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QR-Code zum „Kokstaxi“ - „Keine Gefahr steigender Nachfrage“

Bunte Sticker, QR-Codes und Rabatt: In Großstädten liefern Dealer Rauschgift direkt an die Straßenecke. Die Polizei kennt die Werbestrategie, sieht aber keine neue Qualität.

Von dpa

29.11.2025

Mit Aufklebern wird für Drogenlieferungen geworben, die Polizei erwartet dadurch keine höhere Nachfrage. (Archivbild)David Hammersen/dpa

Mit Aufklebern wird für Drogenlieferungen geworben, die Polizei erwartet dadurch keine höhere Nachfrage. (Archivbild)David Hammersen/dpa

© David Hammersen/dpa

Die Lieferung von Drogen wie Cannabis und Koks über Aufkleber mit QR-Codes führt nach Einschätzung der Berliner Polizei nicht unbedingt zu einer Ausweitung der Rauschgift-Kriminalität. „Es ist eine Variation der bislang hinlänglich bekannten Verteilung von Visitenkarten“, teilte die Polizei mit. Durch die Nutzung eines weiteren Mediums zur Werbung für den Drogenhandel werde „keine Gefahr einer steigenden Nachfrage nach Betäubungsmitteln gesehen“.

Verschiedene bunte Werbeaufkleber für Drogenlieferungen finden sich seit Monaten verstärkt in Berlin und sorgten für Aufsehen. Das Phänomen sei seit 2024 bekannt, so die Polizei. Auch in anderen Großstädten wie Hamburg sind die Aufkleber seit Monaten zu sehen.

Sie sind in zahlreichen Varianten vor allem in der Innenstadt auf Laternen, Stromkästen, Pollern und Zäunen geklebt. Zum Teil sind sie bunt und mit Bildern ausgeschmückt. „Drug Delivery all over Berlin“, heißt es zum Beispiel. Rabatt bei der ersten Bestellung wird angeboten. QR-Codes, die mit dem Handy gescannt werden, führen zu Chat-Gruppen in den Messengerkanälen von Whatsapp oder Telegram. 

Drogen werden mit Auto geliefert

Diese Kanäle gibt es schon seit vielen Jahren. Käufer kommunizieren mit den Dealern und bestellen bestimmte Mengen von Marihuana, Kokain oder Ecstasy, die dann mit einem Auto - dem sogenannten Kokstaxi - an verabredete Stellen am Straßenrand geliefert werden. Die Polizei betont, in allen bekannt gewordenen Fällen von Aufklebern werde wegen des Verdachts der Betäubungsmittel-Kriminalität ermittelt. 

In Hamburg hatte der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) kürzlich kritisiert, die bunten Aufkleber stünden „sinnbildlich für die gescheiterte Bekämpfung von organisierter Rauschgiftkriminalität“. Wenn derartig offen um Kundschaft geworben werde, „nimmt sie offenkundig keinen Strafverfolgungsdruck durch Polizei und Staatsanwaltschaft mehr wahr“. Das „Drogentaxi“ sei mittlerweile die erste Bezugsquelle für illegale Drogen. Die Anzahl steige stetig.

In Berlin und in anderen Großstädten fasst die Polizei schon seit vielen Jahren immer wieder Lieferanten, die Drogen mit Autos zu den Kunden bringen. Geliefert wird nachts zu Privatadressen, Kneipen, Partys und Clubs. Aber auch tagsüber sind die Kuriere unterwegs, Geschäftsleute sollen ebenfalls zu den Beziehern gehören.

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