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Tausende Schriften sollen Wurzeln der Aufklärung beleuchten

In Bibliotheken in ganz Europa schlummern tausende Schriften der Sozinianer-Bewegung – also Wegbereitern der Aufklärung. Wissenschaftler wollen diese Dokumente nun für einen bestimmten Zweck erfassen.

Von dpa

06.01.2026

Die Sozinianer-Bewegung habe mit ihren Ideen und Schriften die Aufklärung in Europa mit vorbereitet, sagt der Leiter der Emder Johannes a Lasco Bibliothek, Kęstutis Daugirdas. Lennart Stock/dpa

Die Sozinianer-Bewegung habe mit ihren Ideen und Schriften die Aufklärung in Europa mit vorbereitet, sagt der Leiter der Emder Johannes a Lasco Bibliothek, Kęstutis Daugirdas. Lennart Stock/dpa

© Lennart Stock/dpa

Um die Anfänge der Aufklärung zu untersuchen, wollen Wissenschaftler mehr als 10.000 Schriftstücke aus Bibliotheken in ganz Europa erfassen und online frei zugänglich machen. Im Interesse der Forscher stünden Briefe, Drucke und Schriften der in der Öffentlichkeit kaum bekannten Bewegung der Sozinianer aus den Jahren 1550 bis 1750, sagte Kęstutis Daugirdas, wissenschaftlicher Vorstand der Johannes a Lasco Bibliothek, im ostfriesischen Emden. 

Die Schriften lägen verstreut in Bibliotheken etwa in Stockholm, Hamburg, Amsterdam und Warschau. An dem Projekt sind Forscher aus Emden und Gießen beteiligt.

Die Sozinianer waren eine aus dem protestantischen Christentum hervorgegangene transnationale Minderheit. Kritisches Denken, Toleranz und wissenschaftliche Vernetzungen seien ihre zentralen Werte, sagte Daugirdas. „Von den Ideen her war das eine Strömung, die die Aufklärung ganz entscheidend mit vorbereitet hat.“ Ihre in Manuskripten und Briefen festgehaltenen Ideen mündeten in die Zeit der Aufklärung. 

Indem nun die vielen, teils noch unerforschten Schriften der Sozinianer registriert, digitalisiert und kommentiert werden, wollen die Forscher die Wurzeln der europäischen Aufklärung neu beleuchten.

„Was wir hier erschließen und erarbeiten werden, wird zeigen, wie Europa als Glaubens-, Wissenschafts- und Kommunikationsraum funktioniert hat und wie das pluralistische Denken entstanden ist“, sagt Daugirdas. Es gehe um Grundlagenforschung, die auch eine Bedeutung für die heutige Zeit habe, in der kritisches Denken durch Fake News und Manipulationen mit Künstlicher Intelligenz unverzichtbar sei. Ein solcher Katalog helfe, Wissen zugänglich zu machen.

Forschung über Ländergrenzen hinweg 

Hinter dem Forschungsprojekt stehen die niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Die Union der Deutschen Akademien fördert das Vorhaben mit Bundes- und Landesmitteln aus Niedersachsen und Hessen für 21 Jahre. Zur genauen Fördersumme wurden keine Angaben gemacht.

Während an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen an der digitalen Umsetzung gearbeitet wird, befasst sich die Emder Johannes a Lasco Bibliothek mit der historisch-kritischen Aufarbeitung der Schriftstücke.

„Wir freuen uns auf das Projekt, zumal wir bereits seit acht Jahren
erfolgreich mit der Johannes a Lasco Bibliothek zusammenarbeiten“, sagt Andreas Kuczera, der an der TH Mittelhessen an dem Projekt arbeitet. 

Viele Schriftstücke der Sozinianer-Bewegung sollen in dem Forschungsprojekt digitalisiert werden. Lennart Stock/dpa

Viele Schriftstücke der Sozinianer-Bewegung sollen in dem Forschungsprojekt digitalisiert werden. Lennart Stock/dpa

© Lennart Stock/dpa

Zum Teil können die Wissenschaftler auf bereits digitalisierte Briefe zurückgreifen, die in einem Vorgängerprojekt digitalisiert wurden. Darin tauschten sich die Verfasser der sozinianischen Briefe etwa über Fragen der Theologie und der Astronomie aus. „Wir werden das noch fortsetzen“, sagt Daugirdas mit Blick auf die noch zu erfassenden Schriften etwa von Gelehrten, Theologen, Juristen und Astronomen aus vielen europäischen Ländern. 

Insgesamt soll so ein großer Online-Katalog entstehen, der für Forscher und alle Interessierte offen im Internet zugänglich steht. „Es ist die umfänglichste Sammlung, die je zu Handschriften der Sozinianer in der neueren Geschichte angelegt wurde“, sagt der Forscher.

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