Volumen bitte: Warum Jacken diese Saison zum Star werden
In den letzten Jahren sahen Jacken und Mäntel oft recht unspektakulär-warm aus. Jetzt übernehmen sie bisweilen die Hauptrolle im winterlichen Outfit. So trägt man die Trendteile.
Voluminös und warm: Jacken sind in diesem Winter wahre Blickfänger. Ein opulentes Beispiel: die bernsteinfarbene Jacke mit Gürtel und strukturiertem Kunstfell aus der Bottega Veneta Herbst/Winter 2026-2027 Damenkollektion.Luca Bruno/AP/dpa-tmn
© Luca Bruno/AP/dpa-tmn
Sie ist das Kleidungsstück, das im Winter der Welt besonders häufig präsentiert wird - und unser Outfit ziemlich stark bestimmt: die Jacke. Ohne sie auf die Straße zu gehen, ist schließlich eher keine Option in der kalten Jahreszeit. Doch wie sieht sie 2026 eigentlich aus, die modische Jacke?
Die kurze Antwort: anders als noch vor kurzem. Denn die neue Saison markiert einen deutlichen Stilwechsel. „Vieles an der Mode für den Winter ist eine Gegenreaktion auf die Zurückhaltung, die sich die Menschen in ihrem Streben nach Quiet Luxury, Old Money Style, Stealth Wealth in den zurückliegenden Saisons auferlegt haben“, sagt Carl Tillessen, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts (DMI) in Köln.
Einer der wichtigsten Trends der Saison: flauschige Elemente auf Jacken und Mänteln. Hier ein Beispiel mit Faux Fur von Calvin Klein (Preis auf Anfrage).Isidore Montag/Calvin Klein Collection/dpa-tmn
© Isidore Montag/Calvin Klein Collection/dpa-tmn
Die Begriffe stehen für eine zurückhaltende, möglichst unauffällige Form von Luxus: hochwertige Kleidung, die nicht laut wirkt, sondern über ihre Qualität spricht. Doch jetzt wird es wieder opulenter - auch bei Jacken und Mänteln.
Shearling-Jacken sind groß im Kommen
Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei den Schnitten. Oversized-Jacken und Mäntel prägen die Kollektionen, etwa als Shearling- oder Bomberjacke. „Sie sind die Trendstücke dieser Saison - voluminös, wuchtig, präsent“, sagt die Freiburger Stilberaterin Vivien Altman. Auf Carl Tillessen wirken manche Modelle sehr weit und sehr rund: „Auf diesen blusigen Silhouetten sitzen dann große Kragen, die die Funktion von Schals übernehmen.“
Gerade groß im Kommen: Shearling-Jacken, wie dieses Exemplar mit gemütlichem Kragen von H&M Studio (Jacke ca. 599 Euro).H&M Studio/dpa-tmn
© H&M Studio/dpa-tmn
Besonders auffällig: Shearling-Jacken mit Lamm- beziehungsweise Schaffell und seiner charakteristischen weichen, wolligen Oberfläche. In der Mode finden sich derzeit viele künstliche Varianten davon - oft an Krägen. Und auch Faux Fur, also Kunstpelz, ist häufig zu sehen. Auf den Schauen wurden entsprechende Exemplare etwa in den Kollektionen von Gabriela Hearst (hellbraun und mit großen Taschen), Balenciaga (schwarz, mit voluminösem Kragen), Loewe (wilder Fell-Woll-Leder-Mix) oder Polo Ralph Lauren (Parka mit Shearling-Kragen) gezeigt, um nur einige Beispiele zu nennen. Besonders beliebt sei die Kombination von Kunstfell mit Leder oder Wolle, so die Dortmunder Stilberaterin Juliane Gareis.
Jacke steht im Mittelpunkt
Aber nicht nur die Formen und Materialien, auch die Farben werden auffälliger. „Royal Blau kommt wieder, ebenso Ochsenblut“, sagt Juliane Gareis. „Die Cremetöne kommen jetzt als Butter daher.“
Auffällige Schnitte statt zurückhaltende Warmhalteoptik: Die Hochphase der Daunenmäntel ist vorbei. Hier ein Exemplar mit extravaganten Ärmeln von Max Mara (Mantel ca. 3.229 Euro, Tasche ca. 1.465 Euro).Max Mara/dpa-tmn
© Max Mara/dpa-tmn
Anders als in den vergangenen Jahren rückt also die Jacke selbst in den Mittelpunkt des Outfits. Puffer Jackets, also Stepp- und Daunenjacken „werden zwar nicht verschwinden, verlieren aber ihre Aktualität“, sagt Carl Tillessen. Die neuen voluminösen Schnitte der aktuellen Jacken und Mäntel spielen stattdessen mit den Proportionen. „Die Trends passen besonders gut zu rechteckigen Silhouetten, schmalen Ovalen und umgekehrten Dreiecken“, sagt Altmann.
Dabei gilt: Je auffälliger das Oberteil, desto zurückhaltender sollte der Rest des Looks ausfallen. Lange Ledermäntel harmonieren beispielsweise mit schmalen Hosen und Rollkragenpullovern, während sich lange Wollmäntel vielseitig mit Anzughosen oder über Kleidern kombinieren lassen.
Keine halben Sachen
Wer sich für eine Oversized-Jacke entscheidet, sollte beim Volumen aber keine halben Sachen machen. „Wenn die Jacke einfach nur zu groß aussieht, ist sie zu klein. Erst wenn die Jacke übergroß aussieht, ist sie richtig“, sagt Tillessen.
Und bei aller Begeisterung für neue Formen und Materialien: Im Winter ist eben auch die Funktion entscheidend. Bei Temperaturen um die 15 Grad reichen noch Lederjacke oder Blazer. Darunter sollte die Jacke bereits gut isolieren, zwischen 0 und 5 Grad empfiehlt sich das Zwiebelprinzip.
Ein Tipp von Modeberaterin Altmann: „Ein feines Leibchen aus Wolle oder Seide direkt auf der Haut und man bleibt warm, ohne außen auf Stil verzichten zu müssen.“
Taschen, Gürtel, breite Schultern: Schlicht geht es bei Jacken derzeit eher nicht zu. Hier ein Beispiel von COS (Jacke ca. 179 Euro, Tuch ca. 39 Euro, Sonnenbrille ca. 69 Euro).COS/dpa-tmn
© COS/dpa-tmn
Glänzender Auftritt: Der gelingt mit Modellen wie diesem Mantel aus der Herbst-/Winterkollektion 2026/27 von Michael Kors.Isidore Montag/Michael Kors/dpa-tmn
© Isidore Montag/Michael Kors/dpa-tmn
Bleiben: Lederjacken - und zwar gern in Kombi mit noch mehr Leder. Hier ein Beispiel von Rich&Royal (Lederjacke ca. 199 Euro, Lederrock ca. 149 Euro).Rich&Royal/dpa-tmn
© Rich&Royal/dpa-tmn
Macht sich immer gut bei mildem Herbstwetter: die Lederjacke, ob nun aus echtem oder aus Kunstleder. Hier ein Exemplar mit auffälligem Kragen von Veronica Beard (ca. 2.598 Euro).Veronica Beard/dpa-tmn
© Veronica Beard/dpa-tmn