer Straße an einem Warnschild vorbei. (Archivbild)Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Die 1901 gebaute Schwebebahn fährt zum Dresdner Stadtteil Oberloschwitz über einer Straße an einem Warnschild vorbei. (Archivbild)Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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Hoffnungen auf große Folgeprojekte für die Schwebebahn von Eugen Langen in europäischen Metropolen wie Berlin erfüllten sich nicht. „Sein vorletzter Sohn, mein Großvater, der hat später noch versucht, in der Welt diese Schwebebahn irgendwie noch unters Volk zu bringen. Und er war bei dieser Gelegenheit sogar in Brasilien, in Rio wollte er auf den Zuckerhut. Aber das war alles zu spät“, sagt Rosemarie Rossberg. Diese Bemühungen seien nicht erfolgreich gewesen. 

Schnell kommt in der Familienrunde die Rede auf den bedeutenden Motorenbau in Köln, auf Nicolaus August Otto, mit dem Eugen Langen die erste Fabrik ausschließlich für Verbrennungsmotoren errichtete, einen Vorläufer der Deutz AG. Auch Gottlieb Daimler war in Köln tätig. 1876 schuf Otto den Viertaktmotor. 

Vor Schwebebahn-Fahrzeugen der ältesten und jüngsten Generation stehen in Wuppertal Nachkommen und Verwandte des Schwebebahn-Erfinders Eugen Langen.Federico Gambarini/dpa

Vor Schwebebahn-Fahrzeugen der ältesten und jüngsten Generation stehen in Wuppertal Nachkommen und Verwandte des Schwebebahn-Erfinders Eugen Langen.Federico Gambarini/dpa

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Einflussreicher Familienverband 

Die Familie Langen gehörte nach eigener Einschätzung vor über 100 Jahren zu den vermögendsten und einflussreichsten Familien Deutschlands mit einem Firmengeflecht von mehr als 30 Unternehmen auf drei Kontinenten. Sie sieht sich auch als Mitgründer des Mannesmann-Konzerns sowie von jeweils einem der Vorläufer des Stahlkonzerns Salzgitter und des Siemens-Konzerns. Die Langens waren auch Besitzer einer Fabrik, die dann U-Bahnwagen baute. 

Reichskanzler zu Gast 

„Für Reichskanzler Bismarck waren „die Langens“ der erste Ansprechpartner bezüglich der Interessen der Industriellen von Rhein und Ruhr, und wenn der deutsche Reichskanzler im Rheinland war, übernachtete er nicht im Hotel, sondern in der Villa der Familie Langen in Köln“, heißt es in einer Darstellung. 

Auch etwas Wehmut schwingt mit: „Aus Bescheidenheit hat Eugen Langen den Namen für den gemeinsam erfundenen Verbrennungsmotor seinem Freund Nikolaus Otto überlassen - den „Otto-Motor“, und aus Bescheidenheit wurde die Gasmotorenfabrik Deutz nach ihrem Standort in Köln-Deutz, nicht aber nach ihrem Eigentümer Langen benannt.“ Langen sei nur im Rheinland ein Begriff. 

Der sogenannte Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn. (Archivbild)Horst Ossinger/dpa

Der sogenannte Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn. (Archivbild)Horst Ossinger/dpa

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Kaiserwagen kommt zurück 

Erste Passagiere der Schwebebahn waren bei einer Testfahrt am 24. Oktober 1900 Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria. An den Glanz alter Tage knüpft der sogenannte Kaiserwagen wieder an: Der Nostalgiezug soll nach jahrelangem Umbau ab Mai 2026 zurückkommen. Er kann für Hochzeiten genutzt werden. In dem schmuckvollen Fahrzeug hat passenderweise auch ein Ururenkel von Eugen Langen, Johannes von Langen, geheiratet, wie er erzählt. 

Der unglaubliche Sturz des Elefanten Tuffi 

Für kleine Familienmitglieder gehört die Geschichte von Tuffi beinahe zur Pflichtlektüre. Bei einer Werbeaktion eines Zirkus fuhr am 21. Juli 1950 der junge Elefant mit und geriet in Panik. Den tiefen Fall aus dem fahrenden Wagen aus etwa zehn Meter Höhe überlebte das Tier damals nahezu unbeschadet.

 

Vor mehr als 75 Jahren stürzte der kleine Elefant Tuffi aus einem Wagen der Schwebebahn in die Wupper (Archivbild). Der Tuffi-Stein erinnert daran.Federico Gambarini/dpa

Vor mehr als 75 Jahren stürzte der kleine Elefant Tuffi aus einem Wagen der Schwebebahn in die Wupper (Archivbild). Der Tuffi-Stein erinnert daran.Federico Gambarini/dpa

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Mythos des sichersten Verkehrsmittels 

Bis zum 12. April 1999 hatte die Wuppertaler Schwebebahn den Ruf als das sicherste Verkehrsmittel der Welt. Bei Bauarbeiten am Gleis wurde eine 100 Kilogramm schwere Eisenkralle vergessen. Der Frühzug entgleiste und stürzte acht Meter tief in die Wupper. Fünf Menschen starben, 47 wurden verletzt. 

Der abgestürzte Zug der Wuppertaler Schwebebahn im Wuppertaler Stadtteil liegt am 12. April 1999 im Fluss.  Oliver Multhaup/dpa

Der abgestürzte Zug der Wuppertaler Schwebebahn im Wuppertaler Stadtteil liegt am 12. April 1999 im Fluss. Oliver Multhaup/dpa

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Ein Wagen der Schwebebahn fährt über dem Wuppertaler Straßenverkehr.Federico Gambarini/dpa

Ein Wagen der Schwebebahn fährt über dem Wuppertaler Straßenverkehr.Federico Gambarini/dpa

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Große Teile der Schwebebahn-Trasse verlaufen über der Wupper. Federico Gambarini/dpa

Große Teile der Schwebebahn-Trasse verlaufen über der Wupper. Federico Gambarini/dpa

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Der Führerstand des sogenannten Kaiserwagens der Schwebebahn, der in der Werkstatt steht. (Archivbild)Federico Gambarini/dpa

Der Führerstand des sogenannten Kaiserwagens der Schwebebahn, der in der Werkstatt steht. (Archivbild)Federico Gambarini/dpa

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Tuffi-Stein: An den Sturz des kleinen Elefanten Tuffi aus der Wuppertaler Schwebebahn vor mehr als 75 Jahren erinnert an der Stelle eine Skulptur in der Wupper. (Archivbild) Federico Gambarini/dpa

Tuffi-Stein: An den Sturz des kleinen Elefanten Tuffi aus der Wuppertaler Schwebebahn vor mehr als 75 Jahren erinnert an der Stelle eine Skulptur in der Wupper. (Archivbild) Federico Gambarini/dpa

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Blick auf die Schwebebahn in Dresden. Im Hintergrund ist die Brücke „Blaues Wunder“ zu sehen. (Archivbild)Robert Michael/dpa-Zentralbild/ZB

Blick auf die Schwebebahn in Dresden. Im Hintergrund ist die Brücke „Blaues Wunder“ zu sehen. (Archivbild)Robert Michael/dpa-Zentralbild/ZB

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