Prunkvolle Alltagsflucht: „The Gilded Age“ geht weiter
Alteingesessene Familien verteidigen in New York ihren Rang, neureiche Unternehmer kämpfen um Anerkennung. Worum geht es in der vierten Staffel der Hit-Serie? Und wie viel Geschichte steckt darin?
Die Schwestern Agnes (Christine Baranski) und Ada (Cynthia Nixon) strahlen in imposanten Kostümen.---/HBO Max/dpa
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Prächtige Kleider, imposante Villen und aufstrebende gegen altehrwürdige Familien auf der Fifth Avenue in New York: In der Emmy-nominierten HBO-Serie „The Gilded Age“ dreht sich alles um die High Society in den 1880er Jahren und den gesellschaftlichen Machtkampf um Einfluss in der Stadt. Das international erfolgreiche Gesellschaftsdrama von „Downton Abbey“-Schöpfer Julian Fellowes geht nun in die vierte Staffel.
Worum ging es bisher in der Serie?
Nach dem Tod ihres Vaters zieht Marian Brook (Louisa Jacobson Gummer) als Vollwaisin aus Pennsylvania zu ihren Tanten Agnes van Rhijn (Christine Baranski) und Ada Brook (Cynthia Nixon) auf die Fifth Avenue in New York. Gegenüber bezieht der Eisenbahnunternehmer George Russell (Morgan Spector) mit seiner Frau Bertha Russel (Carrie Coon) und ihren zwei Kindern gerade ein protziges Anwesen.
Die neureichen Russells stammen aber nicht aus einer alteingesessenen New Yorker Familie, sondern möchten sich ein Leben in der High Society aufbauen. Das ist nicht leicht, denn in den Kreisen, zu denen sie gehören wollen, zählt vor allem die Herkunft. Dieser Kampf um Status und Einfluss der Familien Manhattans streckt sich über die kompletten vier Staffeln der Serie.
Was dürfen Fans nun von Staffel vier erwarten?
In der vierten Staffel geht es vor allem die Turbulenzen in der Industrie. Denn es kommen immer mehr Unternehmer mit Einfluss auf den Markt, die New York für sich gewinnen wollen - etwa John D. Rockefeller, der den Russels einen Strich durch die Rechnung macht. Nebenbei sucht sich der ehemalige Diener der Van Rhijns einen Weg in die Oberschicht und auch die verzweifelte Liebesgeschichte zwischen Marian und Larry geht mit Höhen und Tiefen auf eine Entscheidung zu.
Fans werden auch in der vierten Staffel nicht enttäuscht. Bei den Kostümen, die immer bunter werden, staunt man nicht schlecht, während weitere herzzerreißende Liebesdramen hochkochen. Prunkvolle Kulissen, dramatisches Schauspiel bei Publikumsliebling Carrie Coon und auch Christine Baranski strahlt wieder mit trockenem Humor und großer Schauspielkunst.
Was macht die Serie so erfolgreich?
Vor allem eine prunkvolle Flucht aus dem Alltag. Anders als in vielen düsteren Serien der Gegenwart geht es selten um Leben und Tod. Stattdessen drehen sich die Konflikte um Einladungen zu Bällen, den besten Platz in der Oper und gesellschaftliches Ansehen.
Im Internet feiern Fans genau das: Kleine Luxusprobleme der Superreichen werden wie große Krisen inszeniert und sorgen für leichte, unterhaltsame Spannung. Neben den aufwendigen Kostümen und Kulissen lobt das Publikum auch, dass die Serie über die Figur der jungen Autorin Peggy Scott (Denée Benton) auch das Leben der wohlhabenden schwarzen Bevölkerung im New York des späten 19. Jahrhunderts zeigt, was in Kostümfilmen eher seltener vorkommt.
Die „Gilded Age“, das „vergoldete Zeitalter“ der USA, dauerte etwa ein Vierteljahrhundert von den 1870er Jahren bis 1900. HBO/Warner/Sky/dpa
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Was war die „Gilded Age“?
Die „Gilded Age“, das „vergoldete Zeitalter“ der USA, dauerte etwa ein Vierteljahrhundert von den 1870er Jahren bis 1900. Diese Epoche war in Amerika durch große Ungleichheiten in der Gesellschaft und starken Umbrüchen geprägt. Während in einfachen Haushalten noch auf offenem Feuer gekocht und bei Kerzenschein gelesen wurde, hielten in den Palästen der Fifth Avenue langsam fließendes Wasser und Edisons neues elektrisches Licht Einzug.
Die Serienmacher versuchen, auf das Leben in dieser Zeit mit verschiedenen Teilgeschichte Bezug zu nehmen. So versucht Marian, sich ein selbstständiges Leben unabhängig ihrer Tanten aufzubauen und sucht sich eine gemeinnützige Tätigkeit. Die Autorin Peggy, die selbst aus der schwarzen Oberschicht kommt, versucht sich einen Platz in der Gesellschaft zu erarbeiten, während sich auch andere Hausangestellte weiterentwickeln und Erfolge haben.
Wie viel echte Geschichte steckt in der Serie?
In der Serie verschmelzen fiktive Figuren mit realen Ereignissen. Die im Zentrum stehenden Familien Russell und Van Rhijn sind zwar erfunden, der Machtkampf zwischen alteingesessener Oberschicht und neureichen Industriellen ist eng an realen Vorbildern wie der Eisenbahn-Dynastie Vanderbilt angelehnt.
Serienschöpfer Julian Fellowes habe ursprünglich mit dem Gedanken gespielt, eine Serie direkt über die Vanderbilts zu schreiben, erklärte er im Interview mit der Zeitung „Gulf News“. Er habe dies jedoch als zu einengend empfunden, da man bei realen Personen an die tatsächlichen Geschehnisse gebunden sei. „Also bin ich dazu übergegangen, fiktive Familien aus der „Gilded Age“ zu erfinden, bei denen man reale Ereignisse und Begebenheiten nach Belieben einbauen kann“, erklärte er.
Für die historische Genauigkeit am Set sorgte unter anderem die amerikanische Historikerin Erica Armstrong Dunbar. „Die Kleidung, die unsere Schauspieler tragen, die Kutschen, in die sie steigen, die Teetassen, die sie benutzen, all das ist historisch akkurat“, sagte Dunbar dem „Smithsonian Magazine“.
Selbst ungewöhnlich modern wirkende Schnitte bei den knapp 5.000 Kostümen stammen laut Kostümdesignerin Kasia Walicka-Maimone im Interview mit dem Branchenblog „Tom + Lorenzo“ direkt aus historischen Modekupfern und Fotoarchiven.
Ein Teil des New York der Serie liegt in Newport im US-Bundesstaat Rhode Island. Dort drehte das Team unter anderem in den historischen Anwesen Marble House und The Breakers, auch in der vierten Staffel.
Die Serie startet am 2. November bei HBO Max und WOW sowie bei Sky Atlantic. Die acht neuen Folgen erscheinen jeweils wöchentlich montags.