Panorama

„Survivor“ mit Detlef Soost: Trainiert in Notfall-Modus

Detlef Soost wurde berühmt durch die Castingshow „Popstars“. Nun kehrt er als Gastgeber eines Reality-Formats ins TV zurück. Warum Soost zu „Survivor“ passt, erklärt der 55-Jährige im dpa-Gespräch.

Von Jens Marx, dpa

23.03.2026

Warum Soost zu „Survivor“ passt, erklärt der 55-Jährige im dpa-Gespräch.HALIL/Acun Medya/Sport1/dpa

Warum Soost zu „Survivor“ passt, erklärt der 55-Jährige im dpa-Gespräch.HALIL/Acun Medya/Sport1/dpa

© HALIL/Acun Medya/Sport1/dpa

Detlef Soost kennt den Notfallmodus. Schon lange. Schon als kleiner Junge, als er gerade mal vier Jahre alt war. Er sei als Schlüsselkind aus der Kita nach Hause gekommen, erzählt Soost in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. In der Küche habe er seine Mutter regungslos auf dem Boden liegen gesehen neben leeren Alkoholflaschen und leeren Tablettenschachteln. 

„Sie hat sich nicht mehr bewegt, weil sie das erste Mal versucht hatte, sich umzubringen“, sagt Soost. „Da war ich das erste Mal im Notfallmodus.“ 51 Jahre nach dem Vorfall, auch geprägt von vielen weiteren Lebensprüfungen, betont Soost: „Ich bin, so kann man es sagen, trainiert, mit Notfallsituationen umzugehen.“ 

Die Rückkehr nach den „Popstars“

Prädestinierter könnte er für seinen neuen Job kaum sein, der ihn mehr als ein Jahrzehnt nach der Castingshow „Popstars“ zurück auf die TV-Bühne bringt. Soost, der sich zuerst vor allem als Tänzer und Choreograph einen Namen machte und mittlerweile auch als Coach, Redner und Motivator unterwegs ist, wird der Host des Reality-Formats „Survivor“ (deutsch: Überlebender) bei Sport1 sein. 

Es gibt 35 Episoden, fünf pro Woche im Free-TV und on demand auf show1.tv. Los geht es an diesem Montag (23.3.). Die Teilnehmer seien normale, aber außergewöhnliche Menschen, die auf einer einsamen tropischen Insel leben und nur mit dem Nötigsten ausgestattet seien, wirbt Sport1. 

Die Herausforderungen: Alles musste sich erst verdient werden

„Es war Überleben auf einer Insel ohne jeglichen Komfort. Nicht mal Feuer hatten sie in den ersten zwei Nächten, weil sie sich auch das erst in den Challenges erarbeiten mussten“, erklärt Soost. Die Bedingungen seien extrem, massive emotionale und psychische Auswirkungen die Folge, schildert Soost: „Das sind Notfallsituationen.“ 

Diese kennt er nur zu gut. Soost wuchs im damaligen Ost-Berlin in schwierigen familiären Verhältnissen auf. Sein aus Ghana stammender leiblicher Vater verleugnete ihn, mit 34 Jahren lernte Soost ihn erst kennen. Es blieb bei einem einmaligen Treffen. 2006 starb sein Vater. 

Der Moment als Elfjähriger, der Soost auch prägte

Mit sieben Jahren war Soost bereits ins Kinderheim gekommen. Es folgten Jahre, die ihn ebenfalls prägten und Erlebnisse, die ihn motivierten. „Ich erinnere mich, da war ich etwa elf und schon im Kinderheim, dass ein Passant zu meinen Freunden und mir kam und meinte: „Aus euch werden sowieso nur Alkoholiker, Drogenabhängige oder Kriminelle““, erzählt Soost. 

Suggeriert zu bekommen, dass man nichts wert sei, „das hat in mir einen Widerstand ausgelöst. Das war ein Motor für mich. Und sicherlich wäre ich nicht da, wo ich heute bin, wenn ich diese Vergangenheit und Kindheit nicht gehabt hätte“. Wenn ihn aber jemand fragen würde, ob er lieber eine erfüllte Kindheit gehabt hätte mit zwei Elternteilen, die für ihn da gewesen wären, „würde ich sagen: Ja“.

Soosts Rezept, um wieder Kraft zu sammeln

Soost spricht auch darüber offen, schonungslos offen. So schonungslos wie ihn das TV-Publikum von 2000 bis 2012 bei den „Popstars“ als Choreograph und Juror erlebte: fordernd, auch mal ohne Gnade, gepaart mit seiner Berliner Schnauze. 

Seine Sätze klingen auch heute noch wie Tanzschritte auf dem Parkett, rhythmisch, mal mit Wucht, mal sanft, als würden die Füße den Boden kaum berühren. Verwunderlich ist das nicht. Soost bezeichnet sich selbst als „absoluten Yin-und-Yang-Menschen“ – es geht um gegensätzliche Kräfte, die sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen. 

Und so schöpft er auch neue Kraft. „Ich benutze ganz bewusst freie Zeiten, in denen ich meditiere, in denen ich nichts mache, auch das Handy aus ist, wo nichts passiert“, erzählt Soost. „Man sagt, ein Handy sollte fast leer sein, bevor man es an die Ladestation packt. Zumindest bei mir ist das genau das Gleiche.“

Lange Krankenakte: Auch Schlaganfälle und Herzprobleme

Einmal aufgeladen, legt Soost los. So wie 2024 bei „Let’s Dance“ – trotz einer Stahlplatte im Bein und zwei künstlichen Hüften. Platz drei wurde es am Ende mit seiner Tanzpartnerin Ekaterina Leonova, die ihm später zum 54. Geburtstag schrieb: „Viele fragen mich, wieso ich dich „mein Kleiner“ nenne. Weil ich weiß, dass hinter dem starken, selbstbewussten und großen Mann ein ganz sensibler, liebevoller und verletzlicher Junge steckt.“ 

Auch die Seite versteckt Soost nicht. Er lässt die Öffentlichkeit an Eheproblemen teilhaben, jüngst offenbarte der Vater von drei Kindern, dass er 2024 mehrere Schlaganfälle erlitt. „Es wurde festgestellt, dass ich im Bereich des Gehirns, welcher fürs Sehen zuständig ist, einen normalen und drei kleine Schlaganfälle innerhalb kürzester Zeit hatte“, berichtete er in der „Bild“. Von Herzproblemen einige Jahre zuvor sprach Soost auch – wie sagt er im dpa-Gespräch? „Ich bin, so kann man es sagen, trainiert, mit Notfallsituationen umzugehen.“

Soost ist längst mehr als nur Tanz-Choreograph. (Archivbild)Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

Soost ist längst mehr als nur Tanz-Choreograph. (Archivbild)Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

© Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

Durch die Castingshow „Popstars“ wurde Detlef Soost berühmt. (Archivbild)picture alliance / dpa

Durch die Castingshow „Popstars“ wurde Detlef Soost berühmt. (Archivbild)picture alliance / dpa

© picture alliance / dpa

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