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Remscheider Waffenarsenal: Hauptangeklagter räumt Fehler ein

Hinter Geheimtüren und Zwischenwänden: Die Polizei findet rund 300 scharfe Waffen und fast 100.000 Schuss Munition. Jetzt erklärt sich der Hauptangeklagte.

Von dpa

29.07.2026

Waffen und mehr: Die Ermittler stießen auf eine Art Privatmuseum. (Archivbild)--/Polizei Wuppertal/dpa

Waffen und mehr: Die Ermittler stießen auf eine Art Privatmuseum. (Archivbild)--/Polizei Wuppertal/dpa

© --/Polizei Wuppertal/dpa

Im Prozess um das riesige Remscheider Waffenarsenal hat sich jetzt auch der Hauptangeklagte in weiten Teilen geständig gezeigt. Über seine Verteidigerin ließ der 60-jährige Betreiber einer Autowerkstatt im Wuppertaler Landgericht erklären, die in der Anklage aufgelisteten Waffenkäufe hätten sich so zugetragen. 

In dem Prozess geht es um Waffenhandel und um einen der größten Kriegswaffenfunde seit 1945. Der 60-jährige Kfz-Meister soll in Remscheid ein enormes Arsenal von Pistolen, Gewehren und Munition gehortet haben.

Ehe leidet – „Waffenmuseum“ wächst

Das Sammeln von Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg sei sein Hobby gewesen, schilderte der Hauptangeklagte in seiner Erklärung. „Man kann sagen, dass ich ein fanatischer Sammler bin.“

Irgendwann habe er die Distanz zu seiner Sammel-Leidenschaft verloren. Seine Ehe habe unter dem zeitfressenden Hobby gelitten, während er sich „einen Lebenstraum erfüllt“ und ein Waffenmuseum gebaut habe, so der Angeklagte. Im Laufe der Jahre habe er viele andere Militaria-Sammler kennengelernt und sei auch in Kontakt mit scharfen Waffen gekommen. Die hätten ihn zwar fasziniert, aber: „Ich wollte nie damit schießen, ich wollte sie nur besitzen.“

Langfristig habe er die Sammlung „entmilitarisieren“ wollen. „Ich wusste, dass ich die nicht haben durfte“, räumte der Angeklagte ein. Daher habe er versteckte Räume eingerichtet, auf die er die Ermittler später aber auch hingewiesen habe, „damit auch kein Unbefugter rein konnte“. 

Waffen hinter Geheimtüren versteckt

Der Fund des geheimen Waffenarsenals hinter einer Art privatem Waffenmuseum hatte im Oktober vergangenen Jahres bundesweit für Furore gesorgt. Es gab in dem Gebäude Geheimtüren, hinter Zwischenwänden versteckte Räume, verborgene Schließmechanismen und sogar Munition im Hohlraum eines Türrahmens. 

Tagelang stießen 200 Einsatzkräfte in dem Gebäudekomplex in der Remscheider Innenstadt auf immer neue Überraschungen. Nach und nach beförderten sie ein enormes Waffenarsenal ans Licht. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland.

Waffen vernichten „zu schade“

Im Laufe der Jahre seien immer mehr Waffen-Fans auf ihn zugekommen und hätten auch gefragt, ob sie scharfe Waffen bei ihm zwischenlagern könnten, schilderte der 60-Jährige. Daraus sei leider „ein Dauerzustand“ geworden. „Ich hätte sie vernichten können, aber dafür waren sie zu schade.“

Der Angeklagte räumte zwar den Besitz aller Waffen ein. Es wundere ihn aber, wenn gesagt werde, nicht alle seien unbrauchbar gemacht worden. „Ich dachte, alle seien Deko-Waffen.“ Er habe jedenfalls alle noch scharfen Waffen entmilitarisieren lassen wollen. „Aus purem Zeitmangel kam ich nicht dazu“, versicherte er. „Mit scharfen Waffen zu handeln, war nie meine Absicht.“

Die Staatsanwaltschaft hatte neben dem 60-Jährigen auch zwei weitere Männer im Alter von 35 und 38 Jahren wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz angeklagt. Die beiden Jüngeren hatten kürzlich bereits gestanden, sie hätten bei dem 60-Jährigen Maschinenpistolen für rund 2.000 Euro pro Stück sowie Munition gekauft. 

Rund 300 scharfe Schusswaffen sichergestellt

Bei den Durchsuchungen in Remscheid hatten die Polizisten am Ende rund 300 scharfe Schusswaffen sichergestellt – darunter 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, Präzisionsgewehre, 11 Revolver und 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten sowie fast 100.000 Schuss Munition. Als Käufer vermuten die Ermittler Kunden aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität. 

Angeklagter will von Weiterverkäufen nichts gewusst haben

Einem Kunden, der ihn nach scharfen Waffen gefragt habe, habe er Maschinengewehre und Pistolen verkauft, räumte der 60-Jährige ein. Er habe es für möglich gehalten, dass der die Waffen an andere Sammler weitergeben würde, „aber nicht an Kriminelle“. Letztlich entzögen sich die Verkäufe an andere Abnehmer seiner Kenntnis. 

„Ich sehe ein, dass ich viele Fehler gemacht habe“, schloss er seine Erklärung. „Zum Glück gelangten die Waffen in die Hände der Polizei.“

Einer der Angeklagten verdeckt sein Gesicht. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa

Einer der Angeklagten verdeckt sein Gesicht. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa

© Rolf Vennenbernd/dpa

Wiedersehensfreude unter widrigen Umständen - auf der Anklagebank. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa

Wiedersehensfreude unter widrigen Umständen - auf der Anklagebank. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa

© Rolf Vennenbernd/dpa

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