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Mord aus Rache auf Fest? - Angeklagter schweigt vor Gericht

Zahlreiche Menschen feiern und tanzen auf einem kurdischen Fest. Doch dann wird mitten in dem fröhlichen Treiben ein Mann erstochen. Für die Ermittler steht das Motiv fest.

Von dpa

09.01.2026

Der Angeklagte soll seinen Cousin mit einem Stich ins Herz getötet haben. Daniel Karmann/dpa

Der Angeklagte soll seinen Cousin mit einem Stich ins Herz getötet haben. Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

War es Mord aus Rache für ein Gewaltverbrechen vor vielen Jahren? Auf einem kurdischen Neujahrsfest mit rund 1.000 Gästen soll ein 43-Jähriger seinen Cousin erstochen haben. Zu Beginn des Mordprozesses vor dem Landgericht in Nürnberg schwieg der Syrer zu den Vorwürfen. Die Verteidigung hat indes Zweifel, ob es sich bei der Tat überhaupt um Mord handelt. 

Für die Staatsanwaltschaft steht jedoch fest: Es war Mord aus niedrigen Beweggründen und Heimtücke. Das Motiv: Der Cousin soll angeblich die Schwester des Angeklagten vor ungefähr 20 Jahren in Syrien getötet haben. 

Küchenmesser war Tatwaffe

Den Ermittlungen zufolge hatte der 43-Jährige am 23. März 2025 das Fest in Parsberg (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) zusammen mit seiner Frau und seinen fünf Kinder besucht. Unweit eines Lagerfeuers habe er seinen Verwandten entdeckt, sagte Staatsanwältin Miriam Schmitt-Wüstenhagen. „Spätestens zu diesem Zeitpunkt fasste der Angeschuldigte den Entschluss, seinen Cousin zu töten, um seine Schwester zu rächen.“

Mit einem Küchenmesser habe er sich dem 39-Jährigen von hinten genähert und diesem direkt ins Herz gestochen. Das Opfer sei davon getaumelt, aber nach wenigen Metern reglos zu Boden gefallen, sagte Schmitt-Wüstenhagen. Anderen Feiernden gelang es demnach, den Angreifer festzuhalten und ihm das Messer abzunehmen. Woher der Angeklagte das Messer hatte, blieb in der Verhandlung zunächst offen. 

Verteidigung sieht keine Beweise für Mord

Der Prozess startete am Freitag mit strengen Einlasskontrollen und Sicherheitsvorkehrungen - allerdings nicht aus konkretem Anlass, sondern präventiv, weil es sich um einen Konflikt zwischen zwei Familien handele, sagte Gerichtssprecherin Tina Haase. Der Angeklagte kam in Fußfesseln in den Gerichtssaal. Ein Dolmetscher übersetzte ihm alles, was vor Gericht gesprochen wurde. 

Aus Sicht der Verteidigung gibt es keine Beweise, dass es sich um Mord handelt. Daniel Karmann/dpa

Aus Sicht der Verteidigung gibt es keine Beweise, dass es sich um Mord handelt. Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

„In diesem Verfahren geht es nicht um die Frage, ob ein Mensch getötet wurde“, sagte Verteidiger Maximilian Bär. Es gehe vielmehr um die strafrechtliche Würdigung. Dass der Angeklagte aus niedrigen Beweggründen und Heimtücke gehandelt habe, stehe nicht fest. Eine Verurteilung wegen Mordes sei daher nicht möglich.

Es habe Drohnenaufnahmen von dem Fest und angesichts der vielen Gäste potenziell viele Zeugen gegeben, sagte Bär. „Dennoch gibt es keinen einzigen Zeugen, der die Tathandlung an sich gesehen hat.“ Deshalb sei unklar, ob es vorher nicht doch zu einer Konfrontation gekommen sei. Außerdem fehlten Beweise dafür, dass sich der Beschuldigte dem Opfer von hinten genähert habe.

Schwierige Ermittlungen

Das bestätigt vor Gericht auch eine Polizistin, die als eine der Ersten am Tatort war. Viele der befragten Gäste hätten aus zweiter oder dritter Hand von dem Tötungsdelikt erfahren. Augenzeugen habe es aber nicht gegeben. Die Stimmung vor Ort sei aufgeregt gewesen und es habe ein heilloses Durcheinander geherrscht, berichteten weitere Polizisten. 

Wichtige Erkenntnisse habe ein Drohnenvideo geliefert, auch wenn die Tat darauf nicht zu sehen gewesen sei, sagte ein Ermittler. Auf diesem sei der 39-Jährige zu sehen, wie er zu dem Lagerfeuer gegangen sei, um das zahlreiche Menschen tanzten. „Es mutet an, als sei er relativ entspannt.“ Später habe man in dem Video sehen können, wie das Opfer auf dem Boden liege. Damit sei klar, wann die Tat in etwa gesehen sein muss. 

Das Landgericht hat zwölf weitere Verhandlungstermine angesetzt. Ein Urteil könnte die Kammer Ende Februar verkünden.

Das Motiv ist laut Anklage Rache für den gewaltsamen Tod der Schwester vor etwa 20 Jahren. Daniel Karmann/dpa

Das Motiv ist laut Anklage Rache für den gewaltsamen Tod der Schwester vor etwa 20 Jahren. Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

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